Hamburg

Richtige Schritte

Gelenkig und durchtrainiert: Veronika (l.) und Diana Berlin aus Hamburg Foto: Gesche Cordes

Hamburg

Richtige Schritte

Die Schwestern Veronika und Diana tanzen seit ihrer Kindheit und treten nun bei der Jewro auf

von Christine Schmitt  04.04.2023 13:12 Uhr

Ein Spaziergang von 20.000 Schritten? »Locker«, sagen Veronika und Diana Berlin entspannt. Da würden sie nichts in ihren Beinen spüren, noch nicht einmal ein Ziehen. Keine Frage: Die beiden Schwestern sind fit und durchtrainiert.

Und das müssen sie auch sein, denn zusammen werden sie als zwei der insgesamt drei Haupttänzerinnen bei der Jewrovision im Mai für das Hamburger Jugendzentrum (Juze) Chasak auf der Bühne stehen. Pardon, tanzen. Und das alles mit einer nahezu perfekten Körperbeherrschung, die immer elegant und ästhetisch wirkt.

Performance In diesen Tagen treffen sie sich zu dritt, wann immer es passt, um sich von YouTube-Videos inspirieren zu lassen und gemeinsam eine Choreografie zu entwickeln. Sobald der Bewegungsablauf steht, wollen sie mit den Feinarbeiten beginnen und daran arbeiten, dass alles fließt und geschmeidig aussieht. Sonntags möchten sie im Juze Chasak trainieren – schließlich soll alles mit den anderen Tänzerinnen und Tänzern sowie Sängerinnen und Sängern abgestimmt werden, damit es eine perfekte Performance gibt.

»Es ist ein tolles Gefühl, im Rampenlicht zu stehen, auch wenn die Momente vor dem Auftritt sehr spannend sind. Aber dann hat man zwei Minuten und gibt in diesen alles. Und das ist immer wieder ein Erlebnis«, sagt Veronika.

Tanzen ist wie eine Sprache. Der Körper kann alles mitteilen.

Mit Tanzen kennen sich Diana (18) und Veronika (19) bestens aus, denn sie haben als Fünf- und Siebenjährige damit angefangen – und waren sofort begeistert. Auch Schwimmen, Fechten und Kinderturnen probierten sie aus – doch Tanzen »war und ist unser Ding«. Es sei wie eine Sprache, denn mit dem Körper könne man alles sagen. Mit ihrem Verein »Tanzbrücke Hamburg« haben sie unzählige Titel geholt, auch Deutsche Meister sind sie geworden.

»Tanzbrücke Hamburg« wurde vor 26 Jahren gegründet. Geleitet wird er von der Tanzpädagogin und Sportwissenschaftlerin Natalia Dergatcheva. Aus einer kleinen Tanzgruppe wurde eine Gemeinschaft, deren Motto lautet: »Brücken schlagen zwischen den verschiedenen Kulturen und Altersgruppen, Verständnis und Verständigung«.

Training »Wir haben uns immer gern bewegt. Ich mag die Kombination aus Bewegung und Ausdruck«, sagt Diana. Vor Wettbewerben sind sie oft sechsmal in der Woche beim Training. »Aber jetzt schaffe ich es wegen der Schule nicht mehr, so oft dabei zu sein.« In den nächsten Monaten möchte Diana am Joseph-Carlebach-Bildungshaus ihr Abitur ablegen.

Diana mag Modern Dance und Zeitgenössischen Tanz am meisten, denn da »bin ich viel freier und kann mehr ausdrücken als beim Ballett«. Aber auch der Modern Dance ist durchgestylt und muss geübt werden. »Tanzen ist immer eine Trainingssache«, sagt die 18-Jährige. Mittlerweile unterrichten die beiden auch. Diana trainiert die jüngeren Kinder, während Veronika die Elf- bis 15-Jährigen anleitet. Auch zu Hause machen sie Fitnessübungen. »Wir möchten aufpassen, dass wir beweglich bleiben.«

Mehrere Pokale haben sie bereits gewonnen, allerdings immer als Formation. »Die stehen in einer Glasvitrine im Verein«, sagt Veronika. Mittlerweile musste eine zweite Vitrine angeschafft werden, so viele Preise sind es geworden. Die Medaillen, die sie gewonnen haben und mit nach Hause nehmen konnten, liegen immer in einer Schublade. »Damit sie nicht verstauben«, sagt Diana lachend.

Titelverteidiger ist das Jugendzentrum Amichai aus Frankfurt.

Zum Juze Chasak ist Diana über ihre Schwester gekommen, denn die ist schon früher mit ihren Klassenkameraden regelmäßig ins Chasak gegangen. Und der jüngere Bruder möchte nun auch bei der Performance mitmachen. »Wir suchen noch das Richtige für ihn«, sagen die beiden Schwestern. Tanzen hat ihn bisher nicht so begeistert, er zieht Aikido vor. Sie seien alle gut in Form, ihre Muskeln und Bänder elastisch. Und in einer Sache sind sich die drei Geschwister einig: »Wir wollen gewinnen.«

Alltag Nach der Jewrovision wird der Alltag wieder beginnen: Diana will sich Gedanken über Zukunftspläne machen, und Veronika wird ihre Bachelorarbeit in Wirtschaftsrecht anfangen. »Aber Tanzen wird uns immer begleiten.«

Am 19. Mai findet die Jewrovision in der Festhalle Frankfurt statt. Der überregionale Gesangs- und Tanzwettbewerb der jüdischen Jugendzentren Deutschlands wird vom Zentralrat der Juden in Deutschland organisiert und ausgerichtet. Die Jewrovision ist in ein Mini-Machane eingebunden, das vom 18. bis zum 21. Mai stattfindet.
Jeder, der Mitglied eines jüdischen Jugendzentrums ist, zwischen zehn und 19 Jahre alt und jüdisch ist, kann teilnehmen. Die Performer sind verpflichtet, am Mini-Machane teilzunehmen.

Zwölf Jugendzentren, darunter auch ein Zusammenschluss der Jüdischen Jugend Baden, werden um den ersten Preis singen und tanzen.

Shelly Meyer

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