Freude

Simches in Bad Kreuznach

Die Jüdische Kultusgemeinde Bad Kreuznach hat in diesem Jahr Simchat Tora um rund zwei Wochen vorverlegt. Denn schon am 23. September brachte sie ihre neue Torarolle ein. »Wir sind sehr glücklich«, freut sich Valeryan Ryvlin, Vorsitzender der Gemeinde, die gleichzeitig das zehnjährige Bestehen der Synagoge und das Jubiläum der Wiederbelebung der Gemeinde vor 65 Jahren feiert. Mit der neuen Sefer Tora besitzt sie wieder ein vollgültiges Dokument für den Gottesdienst.

Rettung Die bisherigen drei Torarollen waren schadhaft geworden und damit nicht mehr koscher. Eine der Rollen ist mehr als 100 Jahre alt. Sie wurde 1938 nach den Pogromen der Nazis vom damaligen Rabbiner Alfred Jacobs in die USA gebracht und kehrte erst im Mai 2010 nach Bad Kreuznach zurück.

Die neue Rolle sei in Jerusalem geschrieben worden, berichtet der zweite Vorsitzende der Gemeinde, Massoud Y. Gilardy: »Wir bekommen hier etwas Gutes.« Für den Kauf der neuen Rolle musste die Bad Kreuznacher Gemeinde tief in die Tasche greifen (22.000 Euro), obwohl es, so Gilardy, gute Konditionen gegeben habe. Sponsoren, die bei der Finanzierung helfen wollen, seien daher sehr willkommen.

Der Festakt am Sonntag diente jedoch nicht nur der Aufnahme der neuen Torarolle, sondern erinnerte auch an die Wurzeln der jüdischen Gemeinde in Bad Kreuznach, die nach der Vernichtung durch den nationalsozialistischen Terror vor 65 Jahren wiedererstanden ist.

Symbiose Jüdisches Gemeindeleben gab es in Kreuznach schon im 14. Jahrhundert. Seit 1336 kann man von einer jüdischen Gemeinde sprechen. Damals habe der Kaiser dem in Kreuznach herrschenden Grafen Johann II. von Sponheim das Recht gewährt, 60 jüdische Haushaltungen aufzunehmen. Diese Symbiose zwischen Staat und Judentum ging 1933 zu Ende.

Während der Pogromnacht am 9./10. November 1938 wurde der Innenraum der Synagoge in der Fährgasse zerstört und ausgeplündert. 1947 wurde die jüdische Kultusgemeinde mit 23 Mitgliedern neu gegründet, und im Juni 2002 bekam die jüdische Gemeinde, durch Zuwanderungen aus Osteuropa mittlerweile 200 Personen stark, wieder eine neue Synagoge.

Meinung

Berlin bekommt, was es verdient!

Ein Kommentar von Chefredakteur Philipp Peyman Engel zum Erdrutschsieg der Linkspartei in der Hauptstadt

von Philipp Peyman Engel  20.09.2026

Feiertage

Chatima towa, oder was?

Was von Rosch Haschana über Jom Kippur bis Sukkot die korrekte Grußformel ist

von Rabbiner Yaacov Zinvirt  20.09.2026 Aktualisiert

Porträt der Woche

Damit die Namen bleiben

Jorge Steffen ist Germanist und engagiert sich für den Erhalt von Grabsteinen

von Gerhard Haase-Hindenberg  20.09.2026

Sachsen-Anhalt

Halle: Gemeindevorsitzender hat keine Angst vor AfD-Regierung

Max Privorozki kritisiert in einem aktuellen Interview das Geschichtsbild der AfD in Sachsen-Anhalt. Er wolle jedoch abwarten, »was die Partei tatsächlich umsetzen würde«

 20.09.2026

Kommentar

Die Schatten der Vergangenheit sind lang

Wie der Hessische Rundfunk über jüdische Grundstücke stolpert

von Daniel Neumann  18.09.2026

Wuppertal

Brandanschlag auf Synagoge: Staatsanwaltschaft geht von Judenhass aus

Der 37 Jahre alte mutmaßliche Täter soll aus antisemitischen Gründen gehandelt haben

 18.09.2026

Wuppertal

Brandanschlag auf Synagoge

Nach ersten Erkenntnissen handelte der polizeibekannte Mann mit afghanischer Staatsangehörigkeit allein

 18.09.2026 Aktualisiert

Sukkot

Fast zu Hause

Unsere Autorin flüchtete mit ihren Kindern 2022 aus der Ukraine. In Rottweil begann die kleine Familie ein neues Leben. Zum Laubhüttenfest blickt die Manikeurin auf ihr Ankommen zurück

von Olga Nemchenko  17.09.2026

Jubiläum

Jüdischer Landesverband Sachsen feiert 100-jährige Geschichte

Rund 20.000 Jüdinnen und Juden haben vor dem Zweiten Weltkrieg in Sachsen gelebt. Bereits vor 100 Jahren wurde eine jüdische Interessenvertretung gegründet

 16.09.2026