Fleisch-Skandal

Staatsanwalt fordert Haftstrafen

Aviv in Frankfurt Foto: Chris Hartung

Zwei Jahre und zehn beziehungsweise zwei Jahre und acht Monate Haft fordert die Staatsanwaltschaft für die beiden Angeklagten im Prozess um den Handel mit unkoscherem Fleisch.

Den beiden ehemaligen Geschäftsführern des mittlerweile liquidierten Lebensmittelhandels Aviv wird vorgeworfen, konventionelle Fleischwaren als koscher verkauft und damit gemeinschaftlichen und gewerbsmäßigen Betrug in 791 Einzelfällen mit einer Schadenssumme von insgesamt 260.427 Euro begangen zu haben.

Nach Auffassung der Staatsanwaltschaft haben die beiden Geschäftsführer den Betrug mit »erheblichem Aufwand« betrieben, indem sie heimlich herkömmliches Fleisch aus dem Schlachthof oder Großhandel besorgten, dieses präparierten, weiterverkauften, sämtliche Spuren verwischten und auch noch ihre Angestellten zum Mitmachen überredeten.

Vertrauensmissbrauch Vor allem aber hätten sie dabei »das besondere Vertrauen, das ihnen ihre Kundschaft entgegenbrachte, missbraucht«, zumal ihnen als Juden bekannt sein dürfte, welche Gewissenskonflikte es einem religiösen jüdischen Menschen bereiten kann, wenn er, zwar unwissentlich, gegen die Kaschrut verstößt.

Aber wie sich in mitgeschnittenen Telefonaten herausgestellt habe, sei ihnen »die religiöse Überzeugung ihrer Kunden gleichgültig« gewesen: »Man machte sich lustig über sie, über den Rabbiner und auch über den Maschgiach.« Dass es ihnen so leichtfiel, diesen zu überlisten, obwohl er den Betrieb täglich zur Kontrolle aufsuchte, hielt die Staatsanwaltschaft den beiden Angeklagten allerdings zugute, genauso wie den Umstand, dass der Lebensmittelhandel im Tatzeitraum der Jahre 2010 und 2011 kurz vor der Insolvenz stand.

Bewährung Die drei Verteidiger plädierten dafür, die Haftstrafe auf maximal zwei Jahre und auf Bewährung zu beschränken. Keiner der als Zeuge geladenen früheren Kunden habe einen wirtschaftlichen Schaden erlitten. Ohnehin sei »koscheres Fleisch nicht gesünder, sondern nur religiöser« als herkömmliche Ware. »Nachweislich hat es doch allen geschmeckt!«, erklärte einer der Anwälte.

Die Verteidigung verwies außerdem auf das Urteil des Rabbinischen Gerichts vom 7. Dezember des vergangenen Jahres, in dem – ganz im Gegensatz zur Einschätzung der Orthodoxen Rabbinerkonferenz – keine Verletzung der Kaschrut bei Aviv konstatiert wurde.

Für das weltliche Gericht sei es jedoch ungeklärt, welche dieser Institutionen die maßgebliche sei. Auch sollte das Gericht die Schadensgrenze von 25 auf 50 Euro hochsetzen, wodurch sich die Zahl der Einzeltatbestände noch einmal verringern würde. Am 24. April will die Kammer das Urteil verkünden.

»Paul-Spiegel-Filmfestival«

Sieben gute Filme

In Düsseldorf beginnen das Festival unter dem Motto »Jüdische Welten« mit einem besonderen Gast vor jedem Film

 16.04.2026

Hochschule

»Spaltung statt Austausch«

Das Studierendenparlament der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf fordert den akademischen Boykott Israels. Der jüdische Student Michael Ilyaev erklärt, warum er das für falsch hält

von Joshua Schultheis  15.04.2026

Programm

Hawdala, ein rotes Sofa und das Geheimnis der Königin: Termine und TV-Tipps

Termine und Tipps für den Zeitraum vom 16. April bis zum 23. April

 15.04.2026

München

»Die Stimmung ging sofort in Richtung Aufbruch«

Grigori Dratva über einen Anschlag auf das Restaurant »Eclipse Grillbar«, Solidarität und den Blick nach vorn

von Luis Gruhler  15.04.2026

Carolin Bohl sel. A.

Blockiertes Gedenken

Wie sich in einer kleinen Stadt in Niedersachsen bei der Planung eines Benefizkonzerts für Terroropfer in Israel die Menschlichkeit durchsetzte

von Sophie Albers Ben Chamo  14.04.2026

Jom Haschoa

Narbe gegen das Vergessen

Wir, die Nachkommen der Zeitzeugen und der Ermordeten, dürfen das Leid unserer Großeltern nicht verstecken – wir müssen dafür sorgen, dass es unseren Kindern erspart bleibt

von Eugene Korsunsky  14.04.2026

Israel

Zeit, Zionist zu sein!

Fünf Gründe, den jüdischen Staat zu lieben – mit all seinen Stärken und Schwächen

von Daniel Neumann  13.04.2026

Gedenken

Zwischenrufe bei Weimer-Rede in Buchenwald

Schon im Vorfeld hatte es Kritik am Auftritt des Kulturstaatsministers beim Buchenwald-Gedenken gegeben. Auch vor Ort gab es Gegenwind. Das sagt Weimer selbst dazu

 13.04.2026

Gedenken

»Für mich steht sein ›Hochverrat‹ heute als das höchste Zeugnis von Treue zur Menschlichkeit«

Hape Kerkeling sprach anlässlich des 81. Jahrestages der Befreiung des KZ Buchenwald über seinen Großvater Hermann, der dort fast drei Jahre inhaftiert war. Wir dokumentieren seine Rede

 13.04.2026