Gymnasium

Regionaler Vorentscheid

43 Jugendliche kamen in die vorletzte Runde – Höhepunkt des Wettbewerbs ist die Teilnahme am internationalen Tanach-Quiz am Jom Haazmaut in Israel. Foto: Lydia Bergida

Mehr als 40 Jugendliche aus ganz Deutschland und Wien wetteiferten am vergangenen Montag im Münchner Helene-Habermann-Gymnasium mit ihrem Wissen über den Tanach. Die 13- bis 18-jährigen jüdischen Teilnehmer des Wettbewerbs waren die Ersten, die an einem »Chidon HaTanach« im deutschsprachigen Raum teilnehmen konnten.

»In Israel ist Chidon HaTanach seit Jahren ein fester Begriff, die besten Kenner des Tanachs aus aller Welt kommen dort jährlich zum großen Wettstreit zusammen. Deutschland war bislang ein weißer Fleck auf der Landkarte des Wettstreits«, sagte Charlotte Knobloch, die Präsidentin der Israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern. Sie freue sich außerordentlich, dass sich dies »auf Betreiben der Europäischen Janusz Korczak Akademie und hier vor allem von Stanislav Skibinski und Eva Haller jetzt endlich geändert hat«. Es sei eine besondere Ehre, dass München Austragungsort des ersten nationalen Vorentscheids sein konnte.

wissen Stolz und glücklich war auch die Schulleiterin des Helene-Habermann-Gymnasiums, Miriam Geldmacher: »Es hat mich gefreut zu sehen, mit welchem Feuereifer die Jugendlichen teilgenommen haben. Und zu sehen, mit welcher Begeisterung sie sich mit Wissen auseinandergesetzt haben, das ist toll. In manchen anderen Fächern würde man sich das auch wünschen.«

Der Wettbewerb wurde 1958 zum zehnten Jahrestag der Staatsgründung Israels von David Ben Gurion ins Leben gerufen.

Der Wettbewerb, 1958 zum zehnten Jahrestag der Staatsgründung Israels von David Ben Gurion ins Leben gerufen, breitete sich im Lauf der Jahre in verschiedenen Staaten aus. Die Abschlussrunde findet seither stets in Israel statt. Einen vergleichbaren Wettbewerb im deutschsprachigen Raum hat es bislang nicht gegeben. In diesem Jahr wurde die Europäische Janusz Korczak Akademie von der Jewish Agency for Israel beauftragt, einen nationalen Wettbewerb durchzuführen.

tradition Für Stanislav Skibinski von der Jewish Agency hat das Projekt eine besondere Bedeutung: »Wir möchten es vor allem in Deutschland entwickeln, wo das jüdische Leben nach der Schoa bei Weitem noch nicht die gleiche Ebene erreicht hat wie zuvor. Jüdische Jugendliche spielen in der Frage, ob das jüdische Leben in Deutschland eine Zukunft hat, die größte Rolle.«

Dank des Wettbewerbs lernten sich Jugendliche untereinander kennen und setzten sich gemeinsam mit dem wichtigsten Werk jüdischer Tradition auseinander. »Das fördert Identitätsbewusstsein und sorgt für einen aktiveren Bezug zum Gemeindeleben«, sagte Skibinski.

In mehreren Städten Deutschlands und in Wien fanden lokale Wettbewerbsrunden an jüdischen Schulen und im jüdischen Religionsunterricht statt. Daran beteiligten sich rund 300 Jugendliche, von denen nun 43 in die vorletzte Runde kamen. Bereits am Sonntag trafen sie sich in München. Bei Workshops zu Themen wie Theater, Foto, Kunst, Parascha-Comics und einem Geocaching in der Innenstadt konnten sie sich kennenlernen. Schulleiterin Miriam Geldmacher war beeindruckt, wie die Jugendlichen nach nur einem Tag zu einer festen Gruppe geworden waren.

verantwortung Am Montagmorgen traf man sich dann im Jüdischen Gymnasium, wo die Jugendlichen ihr Wissen zum Tanach unter Beweis stellen mussten. Allgemeine Fragen und solche zu den verschiedenen Paraschot waren zu beantworten. Ein Beispiel: »Welcher von den zwölf Söhnen Jaakows hat am meisten Verantwortung für seine Verwandten übernommen, und wie hieß dieser Verwandte?«

Die Gewinner der regionalen Wettbewerbe können in Israel an einem Tanach-Camp teilnehmen.

Eine Jury, der unter anderem aus der Münchner IKG deren Präsidentin Charlotte Knobloch sowie Gemeinderabbiner Shmuel Aharon Brodman, der Landesrabbiner von Sachsen und Militärbundesrabbiner Zsolt Balla, Unternehmer und Förderer Harry Habermann und die jüdischen Religionslehrerinnen und -lehrer Sara Bergauz, Chani Diskin und German Djanatliev, EJKA-Präsidentin Eva Haller, die Professoren Viktor Golinets und Awi Blumenfeld angehörten, hatte die Qual der Entscheidung.

Insgesamt 59 Punkte konnten erreicht werden. Mit 46 Punkten war die jüngste Teilnehmerin strahlende Siegerin. Ihre Familie stammt aus Shanghai. Bei der Siegerehrung freute sich IKG-Präsidentin Charlotte Knobloch mit ihr, die gemeinsam mit der Dritten Bürgermeisterin Verena Dietl in Vertretung von Oberbürgermeister Dieter Reiter die Urkunden überreichte. Auch die Münchner Jugendlichen schnitten gut ab. Ein Mädchen aus dem Helene-Habermann-Gymnasium kam auf den zweiten Platz.

jom HAAZMAUT Die Gewinner der regionalen Wettbewerbe erhalten die Möglichkeit, nach Israel zu reisen und dort zwei unvergessliche Wochen in einem Tanach-Camp zu verbringen – sofern Corona dies erlaubt. Der Aufenthalt findet seinen Höhepunkt in der Teilnahme am internationalen Tanach-Quiz, das jährlich am Jom Haazmaut in Anwesenheit des israelischen Premierministers, des Bildungsministers und anderer wichtiger Akteure des politischen und religiösen Lebens stattfindet.

IKG-Präsidentin Charlotte Knobloch gratulierte den Preisträgern, die Deutschland beim internationalen Chidon HaTanach in Israel vertreten werden: »Und ich danke allen, die teilgenommen und sich für diesen Wettstreit engagiert haben: Wer jüdische Gelehrsamkeit so fantastisch vorlebt, der ist auf jeden Fall ein Gewinner.«

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