Antisemitismus

Unverkennbarer Trend

Für das vergangene Jahr wurden 178 antisemitische Vorfälle erfasst. Foto: Rias

Noch sind nicht alle Daten ausgewertet, aber der Trend ist unverkennbar. Nach vorläufigen Informationen des Innenministeriums ist im vergangenen Jahr die Zahl der rechtsextremen Straftaten merklich angestiegen, genauso wie die Zahl antisemitisch motivierter Straftaten.

Charlotte Knobloch, die Präsidentin der Israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern, ist von diesem Trend nicht überrascht. Die Zahlen des Innenministeriums würden empirisch belegen, was in der jüdischen Gemeinschaft nicht erst seit Halle bekannt ist.

rechtsextremismus Für Minderheiten, zu denen auch und besonders Juden zählen, werde das gesellschaftliche Klima zunehmend bedrohlich. Charlotte Knob­loch bemerkt zu dieser Entwicklung: »Wir beobachten seit Langem, dass Rechtsextremismus politisch immer einflussreicher und gesellschaftlich immer anschlussfähiger wird – auch hier in München.«

Im vergangenen Jahr sind nach der vorläufigen Auswertung rund 180 antisemitische Vorfälle in Bayern erfasst worden.

Im vergangenen Jahr sind nach der vorläufigen Auswertung der einschlägigen Daten rund 180 antisemitische Vorfälle in Bayern erfasst worden. Neben einer schweren Körperverletzung sind weitere neun Angriffe, elf gezielte Sachbeschädigungen, acht Bedrohungen, 28 Massenzuschriften und 121 Fälle von verletzendem Verhalten dokumentiert.

Charlotte Knob­loch kommt zu dem Schluss, dass Gegenmaßnahmen zwar ergriffen wurden, die Dynamik aber unverändert geblieben sei. Diese Entwicklung führt nach Meinung der IKG-Präsidentin zu einer weiter wachsenden Unsicherheit innerhalb der jüdischen Gemeinschaft.

wahlerfolge Rechtsextreme Wahlerfolge hätten dieses Gefühl nur noch bestärkt. »Zweistellige Wahlergebnisse für eine Partei wie die AfD und eine Zunahme rechtsextremer Straftaten sind die zwei Seiten derselben Medaille«, ist sich IKG-Präsidentin Knob­loch sicher.

Sie registriert zwar die klaren Statements und Bekenntnisse von hohen Vertretern aus Politik, Kirchen, Gewerkschaften und anderen großen Organisationen, die in die richtige Richtung weisen würden. Um Judenhass und Intoleranz entgegenzutreten, bedarf es nach Ansicht von Charlotte Knobloch aber noch größerer Anstrengungen. »Solange mitten in München eine Gruppe wie ›Pegida‹ weiter gegen die jüdische Religion hetzen darf, bleibt noch viel zu tun.«

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