Sport

Sie nannten ihn Szlog Maszin

Das Endspiel um die Jüdische Fußballmeisterschaft haben wir verloren», erinnert sich Izak (Jack) Nierob etwas wehmütig an das denkwürdige Finale vor 70 Jahren zwischen Hasmonea Zeilsheim und Ichud Landsberg im Münchner Grünwalder Stadion, «doch bei der Boxmeisterschaft im Circus Krone belegte unsere Staffel den ersten Platz», freut er sich.

Izak Nierob wurde 1925 im polnischen Plock geboren. Nach seiner Befreiung aus dem Konzentrationslager Buchenwald verschlug es ihn nach Frankfurt ins DP-Lager Zeilsheim. Dort spielte Izak Fußball und boxte im jüdischen Sportklub Hasmonea. Im April 1949 emigrierte er schließlich in die USA.

Wie viele Überlebende liebte auch Izak das Boxen, weil dabei seiner Ansicht nach «Schnelligkeit, Ausdauer, Kaltblütigkeit, Kampfeslust, Siegeswillen und das Schönste: der Heldenmut» gefördert würde. Nach der Schoa entwickelte sich der Faustkampf zu einem Massensport – überall in den Camps wurden Boxturniere veranstaltet.

Eröffnungsfeier Die erste jüdische Boxmeisterschaft in der US-Zone Deutschlands mit 68 Boxern aus 13 DP-Lagern fand vom 27. bis zum 29. Januar 1947 im Circus Krone in München statt. Genau zwei Jahre nach dem Tag, an dem Auschwitz befreit worden war, marschierten unter Trommelwirbel die Sportler mit blau-weißen Fahnen und dem US-Sternenbanner in die Arena ein.

Ein Orchester spielte die Hatikwa und die amerikanische Nationalhymne. Nachdem Vertreter der jüdischen Selbstverwaltung und der US-Militärregierung ihre Grußworte gehalten hatten, ergriff Philipp Auerbach, der Staatskommissar für rassisch, religiös und politisch Verfolgte, das Wort. Er erinnerte an Hitlers Auftritt 1935 im Circus Krone: «Und jetzt finden unsere Wettkämpfe hier statt», sagte er unter tosendem Beifall der Zuschauer. «Es ist ihm nicht gelungen, uns vollständig zu vernichten, und unsere Jugend wird beweisen, dass es an der Zeit ist, unsere Ehre zu verteidigen – nicht nur im Ring oder auf dem Sportplatz!»

Die Namen der verschiedenen Sportvereine jener Zeit nahmen diesen Gedanken auf. Sie nannten sich Hakoach (Kraft), Kadima (Vorwärts) oder Hapoel (Arbeiter). Die Zeilsheimer nannten sich nach dem Herrschergeschlecht, das nach dem Makkabäer-Aufstand etwa 160 Jahre v.d.Z. einen jüdischen Staat in Palästina begründete, Hasmonea.

«Voller Spannung wartete das Publikum auf interessante und anspruchsvolle Kämpfe», schrieb die «Jidisze Sport Cajtung», und der Journalist und die Zuschauer wurden nicht enttäuscht! Die Männer aus dem Camp Zeilsheim setzten sich unangefochten durch; Hasmonea belegte mit vier Meistern den ersten Platz, gefolgt von Landsberg, Deggendorf und Föhrenwald, die sich mit jeweils einem Meister zufrieden geben mussten.

Stereotyp Das dreitägige Turnier in München war ein voller Erfolg: Denn dem Stereotyp vom angeblich verkümmerten, schwachen Ghettojuden wurde eine deutliche Absage erteilt. Wie es schon Max Nordau auf dem zweiten Zionistischen Kongress gefordert hatte: «Wir müssen trachten, wieder ein Muskeljudentum zu schaffen.» Der Boxer Szenfeld aus Zeilsheim eiferte diesem Ideal offensichtlich begeistert nach, hatte er doch von der «Jidiszen Sport Cajtung» den Spitznamen «die Szlog Maszin» bekommen.

Mit der Schließung der letzten DP-Camps in den frühen 50er-Jahren wurde das Ende einer jüdischen Sportkultur eingeleitet, wie sie in Deutschland nicht wieder entstehen sollte.

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