Hamburg

Stein unter der Grasnarbe

Der jüdische Friedhof in Altona gehört zu den spannendsten Orten der Hamburger Geschichte, jetzt ist er um ein spektakuläres Artefakt reicher. Bei Grabungen wurde der Grabstein von Heinrich Heines Vater wiederentdeckt und ist nun an seinem alten Standort zu finden. Anfang April wurde der Grabstein nach der Restaurierung offiziell wieder der Öffentlichkeit zugänglich gemacht.

Forschung Auf dem Altonaer Friedhof, der zu den bekanntesten seiner Art in Europa zählt, wurden zwischen 1611 und 1877 rund 8000 Gräber angelegt. Danach wurde er geschlossen, was ihn möglicherweise davor bewahrte, komplett von den Nazis vernichtet zu werden, auch wenn viele Grabsteine zerstört oder verschwunden sind. Nun tauchte unter der Grasnarbe der sehr gut erhaltene Grabstein Samson Heines (1764–1828) auf, ein Glücksfall für die Forschung und die Hamburger Gemeinde.

Es handelt sich dabei nicht um die originale Grabstele, sondern um einen von Verwandten oder Freunden des Dichters als repräsentativ gesetzten Stein, worauf die ausschließlich deutsche Inschrift und die Bezeichnung Samsons als »Vater von Heinrich Heine« schließen lassen. Dennoch ist der Fund, der im Rahmen eines Forschungsprojektes des Judaisten Dan Bondy vom Salomon Ludwig Steinheim Institut als einer von mehr als 100 Grabsteinen wieder aufgerichtet werden konnte, eine kleine Sensation.

Kultur Das sieht auch Roy Naor, Vorstandsmitglied der Jüdischen Gemeinde Hamburg, so. »Der Fund ist ein weiterer Beleg für das reiche jüdische Erbe in der Hansestadt und zeigt einmal mehr, dass jüdische Persönlichkeiten ein wichtiger und untrennbarer Teil des deutschen Kulturgutes sind.« Besonders über die enge Verbindung zur berühmten Familie Heine sei man in der Gemeinde stolz, die vom Hamburger Bankier Salomon Heine über den Dichter Heinrich Heine, der hier wichtige Lebensjahre verbrachte bis hin zu Samson Heine reiche, so Naor. »Und der hat nun auch ein sichtbares Denkmal zurückerlangt.«

Samson Heine kam ursprünglich aus Hannover und lebte als Tuchhändler in Düsseldorf, wo auch das berühmteste seiner vier Kinder Heinrich zur Welt kam. Nun soll die Entdeckung des Grabsteins die Erforschung der Verknüpfung zwischen der Heine-Familie und der Hansestadt neu beleuchten. Naor wünscht sich »eine enge Zusammenarbeit mit dem Forschungsteam, um die Öffentlichkeit darauf aufmerksam zu machen.«

Aschkenasim Auch Kultursenatorin Barbara Kisseler freute sich über die Wiederentdeckung. »Die Grabstele ist ein historischer Fund und unterstreicht erneut die Bedeutung des Jüdischen Friedhofes in Altona. Die Restaurierung ist ein erster wichtiger Schritt, um den ›Hamburger Teil‹ des Friedhofes zu rekonstruieren.« Seit 2000 werden im Auftrag der Stiftung Denkmalpflege die aschkenasischen Grabstätten dokumentiert und erforscht.

Seit der berühmte Grabstein wieder aufgetaucht ist, kommen regelmäßig Besucher, die sich gezielt danach erkundigen. Am Rande einer Lichtung steht der gut erhaltene Stein, aufrecht zwischen den Trümmern älterer Gräber und leicht erkennbar durch seine frische Restaurierung. Deutlich kann man dort die Inschrift über Heines Lebensdaten lesen: »Nun liege ich und schlafe, erwache denn der Herr hält mich« Psalm 3, Vers 6. Der Grabstein ist nun wieder erwacht und ein weiteres Zeugnis für die geschichtliche Relevanz des Altonaer Friedhofs für die jüdische Geschichte Hamburgs.

Dresden

Jüdisches Leben: Gefühl von Unsicherheit im Alltag

In Sachsen gestalten Jüdinnen und Juden das kulturelle und gesellschaftliche Leben entscheidend mit. Dennoch bleibt Antisemitismus ein präsentes Problem

 23.06.2026

Meinung

Essen mit Beigeschmack

Katrin Richter kritisiert, dass jüdische und israelische Küche zunehmend nur noch mit Schutzkonzept serviert werden kann

 23.06.2026

Berlin

Zusammen genießen

Zum fünften Mal fand das Koschere Streetfood-Festival statt – mit Geschmäckern von fast überall

von Katrin Richter  23.06.2026

Jubiläum

Fünf Jahre jüdische Seelsorge der Bundeswehr: Militärrabbiner Zsolt Balla zieht Bilanz

Seit dem Start der jüdischen Militärseelsorge vor fünf Jahren wächst ihre Bedeutung in der Truppe. Sieben Militärrabbiner tun inzwischen Dienst. Ein Fazit - mit Blick auf Zeitenwende und deutsche Geschichte

von Karin Wollschläger  23.06.2026

Bildung

»Die jüdische Sicht stärken«

Eduard Steinberg über den neu gegründeten Verband jüdischer Pädagogen, Ausbildung von Lehrern und Fakten statt Meinungen

von Katrin Richter  22.06.2026

Maccabi

Eine Feier für den jüdischen Sport

Der Verein lud zum traditionellen Sommerfest im Vereinsgelände an der Riemer Straße

von Luis Gruhler  21.06.2026

München

Ganz im Vertrauen

Seit rund sechs Wochen ist Dominik Krause als Oberbürgermeister im Amt. Nun traf er sich mit Vertretern des Vorstandes der IKG zum Gespräch

von Luis Gruhler  21.06.2026

Porträt der Woche

Flucht und Farben

Alexander Glinkin ist Maler. Im Frühjahr 2022 verließ er Kyjiw und lebt heute in Berlin

von Matthias Messmer  21.06.2026

Kommentar

Wie Holger Friedrich und seine »Berliner Zeitung« Juden instrumentalisieren

Ob in der Debatte über den Umgang mit KI oder Kreml-Diktator Wladimir Putin: Der Verleger interessiert sich nur dann für Juden, wenn es seinen Interessen dient

von Matthias Meisner  19.06.2026