Machanot

»Religion könnte mehr im Vordergrund stehen«

Frau Steinhauer, Sie sind Jugendleiterin des Kölner Jugendzentrums »Jachad«. In Nordrhein-Westfalen beginnen jetzt die Ferien, und auch Jachad ist zur Zeit in der Sommerpause. Wie verbringen die jungen Gemeindemitglieder die Ferien?
In den Sommerferien nehmen viele unserer Jugendlichen die Angebote für Machanot der Zentralwohlfahrtsstelle der Juden in Deutschland (ZWST) in Anspruch. Mit dem zweiten Turnus der ZWST-Machanot fahre ich von Ende Juli bis Anfang August zum ersten Mal als Madricha bei den 16- bis 18-Jährigen mit. Früher habe ich die Jüngeren betreut. Es wäre auch spannend, vielleicht im nächsten Jahr mit nach Israel oder in die USA zu fahren, dorthin organisiert die ZWST neuerdings auch Reisen.

Sie begleiten Jugendliche seit mehreren Jahren auf Machanot. Was lässt sich Ihrer Meinung nach noch am Angebot verbessern?
Zuerst einmal möchte ich sagen, dass ich die jüdischen Ferienlager der ZWST wirklich gut finde und dass alle Madrichim immer ihr Bestes geben. Ich war als Kind im Sommer auch mit anderen Gruppen unterwegs, wie zum Beispiel Lauder und Bnei Akiva. Daher weiß ich, dass die Religion auch ruhig etwas mehr im Vordergrund stehen kann. Zusätzlich könnte man die Machanot von Jahr zu Jahr noch etwas abwechslungsreicher gestalten, damit diese Ferienlager für diejenigen Jugendlichen interessant bleiben, die jedes Jahr wiederkommen. Auch wenn die Machanot nicht perfekt sein mögen: Ich denke, sie sind ein unfassbar toller Ort der Begegnung für junge Juden.

Worauf legen Sie bei der Arbeit als Madricha besonderen Wert?
Ich bin schon seit einigen Jahren im Kölner Jugendzentrum Jachad aktiv. Die Madrichim haben mir damals durch schwierige Zeiten geholfen und wurden zu meinen Vorbildern. Nun möchte ich das an die jüdische Gemeinschaft zurückgeben und für die Jüngeren da sein. Dabei geht es mir erstens darum, ein Gefühl von Verbundenheit unter Juden zu vermitteln, denn es ist egal, wo man wohnt oder woher man kommt. Zweitens ist es mir wichtig, jüdische Werte weiterzugeben, denn dafür kommen die Chanichim auch auf die Machanot.

Sie beziehen sich auf jüdische Werte. Sind Sie selbst religiös?
Mittlerweile schon. Aufgewachsen bin ich mit wenig Religion. Mein Vater war Christ, daher feierten wir Weihnachten. Nach seinem Tod allerdings trat die Religion meiner Mutter mehr in den Vordergrund, und wir begannen, an Chanukka die Kerzen zu zünden. Mit der Zeit machte ich mich näher mit dem Judentum vertraut und begann, nur noch koscher zu essen und auch meine Familie davon zu überzeugen. Nun haben wir zu Hause eine koschere Küche.

Mit der Leiterin von Jachad in Köln sprach David Josef de Vries.

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