ELES

»Rückzugsort und Thinktank«

Michal Or

Frau Or, vor 15 Jahren wurde das Ernst Ludwig Ehrlich Studienwerk (ELES) gegründet. Es möchte junge jüdische Menschen fördern und »ein gemeinsames jüdisches Haus« bauen. Ist Ihnen das gelungen?
Ich glaube, ja. Wir hatten und haben bis jetzt 1200 Stipendiaten, die finanziell, aber auch ideell gefördert wurden. Das ist schon eine beachtliche Zahl. Die ideelle Förderung besteht aus vielen Teilen. Zum einen sind das die Kollegs, die von den Stipendiaten besucht werden. Viele werden inzwischen von Stipendiatinnen und Stipendiaten sowie Ehemaligen selbst gestaltet. Darüber hinaus gibt es etliche Eigeninitiativen der Stipendiatenschaft und anderer Organisationen, deren ehrenamtliche Mitglieder sie sind. Sie gründen auch selbst Organisationen und schreiben Artikel. Wir bieten viel Raum für Initiative, den Diskurs und das Zusammenfinden von Menschen, die aktiv werden wollen.

Ein ehemaliger Stipendiat schreibt, er wünsche ELES, man möge sich weiter unbequemen und relevanten Themen stellen. Wie gewährleisten Sie das?
Indem man keine Themen unterdrückt und sich überlegt, wie die Diskussionen darüber die Grenzen der Bubbles überwinden und einen Großteil der Stipendiatenschaft interessieren können. Was wir sicherlich noch verbessern werden und wollen, ist die Ermutigung, auch unbequeme Themen anzusprechen. Zu überlegen, welche Fragen uns bewegen. Und diese dann sachlich, ruhig und rational anzugehen. Vielleicht angeleitet und mit Unterstützung, vielleicht aber auch ohne, weil die Stipendiatenschaft das sehr gut selbst kann. Dafür müssen immer wieder eine Sprache und Formate gefunden werden. Manchmal ist das ein Online-Abend, manchmal sind es Veranstaltungsreihen, zu denen man sich wöchentlich trifft und Literatur zum Thema liest.

Sie sind ein Thinktank und Rückzugsort für die Stipendiaten zugleich. Hat sich das seit dem 7. Oktober 2023 noch verstärkt?
Das sind zwei sehr schöne Stichworte, Rückzugsort und Thinktank. Parallel dazu wollen wir dazu ermutigen, Räume zu schaffen, in denen man sich über eigene Erfahrung austauscht und gegenseitig unterstützt. Die Notwendigkeit und das Verlangen danach sind größer geworden. Gleichzeitig ist eine gewisse Zurückhaltung dazugekommen, um eine Polarisierung zu vermeiden. Das ist wichtig, sollte aber den Räumen des Austauschs nicht entgegenstehen.

Sie wollen jüdisches Bewusstsein fördern und die Stipendiaten auch in Zukunft an die Gemeinden »zurückgeben« …
Die Stipendiatenschaft kommt zu großen Teilen aus den Gemeinden, und sie sind oft mit anderen Institutionen verknüpft. Es entwickelt sich automatisch, dass sich unsere Stipendiatinnen und Stipendiaten in anderen Institutionen oder in den Gemeinden engagieren, und das passiert schon seit 15 Jahren.

Mit der ELES-Geschäftsführerin sprach Helmut Kuhn.

Diplomatie

Lebendiges Netzwerk

30.000 Euro für die deutsch-israelische Zusammenarbeit: Botschafter Ron Prosor zeichnet vier wegweisende Initiativen aus

 03.06.2026

Nachruf

Kein Tag ohne Linie

Pavel Feinstein porträtierte Tiere, Freunde und immer wieder sich selbst. Nun ist der Maler überraschend gestorben

von Eugen El  03.06.2026

Archäologie

Forschungsgrabung zu Erfurts jüdischem Erbe beginnt im August

Bei einer archäologischen Grabung in Erfurt suchen Fachleute ab August nach Spuren des mutmaßlichen Tanzhauses der zweiten mittelalterlichen jüdischen Gemeinde. Die Archäologen hoffen auf Hinweise zur Entstehungszeit und zu späteren Umbauten

von Matthias Thüsing  03.06.2026

Jahr der jüdischen Kultur in Sachsen

Leipziger Fotoausstellung zu jüdischem Leben

Die Ausstellung »Momentaufnahme. Das Fotoarchiv Mittelmann« stellt u.a. die Familie des Fotografen vor

 03.06.2026

Judenhass

Bayerisches Hotel verschickt antisemitische Nachricht an Israeli

»Tut uns leid, in unserem Hotel sind keine Juden erlaubt«: Diese Nachricht erhielten israelische Touristen vom Hotel »Zum Hirschen« in der Ortschaft Lam

von Imanuel Marcus  03.06.2026 Aktualisiert

TV-Tipp

»Robert Lembke - Wer bin ich?« -Doku-Drama über die TV-Legende

»Robert Lembke - Wer bin ich« ist ein kluger Film über Verdrängung, Volksbildung und das Schweigen einer TV-Legende über die eigene Vergangenheit

von Jan Lehr  02.06.2026

Programm

Klang, Gang und Streisand: Termine und TV-Tipps

Termine und Tipps für den Zeitraum vom 3. Juni bis zum 10. Juni

 02.06.2026

Frankfurt am Main

Jüdische Gemeinde zeichnet Jugendengagement mit Beni-Bloch-Preis aus

»Wir ehren unser langjähriges Vorstandsmitglied Benjamin Bloch sel.A. und erinnern damit an seinen Einsatz für die jüdische Gemeinschaft«, sagt der Vorstandvorsitzende der Gemeinde, Benjamin Graumann

 01.06.2026

Kommentar

Tote Juden stören nicht

Unsere Erinnerungskultur liebt Stolpersteine, aber stolpert nicht über den Antisemitismus vor der eigenen Haustür. Wie der Kampf gegen Judenhass am Nekrosemitismus scheitert

von Nelly Eliasberg  31.05.2026