Yiddish Summer Weimar

Unter freiem Himmel

Duo der Extraklasse: Sveta Kundish und Patrick Farrell Foto: Shendl Copitman

Aufatmen, das kann Alan Bern, künstlerischer Leiter des Yiddish Summer Weimar, wohl erst 14 Tage nach dem europaweit einzigartigen Festival. Denn erst dann könne er ganz sicher sein, dass sich niemand mit dem Coronavirus angesteckt hat.

Getan wurde tatsächlich alles dafür. Nirgendwo gab es Gedränge, Anmeldungen mussten online erfolgen, die Stühle im Freien standen weit auseinander, zu den Workshops waren maximal 16 Gäste zugelassen.

Externer Inhalt

An dieser Stelle finden Sie einen externen Inhalt, der den Artikel anreichert. Wir benötigen Ihre Zustimmung, bevor Sie Inhalte von Sozialen Netzwerken ansehen und mit diesen interagieren können.

Mit dem Betätigen der Schaltfläche erklären Sie sich damit einverstanden, dass Ihnen Inhalte aus Sozialen Netzwerken angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittanbieter übermittelt werden. Dazu ist ggf. die Speicherung von Cookies auf Ihrem Gerät nötig. Mehr Informationen finden Sie hier.

Denn Bern und sein Team, darunter Andreas Schmitges als Kurator und Johannes Gräßer als Projektleiter, haben es tatsächlich geschafft, trotz Corona das größte jiddische Festival in Europa stattfinden zu lassen. Das Land Thüringen und fünf Orte in dem kleinen Bundesland haben alle nötige Unterstützung gegeben.

Jubiläum 20 Jahre Yiddish Summer Weimar wären ohnehin ein Grund zum Feiern gewesen. Diesmal aber war alles anders als noch vor Monaten gedacht. Nicht eines der 28 Konzerte oder der Jamsessions in Weimar, Erfurt, Eisenach, Altenburg und Niederzimmern fand drinnen statt. Zu riskant, hieß es. Also wichen die Künstlerinnen und Künstler ins Freie aus – gar keine so schlechte Erfahrung, versichert Andreas Schmitges.

Insgesamt waren 150 Gäste aus ganz Europa zu Gast – weniger als in den Vorjahren.

Denn das Wetter spielte mit. Sicherheitshalber wurden zwar immer auch Ausweichtermine für die Konzerte bereitgehalten, doch mussten die nur zweimal genutzt werden.

Eine weitere Besonderheit des diesjährigen Festivals war der kostenlose Eintritt. »Wir wollten, dass auch jene in die Konzerte kommen können, die von Corona finanziell stark gebeutelt sind«, sagt Johannes Gräßer. Das tat der Qualität der Konzerte jedoch keinen Abbruch. Insgesamt waren 150 Gäste aus Europa zu Gast. Das klingt viel, dennoch ist es im Vergleich zu anderen Jahren wenig.

Ursprünglich, noch bis Mitte März, war das Jubiläumsfestival für 10.000 Gäste vorbereitet worden. Mit dabei sein sollten internationale Gruppen wie das Caravan Orchestra, Brave Old World und The Other Europeans. Corona hat das verhindert. Dank der schier unerschöpflichen Ideen der Macher des Yiddish Summer wurde das Jubiläum dennoch kein Rumpf-Festival.

Workshops Aus der Not geboren, wurden die Workshops auf drei Stunden am Tag reduziert. Und damit auch die Nachmittage Spannendes brachten, erhielten die Musiker jeden Tag Jiddischunterricht. Das kam richtig gut an und soll auch im kommenden Jahr fortgesetzt werden.
Neu waren natürlich auch die Gesichtsmasken.

Vielleicht haben die Aktiven um Alan Bern ein wenig übertrieben, als sie darum baten, sogar im Freien die Gesichtsmasken bis hin zum eigenen Stuhl aufzubehalten. Doch das Publikum – immerhin kamen 6000 Menschen – nahm es gelassen und auch erleichtert.

Externer Inhalt

An dieser Stelle finden Sie einen externen Inhalt, der den Artikel anreichert. Wir benötigen Ihre Zustimmung, bevor Sie Inhalte von Sozialen Netzwerken ansehen und mit diesen interagieren können.

Mit dem Betätigen der Schaltfläche erklären Sie sich damit einverstanden, dass Ihnen Inhalte aus Sozialen Netzwerken angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittanbieter übermittelt werden. Dazu ist ggf. die Speicherung von Cookies auf Ihrem Gerät nötig. Mehr Informationen finden Sie hier.

Die Freude darüber, dass das Festival überhaupt stattfinden konnte, war einfach groß genug – sowohl bei den Besuchern als auch bei den Künstlern. »Wir sind so dankbar, dass wir endlich wieder auftreten können«, sagt Sveta Kundish, die ordinierte Kantorin mit der ausdrucksstarken Sopranstimme.

gäste Längst hat der Yiddish Summer Weimar in Thüringen seinen eigenen und schon vertrauten Klang. Zwei, die seit Jahren dabei sind, sind Sveta Kundish und Patrick Farrell. Die beiden sind ein Duo der Extraklasse. Sveta Kundish holte auch diesmal wieder mit leichter Geste das Publikum zu sich heran, und Patrick Ferrell konnte es mit seinen Eigenkompositionen und mit der Begleitung traditioneller jiddischer Lieder bei allem räumlichen Abstand gut halten.

Der notwendige Abstand zwischen den Gästen fiel nach kurzer Zeit nicht mehr auf. Er wurde buchstäblich überbrückt und verschwand hinter dem Gefühl des Miteinanders und der Sinnenfreude. Kundish und Farrell waren eines von fünf Duos, die in diesem Jahr zu Gast beim Yiddish Summer Weimar waren. Alle Auftritte, unter anderem in Weimar und Erfurt, wurden bejubelt.

Das Publikum nahm alle Corona-Vorkehrungen sehr gelassen.

Die Stimmung in diesem wie auch in den anderen Konzerten glich den 23 warmen Sommertagen: Das Festival fühlte sich warm und weich an. Man schien auf beiden Seiten unendlich dankbar, dass die Konzerte, Workshops und Jamsessions stattgefunden haben.

Programm Und dies öffentlicher denn je. Was störte da schon der täglich vierstündige Auf- und Abbau der Pavillons, weil die nicht über Nacht stehen bleiben konnten? Man konnte gemeinsam feiern. Und das Programm »A gutn tog dir, yiddish« kann das richtige Zeichen für die Zukunft sein. Denn es heißt übersetzt »Auf Wiedersehen«.

Im September beginnt bereits das Achava-Festival, und Ende Oktober starten die Jüdisch-Israelischen Kulturtage in Thüringen.

Alan Meltzer

»Die Demokratie ist robust«

Am 4. Juli werden die USA 250 Jahre alt. Ein Gespräch mit dem Chargé d’Affaires der amerikanischen Botschaft in Berlin, über Freiheit, Kritik und Hoffnung

von Katrin Richter  03.07.2026

Thüringen

Achava-Festspiele: Dialog zwischen Religionen und Kulturen

Die Achava-Festspiele gehen mit mehr als 80 Veranstaltungen in ihre zwölfte Ausgabe. Neben Konzerten umfasst das Programm Ausstellungen, Filme, Vorträge, interreligiöse Begegnungen sowie Angebote für Familien und Schulen

 02.07.2026

Sport

Maccabiah Chai!

170 Athletinnen und Athleten sind in Israel beim größten jüdischen Sportevent – Wir stellen Ihnen sechs vor

von Katrin Richter, Helmut Kuhn  01.07.2026

Sachsen-Anhalt

»Eine offene Tür ist unsere Antwort«

Landesverbands-Geschäftsführerin Rimma Fil über wachsenden Antisemitismus, Sorgen vor der Landtagswahl und den festen Willen der jüdischen Gemeinden, sichtbar zu bleiben

von Christine Schmitt  01.07.2026

Verlegung

Magdeburg erhält 900. Stolperstein

Seit 2007 wird in Magdeburg mit Stolpersteinen an Opfer des Nationalsozialismus erinnert. Die nunmehr 47. Verlegung wurde auf zwei Tage verteilt

 01.07.2026

Kommentar

»Eigentlich habe ich noch nie mit einem Juden gesprochen«

Als Antisemitismusbeauftragter jüdisch zu sein ist kein Manko. Im Gegenteil: Es braucht an deutschen Universitäten mehr jüdische Beauftragte

von Guy Katz  30.06.2026

Meinung

Maccabiah ist gelebte Selbstbehauptung

Gerade jetzt ist es für jüdische Sportler wichtig, in Israel Kraft zu tanken. Es geht nicht nur um Sport, sondern auch um Selbstbehauptung und ein tieferes Verständnis für das Land

von Alon Meyer  30.06.2026

Aufruf

Jüdische Hochschullehrer fordern besseren Schutz gegen Antisemitismus

Hochschulen können ihre jüdischen Studierenden und Lehrenden nicht ausreichend gegen Antisemitismus schützen. Das NJH will das ändern und fordert unter anderem die Möglichkeit zur Exmatrikulation von Störern

 30.06.2026

Forschung

Historiker Gerber: Erinnerung an Holocaust verschwindet

Der Leipziger Historiker Jan Gerber wendet sich gegen ein kontinuierliches Verschwinden der gesellschaftlichen Auseinandersetzung mit der Schoa. Der Tod der letzten Zeitzeugen ist für ihn dabei nicht entscheidend

von Volker Hasenauer  29.06.2026