Lernen

Unbeschreiblich weiblich

Frauen lernen gemeinsam – heißt das Motto des neuen Schiur in der Israelitischen Kultusgemeinde. Die Idee zu diesem Frauenschiur ist nach einem Gespräch zwischen Rabbiner Yechiel Brukner und der Leiterin des Kulturzentrums, Ellen Presser, sowie in einer weiteren Gesprächsrunde mit Gemeinderabbiner Steven E. Langnas entstanden. »Damit war der Weg frei für die ganz und gar eigenständige Organisation durch Sara Brukner, Monica Langnas und Ellen Presser«, erklärte Letztere. Sara Brukner ist die Ehefrau des Rabbiners von Torah Mizion, Monica Langnas die Ehefrau des Gemeinderabbiners. Am 14. Februar war es dann soweit: Der erste Frauenschiur fand im Gemeindehaus statt. Kurz vor Purim verstand es sich da nahezu von selbst, dass Megilat Esther das Thema war.

Jeden Sonnagabend treffen sich seither Frauen in lockerer Runde. Die Themen orientieren sich an den Wochenabschnitten, ermöglichen aber auch andere Bereiche. Das Miteinander war von Anfang an ein wichtiger Punkt. Gesprochen wurde über Pijut »Schoschanat Jakov«, die Pessach‐Haggada mit dem Schwerpunkt zu dem Abschnit »Dajenu«. Eindrucksvoll weckte Sara Brukner mit ihren Gedanken zum Gebet für den Tau »Tefilat Tal« das Verständnis für die Natur. Das allmorgendliche Geschenk der Tautropfen und ihre existenzielle Notwendigkeit besonders in Israel wurde dabei auch den Stadtbewohnern im gerade in diesem Jahr so regenreichen Mitteleuropa deutlich.

Homöopathie Zu Jom Haschoa beteiligten sich die Frauen am Gottesdienst und der Gedenkfeier der Gemeinde, zu Jom Hasikaron erzählten und erinnerten sich einige von ihnen an gefallene Soldaten. Weiter ging es dann mit der Prophetie von Jecheskel »Haazamot hajeweschot«, mit der Megilat Ruth und zu Jom Jeruschalajim mit einer Erläuterung zum Ursprung des Liedes von Nomi Schemer »Jeruschalajim schel Sahav«. Praktische Tipps gab es zu Schawuot. Hier stand der festlich gedeckte Tisch im Mittelpunkt und neben Gedanken zu diesem Fest lernten die Frauen auch Varianten zum Falten von Servietten. Weitere Themen waren die Schabbatlichter oder Gedanken zu den Trauerwochen. Dass bei Letzteren durchaus auch Hoffnung und Freude auf die Zukunft eine Rolle spielten, arbeitete Monica Langnas mit der Gruppe heraus: Da blieb am Ende das Bild vom friedlichen Miteinander selbst von Löwe und Lämmchen nach dem Erscheinen des Meschiach. Auch Gastredner werden zu den Schiurim eingeladen.

So gab zum Beispiel Jael Cohn einen Einblick in die genetische Medizin. Meir Brom aus Israel sprach zum Thema »Wohltätigkeit versus Strenge des Gesetzes« anhand der Geschichte von »Aba Chilkijahu« aus der Gemara. Auch aus der Gruppe selbst beteiligten sich Mitglieder mit kurzen Referaten. So gab die Apothekerin und Heilpraktikerin, Evelyn Buck, nicht nur einen Einblick in die Bedeutung der Gewürze im Judentum, sondern erklärte auch die Grundlagen der Homöopathie. Fragen, inwieweit die Trägersubstanz der Mittel koscher ist und wie zum Beispiel der Wirkstoff aus Schlangengift in dieser Hinsicht bewertet werden kann, beschäftigten die Teilnehmerinnen dabei ebenfalls.

Musik Der Abend vor der Sommerpause stand unter dem Motto »Das Leben im Klang unserer Lieder«. Die Religionslehrerin Michaela Rychla veranschaulichte dies mit Gitarrenbegleitung. Was die Initiatorinnen und Leiterinnen des Frauenschiurs besonders freut, ist nicht nur der ständig wachsende Teilnehmerkreis mit Frauen aus der Gemeinde im Alter zwischen 18 und weit über 80 Jahren. Es ist, wie es Sara Brukner formulierte, vor allem die Tatsche, »dass sich in den letzten Monaten eine positive Dynamik unter den Damen entwickelt hat – es wird am Anfang geplaudert, Informationen ausgetauscht. Und während des Lernens besteht eine rege Interaktion.« Nach Jom Kippur wird die Reihe fortgesetzt. Dabei ist unter den vielfältigen Themen auch ein gemütlicher Abend in der Sukka geplant.

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