Koblenz

Synagoge in Sicht

So sollen das Gemeindehaus und die Synagoge in etwa drei Jahren aussehen. Der Bauantrag wird im März eingereicht. Foto: WANDEL LORCH GÖTZE WACH

Dieses Chanukka könnte ein ganz besonderes Fest für die Jüdische Kultusgemeinde Koblenz werden – denn in diesen Tagen wird sie an ihrem zukünftigen Domizil einen achtarmigen Leuchter und ein Bauplakat mit einer Abbildung der geplanten Synagoge aufstellen. Politiker, Gemeindemitglieder, Interessierte und Förderer werden zum Anzünden der Kerzen eingeladen – auch verbunden mit der Hoffnung, weitere Spenden zu erhalten.

Seit zehn Jahren bemüht sich die Gemeinde darum, eine neue Synagoge bauen zu lassen – nun könnte dieses Bemühen Früchte tragen und Realität werden. Jüngst wurden die Pläne des Architekten Wolfgang Lorch und seines Teams vorgestellt. Die neue Synagoge und das Gemeindezentrum sollen auf einem Grundstück in der Weißer Gasse in der Koblenzer Altstadt entstehen, das die Gemeinde kürzlich erworben hat. »Wir wollen uns nicht verstecken«, sagt der Gemeindevorsitzende, Avadislav Avadiev.

»Wir sind endlich am Ende eines langen Weges«

»Wir sind endlich am Ende eines langen Weges«, freut er sich. Gut sichtbar soll das Haus sein. Insgesamt wird das Bauvorhaben wohl mehr als sechs Millionen Euro kosten. Auch die Gemeinde ist davon betroffen, dass die Baukosten gestiegen sind. Das Projekt wird nach Angaben der Kultusgemeinde vom Bund, dem Land Rheinland-Pfalz und der Stadt Koblenz bezuschusst. »Da wir keine reiche Gemeinde sind, sind wir auf Spenden angewiesen«, sagt der Vorsitzende.

Im September 2022 ging die Jüdische Gemeinde noch davon aus, dass die Arbeiten schon Anfang dieses Jahres beginnen. Doch die Planung habe länger gedauert, als ursprünglich gedacht, meint Thomas Wach, der dem Architektenteam angehört. Grund für die Verzögerung sei die Größe des Projekts und die Vielzahl der Beteiligten. Der genaue Termin für den Baustart hänge noch davon ab, wann die Baugenehmigung vorliege. Der Antrag dazu soll im kommenden März gestellt werden.

Er sei zufrieden, wenn die Synagoge 2026 fertig werden würde, so Avadiev. Dann würde das Dauerprovisorium endlich der Vergangenheit angehören. Er sei von der Denkweise und der Philosophie des Architektenbüros »Wandel Lorch Götze Wach« begeistert. Denn seit etwa sieben Jahrzehnten finden die Gottesdienste der Gemeinde in der ehemaligen Aufbahrungshalle auf dem jüdischen Friedhof statt, sagt der Vorsitzende. Der Gebetsraum in der ehemaligen Trauerhalle ist ein Bau mit einem erhöhten würfelförmigen Mittelteil und jeweils flachen eingeschossigen Seitenflügeln, wobei das Walmdach des Mittelteils von einem Davidstern gekrönt ist.

Der schlichte Gebetsraum soll durch Oberlichter erhellt werden.

Während der Pogromnacht vom 9. auf den 10. November 1938 war das Innere der Synagoge verwüstet, das Gebäude aber wegen der benachbarten Häuser nicht in Brand gesteckt worden. Das entweihte Gebäude wurde 1944 durch Bomben weitgehend zerstört. Ein paar Elemente blieben jedoch erhalten. Unter anderem die Eingangstore, die nun in den neuen Bau integriert werden sollen. Das Frankfurter Architekturbüro hat auch in Bayreuth, München und Dresden die Synagogen geplant.

Gemäß dem Entwurf für Koblenz sollen in dem Neubau 150 Beter bei Gottesdiensten Platz finden. Bei Bedarf könnten die Türen aufgeschoben werden, sodass es sogar Raum für 300 Gäste gäbe. Der schlichte Gebetsraum mit Lesepult und Toraschrein soll durch Oberlichter erhellt werden. Außerdem soll es eine Frauenempore geben, die barrierefrei zu erreichen sei. Der Schabbat-Fahrstuhl werde mit einer Zeitschaltuhr vor Schabbat in Betrieb genommen und fahre die ganze Zeit.

Metaphern des Judentums

Dem Architekten Wolfgang Lorch war wichtig, Metaphern des Judentums in seinen Entwurf einzubringen. So lehne sich die Architektur des Neubaus an das Bild des jüdischen Tempels und des Zeltes an, sagt Avadiev. Beides seien Symbole jüdischen Lebens, die für Beständigkeit und für den Auszug aus Ägypten stünden. Damit verweise der Neubau der Synagoge auf die Wurzeln des Judentums und hebe sich deshalb deutlich von der Architektur ehemaliger Synagogen in Deutschland ab. Denn vor deren Zerstörung während des Holocaust seien diese meist christlichen Gotteshäusern nachempfunden worden.

Den Plänen nach soll die Synagoge über das Kellergeschoss mit dem neuen Gemeindezentrum verbunden sein, das neben dem Gebetshaus entstehen soll. Eine Mikwe kommt in den Keller. Ins Gemeindezentrum werde die Verwaltung einziehen, und es soll Räume für die Rabbiner geben. Die Gemeinde will das Haus außerdem für Kultur- oder Diskussionsveranstaltungen nutzen. Im Außenbereich des etwa 1000 Quadratmeter großen Geländes sind schließlich ein abgesichertes Areal sowie ein öffentlich zugänglicher Bereich geplant.

Die Gemeinde von Koblenz und Umgebung sei während der vergangenen Jahre gewachsen, so Avadiev. Sie habe etwa 900 Mitglieder, von denen viele aus Ländern der ehemaligen Sowjetunion kommen. Mittlerweile gebe es auch Mitglieder, die aus der Ukraine geflüchtet sind. Mehr Platz wird also dringend gebraucht.

Spenden für den Förderverein Neue Synagoge für Koblenz e.V.: Volksbank Koblenz Mittelrhein eG, IBAN: DE88570900001379243000, BIC: GENODE51KOB oder Sparkasse Koblenz IBAN: DE67570501200000229062, BIC: MALADE51KOB

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