Juden in der Politik – SPD

Schützin fürs Soziale

SPD-Politik ist Familientradition: Vered Zur-Panzer Foto: Rafael Herlich

Vered Zur-Panzer ist in die Fußstapfen ihres Vaters getreten und hat auch »seine Freunde und Feinde übernommen«, wie sie schmunzelnd sagt. Zur-Panzer ist Kommunalpolitikerin in Bad Vilbel, einer Kleinstadt nordöstlich von Frankfurt am Main, und seit 2005 Mitglied der SPD-Fraktion.

In die Partei eingetreten ist die Tochter von Rafael Zur, der lange Zeit im örtlichen Parteivorstand und Mitglied des Stadtparlaments war, vor mehr als 16 Jahren; ihre Parteiwahl habe aber, sagt sie, nicht allein mit ihrem »familiären Background« zu tun. Auch der Pluralismus in der Partei sei ausschlaggebend dafür gewesen, dass sie bei den Sozialdemokraten ihre politische Heimat gefunden hat.

gerechtigkeit Beredt und quirlig: zwei Eigenschaften, die die zierliche Frau mit dunkler Kurzhaarfrisur charakterisieren; Begabungen also, die in der großen und kleinen Politik nützlich sein können. Zur-Panzer versteht sich als Kommunalpolitikerin und will es bleiben. Ihre einzige überregionale Funktion hat sie seit vergangenem Jahr inne: Sie ist eine von fünf Vorstandsmitgliedern des 2007 gegründeten bundesweiten Arbeitskreises Jüdischer Sozialdemokraten.

Die Tochter eines in Rumänien geborenen Juden, der als Jugendlicher nach Deutschland als DP kam, Ende der 40er-Jahre mit den Eltern nach Israel auswanderte und 1979 mit der eigenen Familie hierher zurückkehrte, beschreibt sich als sowohl liberalen wie traditionellen Menschen. Sie liebe und stehe zu ihrem jüdischen Glauben, trage ihn in ihrem Herzen und gehe an den Hohen Feiertagen in die Synagoge.

»Ich habe gelernt, mich in die abendländische Kultur zu integrieren, ohne meine morgenländische Kultur zu verlieren.« Ihr Verhältnis zum Judentum sei »unkompliziert und ehrlich«. In den Lehren des Judentums sieht Vered Zur-Panzer viele Parallelen zur Idee der sozialen Gerechtigkeit und besinnt sich »bei politischen Entscheidungen auf drei Dinge, auf denen die Welt ruht: Wahrheit, Gerechtigkeit und Frieden«.

baupolitik In der Kommunalpolitik engagiert sie sich vor allem »in bau- und verkehrstechnischen Angelegenheiten«, weil sie sich auf diesem Gebiet am besten auskennt. Ihr Interesse gilt zudem den Bereichen Umwelt, Natur und Tiere, Verbraucherschutz und der Integrations- und Migrationspolitik; Letzteres hängt gewiss auch mit ihrer eigenen Biografie zusammen, denn die 42-Jährige ist selbst eine Eingewanderte.

Acht Jahre alt war sie, als ihre Eltern mit ihr Israel verließen. Deutschland sei zu ihrer Heimat geworden, in Bad Vilbel, wo sie von Beginn an lebte, fühle sie sich zu Hause. Dazu mag beigetragen haben, dass die Familie »nie auf gepackten Koffern gesessen« hat, sagt die Frau mit dem ungewöhnlichen Nachnamen, der immer wieder Anlass für Nachfragen bietet. Die Antwort ist dann, dass sie den bei der Heirat angehängten Nachnamen des Ehemanns nach der Scheidung nicht abgelegt hat.

sport Hauptberuflich ist Zur-Panzer Immobilienverwalterin und Betreiberin eines Hotels, wobei es sich nicht um eine Unterkunft für Urlauber handelt, sondern um eine für Menschen ohne eigene Wohnung. Wenn sie gerade mal nicht beruflich oder als Politikerin unterwegs ist, dann verbringt sie unter anderem Zeit mit Lady.

So heißt ihr Pony, das ihr derzeit Kummer bereitet, weil es an der Hufe erkrankt ist. Lady ist aber nicht ihr einziges Hobby. Vered Zur-Panzer ist aktive Sportlerin. Bei Makkabi ist die Mannschaftsführerin der Tennis-Damenmannschaft und seit Kurzem auch Trainerin der Schießsportgruppe. Als Schützin ist sie schon mit etlichen Preisen, auch auf Bundesebene, ausgezeichnet worden. Bei der Maccabiah in Israel im Juli verfehlte sie relativ knapp einen Medaillenrang. Mit Schießen werde oft »rechte Gesinnung« verbunden, was sie nicht nachvollziehen könne, sagt Zur-Panzer. Sie sei ein Beispiel dafür, dass das nicht stimme.

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