Hochschulen

Jüdische Studentin: Rhetorik bei Pro-Gaza-Kundgebungen erinnert an Schoa

Polizisten umstellen Teilnehmer einer nicht erlaubten »Pro-Palästina-Demonstration« Foto: picture alliance/dpa

Der Konflikt zwischen der Hamas und Israel sowie die »Pro-Gaza-« Kundgebungen in Deutschland beeinträchtigen das Leben jüdischer Studierender hierzulande massiv. Viele haben Angst und fühlten sich in ihrer Bewegungsfreiheit eingeschränkt, sagt Maya Roisman vom Vorstand des Verbands Jüdischer Studierender Hessen in Frankfurt am Main dauf Anfrage.

Viele jüdische Studierende tragen aus Vorsicht keine sichtbaren jüdischen Symbole. Verbandsmitglieder hängen nur gemeinsam Plakate auf, jede Veranstaltung setze ein Sicherheitskonzept voraus.

Es habe mehrere Fälle in Hessen gegeben, bei denen jüdischen Studierenden auf Kundgebungen Fahnen weggenommen und sie angeschrien worden seien, in einem Fall sei einem Teilnehmer ins Gesicht geschlagen worden. »Jeder Nahost-Konflikt ist für Juden eine Umwälzung des Alltags«, sagt Roisman.

Der derzeitige Konflikt wirke sich massiver aus als frühere, die Existenz des israelischen Staates werde auf Kundgebungen infrage gestellt. Pro-palästinensische Demonstrationen erinnerten mit ihrer Rhetorik Jüdinnen und Juden an Pogrome und an die Schoa. »Wir haben das Gefühl, von der Politik und der Öffentlichkeit verlassen zu sein«, sagte die Studentin.

Es gebe judenfeindliche Schmierereien in Straßenzügen in Frankfurt und anderen Städten, Plakate mit dem Gesicht von der Hamas entführter Israelis seien an der Universität Frankfurt und in der Stadt abgerissen worden. An der Frankfurter Gedenkstätte Hochbunker an der Friedberger Anlage, dem Standort einer im Nationalsozialismus zerstörten Synagoge, sei mit einem Graffito Israel Genozid vorgeworfen worden. Auch auf dem Universitätscampus habe es Kundgebungen gegeben, auf denen antisemitische Parolen gerufen worden seien.

Eine geplante Gedenkveranstaltung des Verbands Jüdischer Studierender am 9. November zur Reichspogromnacht 1938 auf dem Campus der Universität Frankfurt sei aus Sicherheitsgründen nicht gestattet worden, sagte Roisman. Judenfeindlichkeit werde von radikalen Linken und von Islamisten propagiert.

Jüdische Studierende hätten aber auch Freunde unter Migranten, so etwa bei der Generation Azadi, die als Teil der Befreiungsbewegung im Iran gegen das iranische Regime protestiere. In mehreren interreligiösen und interkulturellen Initiativen in Deutschland, wie Shalom Salam oder Maimonides, arbeiteten Juden und Muslime gemeinsam für Verständigung und Frieden.

»Man kann Solidarität mit Palästinensern zeigen, ohne Antisemitisches zu äußern«, sagte Roisman. »Auch wir vom Verband Jüdischer Studierender ignorieren nicht, welche Opfer es unter Palästinensern gibt.«

Dem Verband in Hessen gehören nach ihren Angaben rund 50 Mitglieder an. Hochschulgruppen gebe es bisher in Frankfurt und Kassel, in Vorbereitung seien weitere in Darmstadt und Marburg.

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