EMG 2015

»Spiele des jüdischen Stolzes«

Während der großen Abschlusszeremonie im Berliner Estrel-Hotel Foto: Uwe Steinert

Tausende Sportler, Volunteers, VIPs und Gäste haben am Dienstag mit einer großen Abschlusszeremonie im Berliner Estrel-Hotel die 14. European Maccabi Games ausklingen lassen. Der teils bewegende, teils ausgelassene Abend begann mit dem minutenlangen Einzug der Athleten, die in den vergangenen Tagen in unterschiedlichsten Disziplinen um die Medaillen gekämpft hatten. Alon Meyer, Präsident von Makkabi Deutschland, bezeichnete es als große Ehre, Gastgeber dieser Makkabi-Spiele gewesen zu sein. Es sei wirklich an der Zeit gewesen, die Spiele in Berlin zu veranstalten, so Meyer unter lautem Jubel.

Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller (SPD) zeigte sich beeindruckt von der Atmosphäre der Spiele: Die EMG seien ein spannendes, sicheres und friedliches Fest der Völkerverständigung und der Lebensfreude gewesen. Obwohl er allen Gewinnern gratuliere, freue er sich doch besonders über das Abschneiden der deutschen Delegation, die den ersten Platz im Medaillenspiegel feiern konnte.

Selbstverständlichkeit Die Spiele hätten nicht zuletzt gezeigt, dass jüdisches Leben in Deutschland wieder eine Selbstverständlichkeit sei, so der Regierende Bürgermeister. Doch Müller unterschlug auch die beiden antisemitischen Vorfälle nicht, die es während der EMG gegeben hatte: Sie seien eine Schande. Die schnelle Resonanz habe allerdings gezeigt, »dass für solche Idioten kein Platz in der Stadt ist«, betonte Müller unter dem donnernden Applaus des Publikums.

Die Zeremonie wurde von einem starken Zusammengehörigkeitsgefühl bestimmt, das vor allem die Teilnehmer zum Ausdruck brachten: Für viele von ihnen bot der Abschlussabend die letzte Möglichkeit, sich von neu gewonnenen Freunden zu verabschieden. So wurden während der Reden eifrig Selfies gemacht, Handynummern ausgetauscht und immer wieder spontane Sprechgesänge angestimmt.

Das Gejohle erlebte einen Höhepunkt bei der Vergabe der letzten Medaillen im Wasserball und Fußball. Während die israelischen Wasserballer Gold feierten, indem sie ihre blau-weißen Badekappen in die Menge warfen, bildeten die deutschen Fußballer nach Bekanntgabe ihres ersten Platzes einen wild tanzenden Kreis, den nur DFB-Präsident Wolfgang Niersbach kurz unterbrechen konnte, als er die Medaillen überreichte.

Ken Gradon Award Eine weitere Ehrung wurde mit dem »Ken Gradon Award« für den besten Sportler der EMG verliehen: David Jano aus Kopenhagen durfte sich über die Auszeichnung freuen, mit der nicht der erfolgreichste Athlet geehrt wird, sondern eine für die Spiele besonders wichtige Person. »David war ein echter Teamplayer, der seiner Gemeinschaft in Zeiten der Not beistand«, begründete Moderatorin Melody Sucharewicz die Entscheidung.

Gideon Joffe, Vorsitzender der Jüdischen Gemeinde zu Berlin, freute sich sichtlich über das ausgelassene Bild, das der Saal zu diesem Zeitpunkt bot. In der vergangenen Woche sei die Stadt etwas jüdischer geworden, habe doch die Gemeinde für die Dauer der EMG einen temporären Zuwachs um 20 Prozent erlebt. In Abwandlung einer Werbekampagne für die Hauptstadt forderte Joffe: »Be Jewish. Be Maccabi. Be Berlin«. Angesichts dieses Slogans wirkte das Grußwort von Stuart Lustigman, Chairman der European Maccabi Confederation, umso passender: »Endlich können wir Juden sagen, dass wir Berlin mit glücklichen Erinnerungen verlassen.« Alle EMG-Teilnehmer seien Teil eines außergewöhnlichen historischen Events gewesen.

Makkabi-Botschafter
Ebenjenes Event zu beenden, war die Aufgabe von Motti Tichauer, Vorsitzender der European Maccabi Confederation. Zum Abschluss rief er alle Sportler dazu auf, nach ihrer Rückkehr Makkabi-Botschafter zu sein, denn Makkabi stehe für die jüdische Identität. »Die 14. European Maccabi Games waren Spiele des jüdischen Stolzes«, so Tichauer in seiner engagierten Rede.

Mit dem gemeinsamen Singen der Hatikwa ging die Abschlussfeier in eine ausgelassene Party über, deren Auftakt der Auftritt der Berliner Band Jewdyssee bildete. Schon nach den ersten Takten erklärten einige Zuschauer die Bühne zur Tanzfläche, nicht wenige davon in weißen T-Shirts, auf denen das inoffizielle Motto des Abends zu lesen war: »See you in 2017« – dann bei der nächsten Welt-Maccabiah in Israel.

Lesen Sie mehr in der kommenden Ausgabe am Donnerstag.

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