Würzburg

Schuster kritisiert Corona-Leugner bei Pogromgedenken

Zentralratspräsident Josef Schuster Foto: dpa

Der Präsident des Zentralrates der Juden in Deutschland, Josef Schuster, hat am Dienstag Pandemie-Leugner, Querdenker und ideologische Impfkritiker scharf kritisiert.

Er richte sich an jene aus der Corona-Leugner-Szene, die sich »den gelben Stern anheften und sich als vermeintliche Opfer gerieren und damit den Holocaust relativieren«, erläuterte Schuster laut Redemanuskript beim Gedenken an die Opfer der Pogromnacht in Würzburg: Die Jüdinnen und Juden »hätten gejubelt«, wenn sie damals lediglich die Pandemie-Beschränkungen hätten erdulden müssen.

gelber stern Schuster bezeichnete es als skrupellos, dass sich Corona-Leugner und Maßnahmenkritiker den gelben Stern mit der Aufschrift »ungeimpft« anheften oder sich mit dem bekannten jüdischen Schoa-Opfer Anne Frank vergleichen.

Der jüdischen Gemeinde in Deutschland bereite die »sehr heterogene, aber leider nicht kleine Gruppe« der Pandemie-Leugner und Impfskeptiker große Sorgen – vor allem, weil sie »Seit‘ an Seit‘ mit Rechtsextremisten demonstrieren«. All jene sollten noch einmal darüber nachdenken, »ob es den Hauch einer Berechtigung gibt, sich heute als Verfolgte zu fühlen«.

Der Zentralratspräsident sagte, man könne aus der Pandemie lernen. Durch die medizinisch notwendigen Einschränkungen der Grundrechte sei vielen erst einmal wieder bewusst geworden, »welche Freiheiten wir vorher ganz selbstverständlich genossen haben«. Viele hätten sie nicht mehr wertgeschätzt.

demokratie Er hoffe deswegen, dass 2022 zur Phase der neuen Wertschätzung und damit eines verstärkten Engagements für die Demokratie wird, erläuterte Schuster: »Wir brauchen nicht nur mehr ökologischen Klimaschutz, sondern auch einen gesellschaftlichen Klimawandel.«

In der Nacht vom 9. auf den 10. November 1938 gingen die Nationalsozialisten zur offenen Gewalt gegen die jüdische Minderheit im Deutschen Reich über. Es brannten Synagogen und jüdische Geschäfte, Wohnungen wurden verwüstet und jüdische Bürger misshandelt. Die Mehrzahl der Synagogen und jüdischen Gebetshäuser ging in der Pogromnacht in Flammen auf. Das öffentliche Leben der Juden in Deutschland kam danach völlig zum Erliegen. epd

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