Fünf Minuten mit

Roman Skoblo

Roman Skoblo ist im Kuratorium des Berliner Rabbinerseminars. Foto: Douglas Abuelo

Herr Skoblo, am Montag wurde betont, wie wichtig es ist, Rabbiner in Deutschland für deutsche Gemeinden auszubilden. Doch einer der beiden Absolventen geht nach Wien, haben wir keinen Bedarf mehr?
Natürlich haben wir Bedarf. Wir müssen bedenken, dass ein Mann mit solchen begnadeten Fähigkeiten wie Moshe Baumel sich sehr wohl überlegt hat, warum er nach Wien geht. Für seine Ausbildung ist die Leitung der Religionsschule in Wien ein weiterer Schritt in der Entwicklung einer wirklich ausgereiften Rabbinerpersönlichkeit, von der wir noch profitieren werden. Ich bedauere dennoch sein Weggehen. Ich weiß, wie wichtig es ist, dass die jüdischen Gemeinden in Deutschland eben keine aus Israel importierten Rabbiner haben, die nach drei oder fünf Jahren, wenn sie gerade mal warm mit der jüdischen Gemeinde geworden sind, wieder nach Israel gehen, auch wenn wir froh sind, dass sie uns halfen.

Rabbiner Baumel hat es ja selbst gesagt, »wir sind ein deutsches Gewächs und kennen die Gegebenheiten.«
Das ist auch wirklich wichtig. Für jemanden, der geistlich jüdische Betreuung jüdischer Menschen in den Gemeinden garantieren soll, ist es nötig, dass er es auch sehr lange machen will und auch lange erreichbar ist. Daher ist das Berliner Rabbinerseminar ein wichtiger Schritt in die richtige Richtung. Das ist ein Quantensprung gegenüber dem, was wir heute oft in den Gemeinden erleben.

Kommt der nicht ein bisschen spät?
Die erste Generation der Zuwanderer konnte so etwas noch nicht leisten. Wenn die Kinder der ersten der zweiten Einwanderergeneration Rabbiner werden, ist das zeitgerecht. Schließlich bedarf es einer Sozialisationsphase, einer Akkulturation, die die Menschen brauchen, um die soziale, politische und gesellschaftliche Situation zu erfassen.

Die Zuwanderung ist gestoppt, die 30- bis 50-Jährigen kommen den Gemeinden abhanden. Welchen Beitrag können die Rabbiner leisten, sie zu halten?
Einen großen. Denn in der Regel ist es doch so, dass die Jugendlichen die Eltern immer nachziehen. Das ist ein erfolgreiches Prinzip nach dem man in der Lage ist, Gemeinden aufzubauen.

Die Hochschule für jüdische Studien in Heidelberg sollte einst Rabbiner ausbilden. Wir haben verschiedene Ausbildungsstätten. Wäre eine Zentralisierung nicht sinnvoll?
Wir haben ja Vorbilder wie die Jeshiva University in New York. Eine Institution, die zwischen reform und orthodox Leistungen anzubieten hat. Ein solches Institut sollte in Berlin als geistiges und geistliches Zentrum des Judentums angesiedelt werden.

Dabei bleibt Heidelberg außen vor?
Im Gegenteil: Junge Menschen mit einem gefestigteren Glauben könnten erst ein Rabbinerseminar durchlaufen und sich dann in einer solchen Institution in eher säkularem, dennoch jüdischem Wissen weiterbilden. Und hier käme Heidelberg ins Spiel.

Erfurt

Jüdisch-Israelische Kulturtage in Thüringen eröffnet

Die diesjährigen Jüdisch-Israelischen Kulturtage bringen israelische Kultur nach Thüringen und setzen mit Konzerten, Lesungen und Debatten ein Zeichen gegen Antisemitismus. Die Eröffnung stand im Zeichen der aktuellen Kämpfe im Nahen Osten

 06.03.2026

Forschungsprojekt

Hochschule für Jüdische Studien will Schüler handlungsfähig machen

Antisemitischer Hass ist im Netz allgegenwärtig. Ein neues Projekt erforscht jetzt linken Judenhass - und befähigt Schüler, der Hetze entgegenzutreten. Entscheidend dabei: Medienkompetenz und historisches Wissen

von Volker Hasenauer  06.03.2026

Hamburg

Jüdische Zukunft an der Elbe

Debattieren, begegnen und einander stärken: Mehr als 400 junge Erwachsene setzten beim Jugendkongress ein Zeichen

von Joshua Schultheis, Mascha Malburg, Moritz Piehler  05.03.2026

Berlin

Jüdisches Krankenhaus sucht weiter nach neuem Träger

Das insolvente Jüdische Krankenhaus Berlin soll zunächst weiter in Eigenverwaltung saniert werden. Der Krankenhausbetrieb wird in dieser Zeit in vollem Umfang aufrechterhalten

 05.03.2026

Reaktionen

Zwischen Sorge und Hoffnung

Jüdinnen und Juden mit iranischen Wurzeln verfolgen intensiv die Nachrichten – sie bangen mit den Israelis und hoffen, eines Tages wieder in den Iran reisen zu können. Wir haben uns umgehört

von Katrin Richter, Christine Schmitt  04.03.2026

Thüringen

Doppelkonzert eröffnet Jüdisch-Israelische Kulturtage

Nach stornierten Flügen gelingt dem israelischen Sharon-Mansur-Trio aus Haifa doch noch die Anreise nach Deutschland. Jetzt starten die Jüdisch-Israelischen Kulturtage Thüringen gemeinsam mit israelischen und iranischen Künstlern

 04.03.2026

Daniel Grossmann

»Wir bleiben sichtbar«

Der Münchener Dirigent erhält die Wilhelm-Hausenstein-Ehrung

von Esther Martel  04.03.2026

München

Verbunden aus Überzeugung

Die IKG ehrte Personen, die sich für die jüdische Gemeinschaft einsetzen

von Esther Martel  04.03.2026

Bedrohung

»Abstrakte Gefährdungslage«

Wegen des Kriegs im Nahen Osten sind die jüdischen Gemeinden in Deutschland alarmiert. Zugleich geht der Zentralrat davon aus, dass der Kampf gegen die Mullahs langfristig Sicherheit schafft

von Helmut Kuhn  04.03.2026