München

Simon-Snopkowski-Preis verliehen

Der Simon-Snopkowski-Preis ist am Mittwochabend in München an drei bayerische Schulen verliehen worden. Ein Ehrenpreis ging an den Bayerischen Rundfunk.

Die Auszeichnung wird seit 2006 alle zwei Jahre von der Gesellschaft zur Förderung jüdischer Kultur und Tradition vergeben. Sie erinnert an den Arzt Simon Snopkowski, Überlebender der Schoa und langjähriger Präsident des Landesverbandes der Israelitischen Kultusgemeinden in Bayern. Gemeinsam mit Überlebenden des Holocaust hat er die Gesellschaft im Jahr 1981 gegründet.

Preisträger Der Preis hat als besonderes Ziel »die Förderung der forschenden Jugend« im Bereich jüdischer Kultur in Bayern und dem Holocaust. Eine siebenköpfige Jury vergab den ersten Preis an die Dietrich-Bonhoeffer-Realschule Neustadt an der Aisch für die Produktion des 24-minütigen Films Stolpersteine, der sich mit dem Schicksal von fünf jüdischen Jugendlichen befasste, die 1934 die Schule verlassen mussten.

Der zweite Preis ging an das Dossenberger-Gymnasium Günzburg mit dem schon 16 Jahre laufenden Projekt »Der Lernzirkel Judentum« von Neuntklässlern. Einen weiteren zweiten Preis durfte die Willi-Ulfig-Mittelschule Regensburg entgegennehmen für ihr Sechstklässler-Projekt »Lernaufgabe: Was Juden heilig ist – Lernen an religiösen Artefakten«.

Der Snopkowski-Ehrenpreis ging in diesem Jahr – und das war ein Novum – an eine Institution, nämlich an den Bayerischen Rundfunk, der der breiten Öffentlichkeit »jüdische Geschichte vermittelt, an den Holocaust erinnert und jüdisches Leben in Bayern begleitet«, wie die langjährige Vorsitzende der Gesellschaft zur Förderung jüdischer Kultur und Tradition, Ilse Ruth Snopkowski, sagte.

Die Laudatio hielt Josef Schuster, Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland. Er würdigte den Bayerischen Rundfunk als Mittler zwischen der jüdischen und nichtjüdischen Welt. »Denn in vielen Kanälen und vielen Sendungen setzt der Bayerische Rundfunk in die Tat um, was Simon Snopkowski sel. A. so wichtig war: den Dialog zu suchen, Wissen lebendig zu halten und Brücken zu bauen.« Dabei greife der BR im Fernsehen und im Radio Themen des jüdischen Lebens auf. »Und dabei geht es eben nicht immer nur um die Schoa oder um Gedenkfeiern. Nein, auch das aktuelle moderne jüdische Leben wird abgebildet. Das schätze ich ganz besonders«, sagte Schuster.

Kritik Ohne den »großen Verdienst« zu schmälern und im Bewusstsein, dass der BR seinen Bildungsauftrag wirklich ernst nehme, wies Schuster in »einer kritischen Bemerkung« auf einen Beitrag in der »Tagesschau« hin, in dem es vor einigen Wochen um die Wasserpolitik in Israel gegangen war und in dem nach einem »immer wiederkehrenden Muster Israel als Aggressor« dargestellt worden sei.

Ulrich Wilhelm, Intendant des Bayerischen Rundfunks, der den Ehrenpreis stellvertretend für seinen Sender entgegennahm, wertete die Ehrung als Ansporn und Verpflichtung: »Der BR steht für differenzierte, ausgewogene Berichterstattung«, sagte er. Auf die Bemerkung Schusters reagierend, sagte Wilhelm: »Kritik nehmen wir an und werden darüber nachdenken.«

Lesen Sie mehr in der nächsten Printausgabe der Jüdischen Allgemeinen.

Brandenburg

Neuer Staatsvertrag für jüdische Gemeinden in Brandenburg

In Brandenburg hat die Bekämpfung des Antisemitismus seit 2022 Verfassungsrang. Nun soll der Staatsvertrag mit den jüdischen Gemeinden verbessert werden

 25.10.2026

Porträt der Woche

Die Erinnerung muss bleiben

Thomas Gabelin wurde in Theresienstadt geboren. Heute ist er aktiver Zeitzeuge

von Christine Schmitt  25.10.2026

Jubiläum

Brücke nach Israel

TAMAD feiert 25 Jahre Freundschaft und kulturellen Dialog mit dem jüdischen Staat

von Luis Gruhler  25.10.2026

Brustkrebs

»Vorsorge ist entscheidend«

Hannah Arbitmann über Mammakarzinome, Gentests und die Menopause

von Katrin Richter  23.10.2026

Würdigung

Bayerischer Walk of Fame

Zwei Lebensgeschichten, ein gemeinsames Zeichen: Charlotte Knobloch und Herzog Franz von Bayern werden für ihr Engagement geehrt

von Luis Gruhler  23.10.2026

München

Auf eine Maß mit Lion Feuchtwanger

Ein neu gegründeter Stammtisch erinnert an ein Stück vergessener jüdisch-bayrischer Tradition. Ein Ortstermin

von Leon Stork  22.10.2026

Mode

Sieben Jahre Prada

Diane Bouccara erlebte als Managerin die Welt der Haute Couture bis zur Selbstaufgabe – ehe sie durch ihre Teschuwa zum orthodoxen Judentum fand

von Alicia Rust  22.10.2026

Fotografie

Nordisch by Nature

Der Fotograf Kay Michalak hat für sein neues Buch Jüdinnen und Juden aus norddeutschen Gemeinden porträtiert. Es sind Momente der Begegnung, die die Vielstimmigkeit des jüdischen Lebens zeigen

 21.10.2026

Frankfurt

Auf dem Schuk

Der neue Laden will mehr sein als ein koscherer Supermarkt: ein Ort zum Einkaufen, Plaudern und Ankommen – für die jüdische Gemeinde und das ganze Viertel

von Mascha Malburg  21.10.2026