Engagement

Süße Toleranz

Noah lässt sich die Praline genüsslich schmecken. Wenige Augenblicke zuvor hat er die flüssige Schokolade noch selbst in eine Form gegossen. Heute stellt er diese Süßigkeiten her, und zwar in einer Patisserie im Friedrichshain. Mit an seiner Seite: weitere jüdische sowie muslimische Jugendliche.

Die Pralinés sind deswegen auch koscher und halal. »Es ist eine ganz besondere Möglichkeit, hier zu sein, an einem solchen Event teilzunehmen und Menschen, die eine andere Religion haben, kennenzulernen und uns mit diesen irgendwie zu vernetzen«, sagt er in die Kamera. Spaß hatten auf jeden Fall alle. Das sieht man deutlich in dem Video, das in »Yahelis Chocolate and Patisserie Workshops« gedreht wurde.

In entspannter Atmosphäre kennenlernen

Bei diesem Workshop hatten die jungen Teilnehmerinnen und Teilnehmer die Gelegenheit, sich in entspannter Atmosphäre kennenzulernen, gemeinsam koschere und halal Schokolade herzustellen und sich zugleich dem Thema des interreligiösen Dialogs anzunähern. Es war der erste dieser Art, der im Rahmen des neuen Projekts »move2respect« mit der Unterzeile »Gemeinsam – Respekt im Sport« jüngst in Berlin stattfand. In einem weiteren ging es um die verschiedenen Religionen.

»Auch Sport verbindet Menschen wie kaum ein anderer Bereich. Mit move2respect möchten wir junge Sportlerinnen und Sportler dabei unterstützen, eine klare Haltung gegen Diskriminierung einzunehmen und selbst aktiv für einen verständnisvollen Umgang miteinander im Sport einzustehen«, erklärt Rabbiner Elias Dray, Projektleiter von move2respect.

Teilnehmerinnen und Teilnehmer wurden mit Unterstützung von Makkabi Deutschland und dem Berliner Athletik Klub 07 (Berliner AK 07) eingeladen. Und damit sich die Jugendlichen auch abeseits des Sportplatzes besser kennenlernen, waren sie alle gemeinsam in der Patisserie – und das nicht nur zum Naschen.

Im Januar startete das neue Projekt, das sich für Förderung von Toleranz, Akzeptanz und das Engagement gegen Antisemitismus und antimuslimischen Rassismus im Sport einsetzt. Es richtet sich an jüdische und muslimische Aktive in Berliner Sportvereinen.

Respektvoller Umgang und Wertschätzung

In einer Reihe von Workshops sollen die Teilnehmer das notwendige Know-how erlernen, um in ihrem jeweiligen Vereinsumfeld eigenständig und gemeinschaftlich entwickelte Maßnahmen umzusetzen, die für respektvollen Umgang und Wertschätzung von Vielfalt und Gemeinschaft stehen. »Bist du in einem Berliner Sportverein aktiv und fühlst dich dem jüdischen oder muslimischen Glauben zugehörig? Unser Projekt richtet sich an Sportbegeisterte wie dich, die sich für Respekt, Gemeinschaft und eine positive Vereinsatmosphäre starkmachen möchten.«

Dieser Aufruf von move2respect sprach Omar sofort an, sodass der 15-Jährige sich bewarb. Bei diesem Projekt sollen die Jugendliche eine kostenfreie, qualifizierte Fortbildung erhalten, in der sie lernen, Diskriminierung rechtzeitig zu erkennen und zu verhindern.

Zusätzlich zu den Workshops werden Tandems gebildet.

Neben den Workshops haben sich Tandems gebildet. Drei gibt es mittlerweile, jeweils ein Palästinenser, ein Marokkaner und ein Türke bilden mit einem Juden ein Team. »Das Projekt bringt uns sehr viel Spaß. Wir lernen sehr viel voneinander«, sagt Omar. Alle seien sehr nett, der Umgang miteinander sei sehr herzlich. »Ich bin gern Teil dieses Projekts.« An der Herstellung von koscheren Pralinen hatte auch er sehr viel Spaß. Und mit dem Angebot von move2respect könne man eine Menge lernen und sein Bewusstsein schärfen, wenn es um Fragen der Toleranz und eines respektvollen Miteinanders geht.

Die Idee, interreligiöse Tandems auch für Jugendliche aufzustellen, hatten Burak Isikdaglioglu und Rabbiner Elias Dray im Sommer, als sie in Berlin bei einem Fußballturnier aufeinandertrafen. Damals kickten Imame und Rabbiner gemeinsam auf dem Rasen. »Wir müssen auch den Jugendlichen so etwas anbieten«, habe Isikdaglioglu spontan gesagt. Dray griff die Idee begeistert auf. Beide stellten rasch fest, dass sie sehr ähnliche Ansichten haben. Das Eis war gebrochen.

Kooperation mit »meet2respect«

Wenig später wurde der Berliner Athletik Klub 07 angefragt, ob sich die Leiter eine Kooperation mit »meet2respect«, dem übergeordneten Projekt, vorstellen könnten. Die Vertreter beider Vereine führten zahlreiche Gespräche und hatten ähnliche Ideen. Dann sei klar geworden, dass eine Kooperation für alle eine Bereicherung sein könne. »Nun ist etwas Tolles entstanden«, freut sich Isikdaglioglu. Denn Sport verbindet. Deshalb sollte das Ganze irgendwie damit zu tun haben. Und es lag nahe, Makkabi ebenfalls mit ins Boot zu holen.

»Zusätzlich zu den Workshops soll es auf Reisen gehen, denn dabei entstehen enge Freundschaften«, betont Isikdaglioglu. »Der Sport hat die einzigartige Fähigkeit, Menschen unterschiedlicher Herkunft zusammenzubringen und Brücken zu bauen. Mit move2respect setzen wir gemeinsam ein bedeutendes Zeichen für Toleranz und Respekt. Makkabi Deutschland unterstützt das Projekt, weil es gerade jetzt von großer Bedeutung sei, im Sport eine Kultur des respektvollen Miteinanders zu fördern und Diskriminierung entgegenzutreten«, betont Keren Vogler, ihres Zeichens Makkabi-Präsidiumsmitglied.

Denn in der Vergangenheit gab es zahlreiche antisemitische Vorfälle auf Fußballplätzen. Der Hintergrund: Fast immer waren es judenfeindliche Beleidigungen und körperliche Attacken, die von arabisch oder türkisch geprägten Teams ausgingen. Beispielsweise war Anfang 2023 der Charlottenburger Fußballklub Hertha 06 in einen Skandal wegen antisemitischer Äußerungen verwickelt, der deutschlandweit die Runde machte. Der Vorsitzende hatte sich nicht ausreichend von den judenfeindlichen Pöbeleien des eigenen Sohnes nach einem Fußballspiel gegen TuS Makkabi distanziert. Den Charlottenburger Fußballklub gibt es deshalb seit Februar 2024 nicht mehr.

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