Brit Mila

»Unerträgliche Debatte«

Charlotte Knobloch Foto: Marco Limberg

»Im Falles eines Beschneidungsverbots in der Bundesrepublik wäre jüdisches Leben in diesem Land nicht mehr denkbar«, sagte Charlotte Knobloch, Präsidentin der Israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern, am Dienstag vor dem Hintergrund der anhaltenden Diskussion um die Legalität der religiösen Beschneidung von Jungen in Deutschland.

elementar In einer Presseerklärung erläuterte die Vizepräsidentin des Jüdischen Weltkongresses, »die Beschneidung ist für uns Juden seit 4.000 Jahren konstitutives Element unserer Religion. Dieser elementare Akt darf in Deutschland nicht in die Illegalität verschoben werden.« Daher begrüße sie auch ausdrücklich die am vergangenen Donnerstag vom Bundestag beschlossene Resolution, in der die Bundesregierung zur Vorlage eines Gesetzes aufgefordert wird, das die religiös motivierte Beschneidungen von Jungen als »grundsätzlich zulässig« anerkennen soll.

»Das ist das wichtige, aber auch fällige Signal, dass jüdisches Leben in unserem Land weiterhin erwünscht ist und wir unsere Religion frei ausüben können sollen«, sagte Knobloch. »Ich freue mich, dass die Bundesregierung bereits signalisiert hat, die unerträgliche Rechtsunsicherheit rasch beseitigen zu wollen und ich hoffe sehr, dass die Gesetzesvorlage bis zum Herbst vorliegt«, so Knobloch weiter.

Dennoch sei die fortwährende Debatte zunehmend unerträglich, heißt es in der Erklärung weiter. Der offene Brief von Beschneidungsgegnern an Bundesregierung und Bundestag diene nicht, wie postuliert, der Sachlichkeit der Debatte. Vielmehr werfe sie ein schlechtes Licht auf die Autoren und Unterzeichner.

infam Knobloch legte dar: »Der Vorwurf der ›bemerkenswerten Verleugnungshaltung‹ ist objektiv falsch. Der Hinweis auf einen ›assoziativen Verweis auf den Holocaust‹ ist ebenso infam wie der Satz, die ›Lösung dieses Konfliktes kann nicht auf der Grundlage von Angst und Zwang erfolgen‹. Beides suggeriert, die jüdische Gemeinschaft erzeuge bei den Politikern ›Angst und Zwang‹. In Wahrheit sind es wir Juden in Deutschland, die Angst haben müssen, in ihrer ohnedies nicht unbelasteten Heimat ihre Religion nicht mehr frei ausüben zu können. Wir könnten bald gezwungen sein, das Land zu verlassen, wenn wir unseren Glauben uneingeschränkt leben wollen.«

Den 400 Ärzten und Juristen sei gesagt, so Knobloch: »Wir tun unseren Kindern nicht weh! Die in der Bibel festgeschriebene Beschneidung jüdischer Jungen am achten Tag ihres Lebens gehört zum Wesen des Judentums. Als elementarer Bestandteil der Religion – im Unterschied zum kulturellen Brauch im Islam – ist sie weltweit anerkannt, gerade auch bei Ärzten und Juristen. Sie markiert den Eintritt in die jüdische Gemeinschaft und symbolisiert den Bund mit Gott. Das Gebot ist für Juden bindend. Alle Juden auf der Welt wissen das. Alle Länder auf der Welt respektieren das. Deutschland muss sich entscheiden, ob es jüdisches Leben in diesem Land noch haben will!« ikg

Leipzig

Ausstellung mit Fotografien von NS-Deportationen

Mehrere Hunderttausend Menschen wurden in der NS-Zeit aus dem Deutschen Reich deportiert. Ein Forschungsprojekt sichert seit Jahren fotografische Dokumente. Einige zeigt jetzt das Leipziger Ariowitsch-Haus

 13.08.2026

Sachsen-Anhalt

Polizeirabbiner vor der Wahl: Erstarken der AfD bereitet Sorgen         

Mehr Begegnung zwischen Juden und Nicht-Juden - das wünschen sich Deutschlands Polizeirabbiner. Sie bilden Polizeianwärter hierzulande fort und vermitteln jüdische Kultur. Seit fünf Jahren gibt es sie

von Nina Schmedding  13.08.2026

Ferien

Spiel, Spaß, Werte

Gerade beginnt der dritte Turnus der ZWST-Machanot. Bildungsreferentin Liya Cinciper über Heimweh, Handyzeiten und Kühlung bei Hitze

von Helmut Kuhn  13.08.2026

Hitze

Kühl beten, kühl bleiben

Gemeinden und jüdische Einrichtungen bekommen die hohen Temperaturen sehr zu spüren. Einige behelfen sich mit kalten Tüchern, manche mit Ventilatoren, andere haben Klimaanlagen

von Katrin Richter  13.08.2026

Programm

Summer Open Airs in Frankfurt und Hannover, und ein Rendezvous für Hercule Poirot - mit einer Leiche

Termine und Tipps für den Zeitraum vom 13. August bis zum 20. August

 12.08.2026

Wiesbaden

Hessen verlängert Staatsvertrag mit jüdischen Gemeinden

Die Zahlungen an jüdische Gemeinden steigen schrittweise

 12.08.2026

Brandenburg

Cyberangriff auf Gedenkstätten

Immer wieder schädigen Ransomware-Attacken Behörden, Krankenhäuser und andere Einrichtungen. In Brandenburg ist nun die Gedenkstätten-Stiftung betroffen

 11.08.2026

Gedenken

Stolpersteine für jüdische Familie Frank in Erfurt

Als Zwölfjährige wurde Ingeburg Geißler nach Theresienstadt deportiert. Jahrzehnte später erzählt sie von ihrem Schicksal. Ihre Stimme soll nun bei der Gedenkveranstaltung erklingen

 11.08.2026

Porträt der Woche

Aus Erfahrung handeln

Marina Koren hat Ausgrenzung erlebt und unterstützt heute Betroffene von Hassgewalt

von Gerhard Haase-Hindenberg  09.08.2026