100 Jahre ZWST

»Stärkung der jüdischen Identität«

Herr Bloch, wie kein anderer haben Sie die Arbeit der Zentralwohlfahrtsstelle in den vergangenen Jahrzehnten geprägt. Lag Ihnen die Jugendarbeit dabei besonders am Herzen?
Ich komme zwar von der Jugendarbeit – schließlich hatte ich in Frankfurt seinerzeit Pädagogik studiert. Aber als Direktor der ZWST liegen mir selbstverständlich alle Bereiche unserer Tätigkeit sehr am Herzen. Das betrifft die Arbeit mit Zuwanderern aus der ehemaligen Sowjetunion genauso wie die mit Senioren, Jugendlichen oder Menschen mit Behinderung.

Sie haben vor vielen Jahren als Jugendreferent bei der ZWST begonnen. Wie hat sich die Arbeit in diesem Bereich verändert?
Wir sollten dabei ganz klar zwischen der Zeit vor und nach 1989 unterscheiden. Durch die Zuwanderung aus der ehemaligen Sowjetunion kamen Juden zu uns, die von jüdischen Traditionen oder jüdischer Religion kaum eine Ahnung hatten. Darauf mussten wir mit unseren Angeboten speziell für jüngere Menschen reagieren. Ein gutes Beispiel dafür sind unsere Ferien-Machanot.

Welche Rolle spielen die Jugendkongresse?
Mit unseren inhaltlichen Angeboten wollen wir junge Erwachsene stark machen für den Alltag. Es werden aktuelle Themen wie der Antisemitismus auf Schulhöfen oder die neue Israelfeindschaft angesprochen und über Strategien diskutiert, wie man darauf reagieren kann. Oder wir beschäftigen uns mit der Frage, was es für einen persönlich bedeutet, als Jude in Deutschland zu leben. Für viele junge Juden, vor allem die aus kleineren Gemeinden, ist dies eine wunderbare Erfahrung. Und natürlich die Tatsache, dass man auf dem Jugendkongress neue Freunde finden kann.

Welche Werte will die ZWST den jungen Menschen vermitteln?
Die Stärkung einer jüdischen Identität sowie die Schaffung eines Bewusstseins für die jüdische Geschichte sind einige unserer wichtigsten Ziele. Ich persönlich vertrete immer die Position: »Sei ein Mensch draußen, sei ein Jude drinnen«.

Warum ist es Ihnen so wichtig, dabei auch die Verbundenheit mit Israel zu stärken?
Für viele Juden, übrigens nicht nur in Deutschland, sondern in ganz Europa, ist Israel nur ein Staat wie jeder andere. Das wollen wir durch unsere Arbeit ändern und ein Bewusstsein für die Bedeutung des Landes für uns als Juden schaffen sowie über seine aktuellen Probleme reden, die auch uns betreffen – beispielsweise den in der Delegitimierung Israels verborgenen Antisemitismus.

Mit dem ZWST-Direktor sprach Ralf Balke.

Programm

Führung, Erinnerung und Vorträge: Termine und TV-Tipps

Termine und Tipps für den Zeitraum vom 2. April bis zum 16. April

 30.03.2026

»Koscher-Licious«

Mazze, Challe, Wodka

Viele Besucher und noch mehr gute Laune gab es beim Streetfoodfestival auf dem Pears-Campus von Chabad in Berlin. Bereits zum fünften Mal probierten sich Gäste durch das Angebot

von Alicia Rust  29.03.2026

Meinung

Das Gedenken schützen

Ein linksextremes Bündnis plant zum Jahrestag der Befreiung Buchenwalds eine antisemitische Kundgebung. Thüringens Juden wehren sich gegen die Provokation

von Reinhard Schramm, Marek Sierka  29.03.2026

Porträt der Woche

Für alt und jung

Judit Marach hat in einem Seniorenheim gearbeitet – heute ist sie Schulsekretärin

von Gerhard Haase-Hindenberg  29.03.2026

Frankfurt

Wieder zusammen

Fast neun Jahrzehnte nach dem Novemberpogrom 1938 wird der Silberschmuck einer Torarolle erstmals als Einheit präsentiert

von Eugen El  29.03.2026

Ilja Richter

Zu Hause zwischen den Stühlen

Der Schauspieler stellte sein neues Buch vor und verzauberte das Publikum mit Gesang, Rezitationen – und sogar als Bauchredner

von Nora Niemann  29.03.2026

Oldenburg

»Es ist gesund, wenn nicht alles von nur einem Rabbiner abhängt«

Seit einem Jahr amtieren Netanel Olhoeft und Levi Israel Ufferfilge in der Gemeinde. Nun wurden sie auch offiziell eingeführt. Wie funktioniert die rabbinische »Doppelspitze«?

von Mascha Malburg  28.03.2026

Jüdischer Wahlkämpfer

»Wer nicht kämpft, hat schon verloren«

David Rosenberg über den Wahlkampf in Rheinland-Pfalz, die Niederlage seiner Partei und warum er sich gerade als junger Jude weiter politisch engagieren will

von Mascha Malburg  27.03.2026

Kommentar

Lieber Meron Mendel, das ist keine Politik mit Kettensäge. Das nennt man Demokratie!

Öffentliche Mittel sind an Wirkung gebunden. Maßnahmen müssen überprüfbare Ergebnisse erzielen. Bleibt diese Wirkung aus, endet ihre Legitimation

von Stefan Hensel  27.03.2026