Interview

»Unsere Haltung ist hinreichend bekannt«

Herr Joachim, stimmt der Eindruck, dass sich diese Repräsentantenversammlung (RV) selten öffentlich zu politischen Fragen zu Wort meldet?
Das ist weitestgehend richtig. Aber die Öffentlichkeitsarbeit gehört nicht zu den Aufgaben der RV, das ist Sache des Vorstands. Inwieweit frühere Repräsentantenversammlungen mehr Erklärungen abgegeben haben, kann ich nicht sagen.

Warum gab es von der Gemeinde keine Stellungnahme zu den Vorfällen rund um die Gaza-Flottille und der massiven internationalen Kritik an Israel?
Der Zentralrat der Juden hat im Namen der jüdischen Gemeinschaft in Deutschland eine Stellungnahme abgegeben, sodass es für die Berliner Gemeinde zu diesem Zeitpunkt kein dringendes Bedürfnis gab, dem noch eine Erklärung hinzuzufügen.

In Köln zum Beispiel denkt man anders. Dort hat die Synagogen-Gemeinde eine Solidaritätskundgebung organisiert.
Ich bezweifle, dass die Jüdische Gemeinde zu jedem Vorfall eine Erklärung abgeben muss, da in unserer Stadt die Haltung der Gemeinde zu Israel und zu antisemitischen Vorfällen hinreichend bekannt ist. Zudem habe ich den Eindruck, dass wir mit den anderen Religionsgemeinschaften und ethnischen Gruppierungen ein anderes Verhältnis haben als anderswo. Auch die öffentliche Kundgebung, die in Berlin stattfand, war im Vergleich zu anderen Städten relativ moderat.

Aber sie fand ohne die Gemeinde statt, gibt es einen Grund dafür?
Gegenfrage: Ist es wirklich wichtig, dass die jüdische Gemeinde zu jedem und allem etwas von sich geben muss? Wir haben regelmäßig Veranstaltungen, bei denen wir klarmachen, welche Position wir zu bestimmten Konfliktfeldern haben.

In Paris und Rom gab es jetzt große Kundgebungen, bei denen auf das Schicksal des vor vier Jahren verschleppten israelischen Soldaten Gilad Shalit aufmerksam gemacht wurde. Warum nicht in Berlin?
Wir haben kürzlich auf einen Redebeitrag von Rabbiner Tovia Ben-Chorin, der über das Schicksal von Gilad Shalit sprach, reagiert, indem wir diese Äußerung unterstützend bestätigt haben.

Auch der ILI (I Love Israel)-Tag fiel in diesem Jahr in Berlin aus. Warum?
Ich meine, dass im Vorstand die Kostenfrage angesprochen worden war. Sie wissen um die finanzielle Situation der Gemeinde.
Ebenfalls blieb die Gemeinde einer anderen Kundgebung, der Lag-Baomer-Parade, fern. Es sei nicht ihre Gepflogenheit, jüdische Feste demonstrativ zu begehen, hieß es in einer öffentlichen Mitteilung. War das die Mehrheitsmeinung in der RV?
Die Gemeinde wurde von Chabad Lubawitsch relativ kurzfristig angefragt, ob sie als Mitveranstalter auftreten wolle. Dabei wurde uns bereits das fertige Programm vorgelegt, ohne dass wir die Möglichkeit gehabt hätten, darauf Einfluss zu nehmen. Das ist ein seltsames Gebaren, dass wir von Chabad schon kennen. Daraufhin hat der Vorstand, nicht die RV, entschieden, nicht als offizieller Partner mitzumachen. Aber es gab genügend Mitglieder der Gemeinde und der RV, die daran teilgenommen haben.

Die RV ist laut Satzung das Gremium, das die Richtlinien bestimmt, nach der die Gemeinde zu führen ist. Gehört das öffentliche Eintreten für Israel und die jüdische Religion dazu?
Es gibt dafür keine schriftlich fixierten Richtlinien. Doch gehört das öffentliche Eintreten für Israel und das eindeutige Bekenntnis zur jüdischen Religion unstrittig zu den tragenden Säulen unserer Gemeindepolitik. Daran kann es keinen Zweifel geben.

Mit dem Vorsitzenden der Repräsentantenversammlung sprach Detlef David Kauschke.

Jewrovision in Stuttgart

Der Gewinner heißt JuJuBa!

Das Team der Jugendzentren aus Baden hat den ersten Platz beim jüdischen Musikwettbewerb belegt. Der Preis für das beste Video ging an Neschama München

 15.05.2026

Stuttgart

Noa Kirel: »Ich liebe dich, Jewrovision!«

Die israelische Musikerin ist der Special Act auf dem größten jüdischen Musikwettbewerb Deutschlands

 15.05.2026

Stuttgart

Startschuss für die Jewrovision

Der jüdische Jugend-Musikwettbewerb hat begonnen. In der baden-württembergischen Landeshauptstadt treten heute 13 Teams aus ganz Deutschland auf

von Joshua Schultheis  15.05.2026 Aktualisiert

Musik

»Das allerwichtigste an der Jewro ist es, Spaß zu haben«

Hannah Veiler, Präsidentin der European Union of Jewish Students, moderiert in diesem Jahr die Jewrovision. Wir haben sie gefragt, was die Jewrovision für sie persönlich und für die jüdische Gemeinschaft bedeutet

 15.05.2026

Stuttgart

Erste Stimmen von der Jewrovision

Die Jüdische Allgemeine ist bei der Jewrovision 2026 in Stuttgart mit dabei und begleitet die Menschen hinter dem größten jüdischen Gesangs- und Tanzwettbewerb Europas.

 15.05.2026

Jewrovision 2026

Die Nervosität steigt …

Schon bald gehen die Scheinwerfer an und 600 jüdische Jugendliche aus ganz Deutschland werden ihre Showacts zum Besten geben

von Nicole Dreyfus  15.05.2026

Hamburg

Mit Herz und Haltung

Alexandra Lachmann ist Musikerin und coacht Jugendliche für die Jewrovision

von Lorenz Hartwig  14.05.2026

Jewrovision

Aller guten Moderatoren sind drei

Jung, dynamisch und schlagfertig: Ein Trio wird im Mai durch die Show führen

von Christine Schmitt  14.05.2026

Berlin

»Dieter Nuhr positioniert sich klar an der Seite jüdischen Lebens«

Der Kabarettist erhält den Leo-Baeck-Preis des Zentralrats der Juden. Die Laudatio hält Ahmad Mansour

 13.05.2026