Neukölln

Vereint im Aleph

Zuschauen konnte man auch per Livestream. Foto: Screenshot

Wer schon immer einmal Lust hatte, die Vielfältigkeit muslimischen und jüdischen Lebens in Berlin hautnah zu erleben, mit Vertretern beider Communitys über Gott und die Welt zu plaudern und dabei noch kreative künstlerische Performances zu bestaunen, der kam in der vorvergangenen Woche voll auf seine Kosten: Das Muslimisch-Jüdische Festival Berlin war angetreten, um Menschen unterschiedlichster Identitäten und religiöser Hintergründe zusammenzubringen.

Unter dem Motto »Kunst vereint – muslimisch-jüdische Stimmen« hatte der Berliner Verein »Jung, Muslimisch, Aktiv« (JUMA) Interessierte eingeladen, an vier Tagen in die kulturelle Diversität jüdischen und muslimischen Lebens einzutauchen.

festjahr Anlass für das Festival, das in dieser Form zum ersten Mal überhaupt stattfand, war das Festjahr »1700 Jahre jüdisches Leben in Deutschland«. Organisatorisches Vorbild waren die von JUMA seit 2018 in Berlin veranstalteten Muslimischen Kulturtage.

Von Donnerstag bis Sonntag wurden den Besuchern im Prachtwerk in der Neuköllner Ganghoferstraße sowie den Zuschauern zu Hause per Livestream insgesamt elf Veranstaltungen und 50 künstlerische Auftritte geboten. Das Spektrum reichte dabei von Musik, Tanz und Film über Theater-Performances und Poetry-Slams bis hin zu inhaltlichen Gesprächsrunden. Finanziell unterstützt wurde das Festival von der Berliner Senatskulturverwaltung.

Der geschäftsführende Berliner Kultursenator Klaus Lederer (Linke) wollte es sich deshalb auch trotz der derzeit laufenden Koalitionsverhandlungen nicht nehmen lassen, zum Auftakt persönlich vorbeizuschauen. »Dass Sie es als junge Generation hinbekommen, Gräben zu überwinden und ein gemeinsames Festival auf die Beine zu stellen, zeigt uns anderen und auch den Älteren in Politik und Gesellschaft, wie es gehen kann«, sagte Lederer in seinem an die Veranstalter gerichteten Grußwort.

zusammenarbeit Das Festival mache deutlich, dass Unterschiede nicht dazu da seien zu trennen, sondern die Menschen gegenseitig zu bereichern. »Dass eine muslimische Institution auf jüdische Organisationen zugeht und ein gemeinsames Projekt startet, zeigt, wie erfolgreich sich die religionsübergreifende Zusammenarbeit in Berlin in den letzten Jahren entwickelt hat«, sagte der Linken-Politiker.

Dass Dialog und Verständigung auch durch den Magen gehen können, unterstrich die Kochshow von »Kanaan«.

Ebenfalls zum Auftakt sprach die in Berlin wohnende Rabbinerin von Hillel Deutschland und Festivalprojektpartnerin, Rebecca Blady. Ihr Thema: Der hebräische Anfangsbuchstabe Aleph und seine Bedeutung für die Idee der jüdischen Meditation. »Die jüdische Tradition lehrt uns, dass das erste Mal, als Gott vom Himmel herabstieg, um Menschen zu treffen, diese Menschen die göttliche Präsenz durch den Klang des Einatmens wahrnehmen konnten.« In diesem Sinne vereine der Vorgang des Ein- und Ausatmens alle Menschen miteinander.

Die anschließende Meditationsübung, die Blady zusammen mit dem Publikum durchführte, war sodann ein gelungener Beginn für das bunte Programm, das noch folgen sollte. »Immer, wenn wir ein- und ausatmen, sind wir in einem Ausdruck miteinander vereint: Aleph.«

höhepunkte Weitere Höhepunkte des Festivalprogramms waren das Konzert des Musikkollektivs »Kayan Project« mit virtuosen Beats von Jazz bis Folk und Gesang auf Hebräisch, Arabisch und Englisch sowie die Ausstellung Visual Arts zur Konstruktion und Dekonstruktion von Identitäten und Vorstellungen über jüdische und muslimische Menschen anhand der Werke der Illustratorin und Comic-Künstlerin Soufeina »Tuffix« Hamed, der Künstlerinnen Noa Heyne und Nina Prader sowie der Designerin Hatice Cevik.

Dass Dialog und Verständigung auch durch den Magen gehen können, unterstrich die Kochshow von »Kanaan«, eine Kooperation zwischen dem israelischen Koch Oz Ben David und dem Palästinenser Jalil Dabit. Festivalorganisatorin Daniela Oberstein zeigte sich mit dem Verlauf zufrieden. »Unser Ansatz ist es, dass sich die Menschen niedrigschwellig näherkommen und, statt übereinander, miteinander reden.« Oberstein hofft, dass das Festival im kommenden Jahr erneut stattfinden kann.

Hamburg

Mit Herz und Haltung

Alexandra Lachmann ist Musikerin und coacht Jugendliche für die Jewrovision

von Lorenz Hartwig  14.05.2026

Berlin

»Dieter Nuhr positioniert sich klar an der Seite jüdischen Lebens«

Der Kabarettist erhält den Leo-Baeck-Preis des Zentralrats der Juden. Die Laudatio hält Ahmad Mansour

 13.05.2026

Kommentar

Warum Dieter Nuhr den Leo-Baeck-Preis gerade jetzt verdient hat

Dass der Zentralrat der Juden den Kabarettisten ehrt, sendet ein wichtiges Signal weit über die jüdische Gemeinschaft hinaus

von Ahmad Mansour  13.05.2026

Wettbewerb

»Die Jewrovision ist das Ereignis des Jahres«

Hanna Veiler über ihre erste Jewrovision, ihre neue Rolle als Moderatorin und die Zukunft für Juden in Deutschland

von Mascha Malburg  13.05.2026

Berlin

Auschwitz Komitee würdigt Albrecht Weinberg

Die Organisation hebt den Mut, die Menschenliebe und den Humor des am Dienstag verstorbenen Holocaust-Überlebenden hervor

 13.05.2026

Show

Auf die Bühne, fertig, Herzklopfen

Was verbinden Jugendliche mit der Jewrovison? Und wie schreibt man eigentlich einen guten Songtext? Vor der großen Show am Freitag in Stuttgart haben wir uns bei den 13 Teams aus ganz Deutschland umgehört

von Christine Schmitt  14.05.2026 Aktualisiert

Leer

Holocaust-Überlebender Weinberg mit 101 Jahren gestorben

Albrecht Weinberg hat drei Konzentrationslager und Todesmärsche überlebt. Für Aufsehen sorgte er mit der Rückgabe des Bundesverdienstkreuzes. Nun ist er in Leer gestorben

 12.05.2026

Nachruf

Kämpfer für die Wahrhaftigkeit

Der Schoa-Überlebende Albrecht Weinberg ist im Alter von 101 Jahren gestorben. Sein Freund, Luigi Toscano, verabschiedet sich

von Luigi Toscano  12.05.2026

Baden-Württemberg

»Voices of Hope« - Stuttgart ist Bühne für Jewrovision

Die Veranstalter sprechen vom größten jüdischen Gesangs- und Tanzwettbewerb Europas: Am Freitag startet die Jewrovision in Stuttgart. Vorbild ist der ESC, der parallel in Wien stattfindet - jedoch mit anderen Tönen

von Leticia Witte  12.05.2026