Auftritt

Variationen der Hoffnung

Der Erlös des Abends kam Keren Hayesod zugute: Jacob Snir, David Leschem, Astrith Baltsan und Arnon Kozlov (v.l.) Foto: Miryam Gümbel

Es war der krönende Abschluss einer erfolgreichen Tournee: Am 17. Oktober spielte die israelische Pianistin Astrith Baltsan im Hubert-Burda-Saal das letzte Konzert ihrer diesjährigen Deutschland-Tournee. Der Stiftungsfond Keren Hayesod (KH) hatte die Musikerin aus Tel Aviv mit ihrer Multimedia-Show »Hatikvah« eingeladen.

Die Zuhörer im voll besetzten Saal des IKG-Gemeindezentrums am Jakobsplatz wurden nicht enttäuscht – im Gegenteil. Wann immer seit dem Konzert das Gespräch auf diesen Abend kommt, flammt sofort ebenso spontan wie authentisch erneut Begeisterung auf. Die mehrfach preisgekrönte Konzertpianistin spielte ausgewählte Stücke aus ihrem klassischen Repertoire, im Mittelpunkt standen aber auch Melodien rund um Israels Nationalhymne »Hatikvah«.

widmung Noch vor Beginn berührte viele der Gäste ein Foto auf der Bühnenleinwand direkt hinter dem Konzertflügel. Es zeigte den im Sommer dieses Jahres verstorbenen Joseph H. Domberger sel. A. Einmal mehr wurde dabei deutlich, was Präsidentin Charlotte Knobloch bei seiner Beerdigung gesagt hatte: »Er wird uns allen fehlen!«

Mit Bezug zu Joseph H. Domberger beendete auch David Leschem, Vorsitzender von Keren Hayesod Deutschland, seine Begrüßungsrede. »Lieber Joe, dieser Abend ist für dich!« In wenigen Sätzen hatte er zuvor die Persönlichkeit Dombergers, der seinerzeit mit dem »Yakir Keren Hayesod Award« geehrt wurde, umrissen.

Für den erfolgreichen Unternehmer Domberger war Israel zeitlebens eine Herzenssache, wie selbstverständlich unterstützte er den jüdischen Staat auch finanziell. Über Keren Hayesod hinaus half er auch vielen andere Projekten und war so Vorbild und Ansporn für die Spender der »Vereinigten Israel Aktion«. Mit einem Jugendtransport nach Israel war Domberger der Schoa entkommen. Die Bedeutung des Wortes Hatikwa kannte er nur allzu gut. Dem jüdischen Staat galt seine Liebe ein Leben lang.

Lebensgefühl Astrith Baltsans Konzert zeigte auf, dass dieses Lied der Hoffnung weit mehr ist als eine Nationalhymne – es ist ein Lebensgefühl, das an diesem Abend im Gemeindezentrum einmal mehr die Herzen der Besucher berührte. Ein Film über die Arbeit der Vereinigten Israel Aktion zeigte dann, inwiefern die Arbeit des Fonds Hoffnung für die Menschen in Israel spendet.

Nach dem Auftritt der Pianistin erklärte Jacob Snir, Delegierter des Keren Hayesod, den Besuchern: Die Hoffnung der Menschen in Israel bedeute für den Stiftungsfonds »Pflicht und Verantwortung zu helfen«. Mit der Unterstützung, die KH mehr als drei Millionen Immigranten nach Israel gegeben habe, sei nur ein kleiner Schritt getan, so Snir. Am Herzen liegen den Verantwortlichen auch die Überlebenden der Schoa, ebenso wie benachteiligte Kinder und Studenten, die auf Stipendien warten. Die Infrastruktur des Landes gehöre ebenfalls zu den Aufgaben, die bewältigt werden müssten.

»Keren Hayesod verkörpert die weltweite Unterstützung aus der Diaspora für diejenigen in Israel, die es nicht schaffen, trotz viel Mühe das zu erreichen, was wir alle hier für selbstverständlich halten«, sagte Snir und machte einen anschaulichen Vergleich: »Selbst der hochgeschätzte, weltberühmte israelische Panzer ›Merkava‹ wird zum Stillstand gebracht, wenn ein Kettenglied plötzlich zerbricht. Der Keren Hayesod kümmert sich um die schwächsten Glieder in der israelischen Gesellschaft. Diese Kette darf nicht brechen!«

ausbildung Als konkrete Projekte, die mit den Spenden des von der Bank Mizrahi-Tefahot gesponserten und damit für die Besucher kostenfreien Konzerts unterstützt werden, nannte Snir Fürsorge für Kinder sowie Hilfe für »Holocaust-Überlebende in Israel, die zu Recht einen würdigen Lebensabend erwarten«. Dazu kommt das NET@-Projekt, mit dem KH Jugendliche in einem vierjährigen Programm zu Netzwerktechnikern ausgebildet werden.

Nach dem in mehrfacher Hinsicht zu Herzen gehenden Abend leerte sich der Saal nur langsam. Astrith Baltsan signierte ihr Buch und sprach mit vielen Besuchern, die geduldig vor dem Autogrammtisch warteten. Einige trafen sich später noch im »Einstein« zu einem Drink – und einem gemeinsamen Foto mit der Pianistin.

Brandenburg

Potsdam soll jüdische Kita bekommen

Zum jüdischen Leben gehören auch jüdische Schulen und Kitas. Eine Kindertagesstätte wird derzeit in Potsdam geplant

 09.01.2026

Leipzig

Kinder greifen koscheres Café an

Sie bewarfen offenbar Mitarbeiter mit Plastikflaschen, beschimpften sie und versuchten, in den Schankraum einzudringen: Die Polizei ermittelt gegen mehrere Kinder und Jugendliche in Leipzig

 08.01.2026

Entführungsfall

Jugendamts-Zeugin im Block-Prozess: »Unglaubliche Belastung«

In dem Hamburger Prozess geht es eigentlich um die Entführung der Block-Kinder. Die hat aber eine jahrelange Vorgeschichte. Eine Jugendamts-Mitarbeiterin schildert eine wichtige Wende im Sommer 2021

von Stephanie Lettgen, Bernhard Sprengel  08.01.2026

Fußball

England als neue Chance? Daniel Peretz verlässt Hamburger SV

Nach der missglückten Leihe zum Hamburger SV geht es für Bayern-Torhüter Daniel Peretz in England weiter. Dort trifft er auf einen deutschen Trainer

 08.01.2026

Trauer

Schöpfer der Todesmarsch-Mahnmale: Hubertus von Pilgrim ist tot

Der Bildhauer Hubertus von Pilgrim ist im Alter von 94 Jahren in Pullach bei München gestorben. Internationale Bekanntheit erlangte er durch sein Mahnmal für die Opfer des Dachauer Todesmarschs vom April 1945

 08.01.2026

Debatte

Schulen legen Namen von Antisemiten und Eugenikerinnen ab

Hedwig Dohm oder Dag Hammarskjöld sind Namen, die Schulen heute gerne tragen. Andere Schulen sind nach Menschen benannt, deren Wirken heute kritischer gesehen wird als in der Vergangenheit

von Pat Christ  08.01.2026

Gegenwart

Jetzt erst recht!

Das Festjahr für jüdisches Leben in Deutschland war ein großer Erfolg. Es wird Zeit, dass nun auch auf europäischer Ebene das reiche jüdische Erbe gewürdigt wird

von Andrei Kovacs, Abraham Lehrer  08.01.2026

Mannheim

Schätze der Synagogalmusik

Die jüdischen Kantoren treffen sich zur Jahreskonferenz und laden zu drei Konzerten ein

von Christine Schmitt  08.01.2026

Programm

Kicken, Karneval, König Salomo: Termine und TV-Tipps

Termine und Tipps für den Zeitraum vom 8. Januar bis zum 14. Januar

 08.01.2026