Willmars

Schweinestall in der Berufung

Bürgerprotest: Die Anwohner von Willmars sind gegen Güllegeruch über Gräbern. Foto: Thomas Künzel

Der Streit um einen Schweinestall in der Nähe eines jüdischen Friedhofs im unterfränkischen Willmars wird wohl von Sommer an vor dem Bayerischen Verwaltungsgerichtshof (VGH) verhandelt. Zuvor wolle sich das Gericht in der Rhön vor Ort ansehen, wie weit der für 1.000 Tiere geplante Schweinemastbetrieb von den jüdischen Grabstätten entfernt ist. Das sagte eine VGH-Sprecherin in München. Dieser Ortstermin werde im April oder Mai stattfinden, im Sommer soll die mündliche Verhandlung folgen.

Problematisch Das Verwaltungsgericht Würzburg hatte im vergangenen Oktober entschieden, dass der Schweinemastbetrieb gebaut werden darf. Der Landesverband der Israelitischen Kultusgemeinden in Bayern hatte daraufhin eine sogenannte Berufungszulassung beantragt. In der vergangenen Woche ließ der VGH die Berufung gegen das Verwaltungsgerichtsurteil zu, »wegen besonderer rechtlicher und tatsächlicher Schwierigkeiten der Streitsache«, wie die VGH-Sprecherin erklärte.

Der Schweinestall soll rund 150 Meter neben dem jüdischen Friedhof errichtet werden. Nach Ansicht des jüdischen Landesverbands ist das nicht mit dem jüdischen Glauben zu vereinbaren. »Das ist ein Dorn für die jüdische Religion. Es gibt bei uns Leute, die noch nicht mal das Wort Schwein in den Mund nehmen. Und dann dieser Gestank bei einem Friedhof«, argumentierte Würzburgs Rabbiner Jakov Ebert.

Beschämt Gemeinderätin Ulrike Emmert sieht die Möglichkeit, unbeeinflusst um die Toten zu trauern, durch den Mastbetrieb gefährdet. Ehrenvolles Gedenken sei in der Nachbarschaft von 1.000 Schweinen kaum möglich. Bürgermeister Reimund Voß sagte auf das Urteil hin: »Es macht keinen Sinn, von der christlich-jüdischen Kultur in Deutschland zu reden, um dann mit einer Baugenehmigung die jüdische Kultur mit Füßen zu treten.«

»Über Jahrhunderte bediente man sich des Schweins, um Juden zu vespotten und zu demütigen«, kommentiert der Präsident des Landesverbandes der Israelitischen Kultusgemeinden in Bayern, Josef Schuster, den Richterspruch im vergangenen Oktober. »Das vermutlich rein technokratisch begründete Urteil verletzt die jüdischen Religionsvorschriften. Moralisch-ethische Grundsätze der aktuell häufig zitierten gemeinsamen christlich-jüdischen Kultur«, würden ad absurdum geführt.

Das Örtchen Willmars liegt in einem Urlaubsgebiet direkt an der Landesgrenze zwischen Thüringen und Bayern. Doch seit gut drei Jahren wird jetzt um den Schweinemastbetrieb gestritten, der möglicherweise auch das Grundwasser belasten könnte, das den zusammen mit aus überwiegend kontrolliert-biologisch gewonnenen Rohstoffen hergestellten Öko-Trunk »Bionade« bildet. ja/dpa

Dresden

Gemeinde feiert Rückkehr mit Konzert und Ausstellungen

Rund 200 Besucher feierten die Rückkehr der jüdischen Gemeinde in ihre Synagoge, die nach rund dreieinhalb Jahren Bauzeit wiedereröffnet werden konnte

 15.09.2026

Bayern

Nach Morddrohung gegen Charlotte Knobloch – jetzt äußert sich die Polizei

Die Hintergründe

 15.09.2026

Audiowalk

Schritte durch die Vergangenheit

Das Junge Theater Köln erzählt die Geschichte des jüdischen Viertels und verbindet dazu Schauspiel und digitale Technik

von Annette Kanis  15.09.2026

München

Wadephul trifft Charlotte Knobloch nach Morddrohung

Die Präsidentin der Israelitischen Gemeinde München und Oberbayern wurde nach dem AfD-Erfolg in Sachsen-Anhalt Opfer einer Gewaltandrohung. Der Bundesaußenminister demonstriert Solidarität

 15.09.2026

Mascha Malburg und Joshua Schultheis

In eigener Sache

Mascha Malburg und Joshua Schultheis werden mit dem Georg-Stefan-Troller-Preis ausgezeichnet

Die Redakteurin der Jüdischen Allgemeinen und der freie Mitarbeiter erhalten die Auszeichnung für ihre Interviewreihe mit Juden aus Deutschland

 15.09.2026 Aktualisiert

Rheinland-Pfalz

SchUM-Kulturtage Speyer präsentieren jüdisches Leben

Ob ein Kochkurs mit dem Landesrabbiner oder jiddische Lieder mit dem Oberkantor: Die SchUM-Kulturtage laden ab Oktober mehr als einen Monat lang dazu ein, die jüdische Kultur kennenzulernen

 14.09.2026

Kino

»Ich habe keine Heimat«

Eine Dokumentation über Albrecht Weinberg erzählt von Verfolgung, Erinnerung und der schwierigen Rückkehr in das Land der Täter

von Esther Martel  14.09.2026

Porträt der Woche

Der Barockmusiker

Moshe Haas stammt aus Israel, ist Kantor und liebt Johann Sebastian Bach

von Anja Bochtler  14.09.2026

Berliner Leuchtturmprojekt

Musikalische Stolpersteine jetzt in fünf Bundesländern

Mehrere Tausend in Gehwegen eingelassene »Stolpersteine« halten europaweit die Erinnerung an Verfolgte des Naziregimes wach. Jetzt gibt es auch »Stolperstein«-Podcasts

 14.09.2026