Ferien

Urlaub zu Hause

Eine Partie Schach, Minigolfspielen oder Topmodelhefte basteln: Marie-Claire wird es in den Ferien nicht langweilig. Foto: Gregor Zielke

Kennt ihr das auch? Vor den Ferien freut man sich auf die lange freie Zeit und ist bester Laune. Endlich ausschlafen. Statt sich nach einem Stundenplan zu richten, einfach in den Tag hineinleben. Doch nach einigen Wochen kann es langweilig werden, wenn alle Freunde verreist sind, man nichts Großartiges vorhat und die Tage sich zäh wie Kaugummi ziehen – vor allem, wenn man mehrere Wochen am Stück zu Hause bleibt.

Marie-Claire Indilewitsch, elf Jahre, aus Berlin-Moabit verbringt die Ferien überwiegend in ihren eigenen vier Wänden. Sie hat in diesem Sommer bisher keine einzige Schulkameradin getroffen, denn alle sind im Urlaub. Doch Langeweile scheint die Berlinerin nicht zu kennen: Sie ist vergnügt und genießt die Ferien.

»Morgens wache ich gegen sieben Uhr auf, aber ich bleibe noch liegen, um zu lesen.« Später steht sie auf, um mit ihren Eltern zu frühstücken. Ein wichtiges Ritual ist für sie – auch in den Ferien – nach jeder Mahlzeit einen Kräutertee zu trinken.

minigolf Nach dem Frühstückstee wünscht sie ihren Eltern einen guten Arbeitstag und freut sich auf ihre Oma, die gegen neun Uhr vor der Haustür steht. »Ich fahre Rad und sie begleitet mich. Meistens zieht es uns in den nahen Park, in dem es eine Minigolfanlage gibt. Dort versenken wir die Bälle. Wir sind im Laufe des Sommers beide immer besser geworden.«

Bisher war das Sommerwetter in Berlin fast immer gut. Gegen Mittag kommen Marie-Claire und ihre Oma zurück in die Wohnung und essen gemeinsam, was ihre Mutter am Abend vorher gekocht hat. Anschließend braucht Marie-Claire erst einmal einen Tee – Pfefferminz diesmal.

Dann hat sie die Qual der Wahl. Klavier üben? Nach den Ferien gibt sie ein Konzert, wäre also keine schlechte Idee. Buch lesen? Sie mag Fantasy, aber nur spannende Geschichten. Oder vielleicht Schachspielen? Unzählige Pokale stehen bei ihr im Regal. Sie hat gerade den Verein gewechselt und mischt nun bei Makkabi mit.

Mathe Oder sich in Mathematikaufgaben vertiefen? »Ich liebe Mathe und beschäftige mich manchmal stundenlang mit dem Finden von Lösungen.« Jüngst hat sie die Aufnahmeprüfung bei der Mathematischen Schüler-Gesellschaft bestanden. Oder doch lieber Basteln mit den Topmodelheften? Na ja, mal sehen.

Nachmittags kommt ihre Mutter von der Arbeit nach Hause, um mit Marie-Claire etwas zu unternehmen. Es locken das Bode-Museum, die Gemäldegalerie und das Naturkundemuseum. Das Pergamonmuseum hat sie eben gerade besucht. Eigentlich könnte sie auch mal wieder an einem Workshop teilnehmen, überlegt sie laut. Neulich hat sie im Bode-Museum Münzen hergestellt.

Oder ein weiteres Bild anfertigen? Heute vielleicht malen nach Zahlen? Abends geht sie mit ihren Eltern gerne auch in klassische Konzerte. Eines steht für sie fest: Ohne Fenchel-Anis-Tee kann sie nicht einschlafen.

Schule Anfang des Monats hatte Marie-Claire Geburtstag und wollte diesen Tag unbedingt in Berlin mit ihrer Familie verbringen. Dem Schulbeginn sieht sie übrigens erwartungsvoll entgegen, denn dann besucht sie die 7. Klasse einer Schnellläuferklasse des Humboldt-Gymnasiums: »Ich freu mich auf meine Freunde!«

Standpunkt

Braucht es ein Verbot?

Warum gerade Juden einen Social-Media-Stopp für Jugendliche unter 16 Jahren unterstützen sollten

von Daniel Neumann  27.02.2026

Hamburg

»Seid stolz darauf, jüdisch zu sein!«

Der Jugendkongress unter dem Motto »Strong. Jewish. Here.« ist eröffnet

 26.02.2026

Berlin

Gedenktafel für NS-Gegner Otto Weidt geplant

In Berlin soll der Unternehmer Otto Weidt eine Gedenktafel bekommen: In der NS-Zeit bewahrte er blinde und gehörlose Jüdinnen und Juden vor der Deportation

 26.02.2026

Zeugnis

Gitarre mit Geschichte

Ein 1943 von Hanuš Smetana in Theresienstadt gebautes Musikinstrument erzählt vom Alltag im Ghetto und erinnert an seinen Erbauer, der die Schoa nicht überlebte

von Katrin Diehl  26.02.2026

Thüringen

Jüdisch-israelische Kulturtage fordern Verantwortung ein

16 Musiker und andere Vertreter der Kultur aus Israel sind dieses Mal dabei

 26.02.2026

Jugendkongress

400 junge Juden treffen sich in Hamburg

»Strong. Jewish. Here.« - unter diesem Motto kommen rund 400 jüdische junge Erwachsene in Hamburg zu einem bundesweiten Kongress zusammen. Das Treffen soll ein besonderes Signal in politisch angespannten Zeiten sein

von Michael Althaus  26.02.2026

Essay

»Der JuKo ist ein Versprechen«

Für vier Tage kommen 400 junge Jüdinnen und Juden in Hamburg zusammen, um zu diskutieren, zu beten und zu feiern. Unsere Autorin ist zum dritten Mal dabei. Ein Ausblick auf den Jugendkongress

von Ariella Haimhoff  26.02.2026

Programm

Berliner Rebellin, Kafkas Schwester und ein junger Detektiv: Termine und TV-Tipps

Termine und Tipps für den Zeitraum vom 26. Februar bis zum 4. März

 26.02.2026

Ausstellung

Für die Zukunft

Ganz persönlich, doch mit weitem Horizont zeigt »Mit eigener Stimme« die Geschichte des Zentralrats der Juden in Deutschland. Ein Rundgang durch eine überraschende Schau

von Sophie Albers Ben Chamo  24.02.2026