Tradition

Scherben fürs Eheglück

Bei Exkursionen zu Stätten früheren jüdischen Lebens in Süddeutschland finden sich bei einer ganzen Reihe von einstigen Synagogen heute noch an deren Außenwand Chuppasteine, auch Trausteine oder Hochzeitssteine genannt. Der Name des Steins erinnert an den Hochzeitsbaldachin. Was es mit ihm auf sich hat, ist jedoch nur wenigen bekannt. Um ihn zu verstehen, muss man sich die jüdische Hochzeit vor Augen führen.

Zum letzten Akt der Trauungszeremonie gehört traditionell das Zertreten des Glases. Dies soll symbolisieren, dass sogar im Augenblick des höchsten Glücks jeder Jude seine Trauer über die Zerstörung Jerusalems zum Ausdruck bringt. Der Rabbiner spricht daher den Satz aus Psalm 137,5: »Wenn ich deiner vergessen sollte, Jerusalem, möge meine rechte Hand verdorren ….«, den dann der Bräutigam wiederholt. Danach zertritt er mit dem Fuß ein Glas. Mit dem von allen laut gesprochenen »Mazal tow« endet die eigentliche Trauungszeremonie.

bräutigam In den früheren jüdischen Gemeinden Süddeutschlands hat der Bräutigam jedoch das Glas nicht zertreten, sondern es an dem an der Synagoge befindlichen Chuppastein zerschmettert. Die meisten Tafeln sind in Unterfranken, etwa in Urspringen, Laudenbach, Obernbreit, Hüttenheim, Würzburg, Höchberg, Rimpar, in Altenkunstadt, Wilhermsdorf, Heinsheim, Eppingen, aber auch in Mainz-Weisenau zu finden und waren so ein fester Bestandteil der Zeremonie.

In fast allen Chuppasteinen sieht man einen Stern, im Zentrum häufig das hebräische MT für Mazal Tow. Manchmal, wie in Obernbreit, auch eine hebräische Jahreszahl, die das Datum der Erbauung der Synagoge angibt und den Auszug aus Jeremias 7,34 und 33,1: »Stimme des Jubels, Stimme der Freude, Stimme des Bräutigams, Stimme der Braut«.

Dass die Steine erhalten blieben, ist oft den Besitzern des jeweiligen Synagogengebäudes zu verdanken, die sie in der Zeit der NS-Herrschaft abgedeckt oder übertüncht und dadurch vor der Zerstörung bewahrt haben.

München

Vorstand der Israelitischen Kultusgemeinde neu gewählt

Die meisten Stimmen erhielten Charlotte Knobloch, Roy Rajber und Guy Katz

 06.07.2026

Porträt der Woche

Die Kraft der Sichtbarkeit

Rivkah Schwarzbart entwirft seit dem 7. Oktober jüdischen Schmuck und lebt in München

von Katrin Diehl  05.07.2026

Kommentar

Meine Angst

Was es heißt als Jude in Deutschland nach dem 7. Oktober zu leben. Ein Aufschrei von André Herzberg

von André Herzberg  05.07.2026

Schule

Blick nach vorn

Das Helene-Habermann-Gymnasium in München verabschiedete seine Abiturientinnen und Abiturienten – und feierte zugleich zehnjähriges Bestehen

von Ellen Presser  05.07.2026

Lesung

Sprache statt Wurzeln

Die aus dem Irak stammende Schriftstellerin Mona Yahia stellte in München ihr neues Buch über jüdisches Leben im arabischen Raum vor

von Nora Niemann  05.07.2026

Thüringen

Achava-Festspiele: Dialog zwischen Religionen und Kulturen

Die Achava-Festspiele gehen mit mehr als 80 Veranstaltungen in ihre zwölfte Ausgabe. Neben Konzerten umfasst das Programm Ausstellungen, Filme, Vorträge, interreligiöse Begegnungen sowie Angebote für Familien und Schulen

 02.07.2026

Sport

Maccabiah Chai!

170 Athletinnen und Athleten sind in Israel beim größten jüdischen Sportevent – Wir stellen Ihnen sechs vor

von Katrin Richter, Helmut Kuhn  01.07.2026

Sachsen-Anhalt

»Eine offene Tür ist unsere Antwort«

Landesverbands-Geschäftsführerin Rimma Fil über wachsenden Antisemitismus, Sorgen vor der Landtagswahl und den festen Willen der jüdischen Gemeinden, sichtbar zu bleiben

von Christine Schmitt  01.07.2026

Verlegung

Magdeburg erhält 900. Stolperstein

Seit 2007 wird in Magdeburg mit Stolpersteinen an Opfer des Nationalsozialismus erinnert. Die nunmehr 47. Verlegung wurde auf zwei Tage verteilt

 01.07.2026