KZ-Gedenkstätte

Proteste von Anwohnern

Die steigenden Besucherzahlen in der Gedenkstätte führen nicht nur zu Warteschlangen beim öffentlichen Nahverkehr, sondern auch zu Protesten der Anwohner. Foto: Jerome Lombard

Die KZ-Gedenkstätte Sachsenhausen muss sich wegen der steigenden Besucherzahlen mit Anwohnerprotesten auseinandersetzen.

Die Forderungen der kürzlich in Oranienburg gegründeten »Anwohnerinitiative Gedenkstätte Sachsenhausen – Gedenken im Einklang mit dem Leben« würden mit Beunruhigung zur Kenntnis genommen, erklärte das Internationale Sachsenhausen-Komitee am Donnerstag in Amsterdam. Die von der Initiative vorgeschlagene Verlegung des Zugangs zur Gedenkstätte sei inakzeptabel, hieß es: »Geschichte kann nicht umgeschrieben werden.«

Zugang Das Konzept der Gedenkstätte, dem die internationalen Häftlingsverbände zugestimmt haben, folge dem historischen Weg der Häftlinge, betonte das Sachsenhausen-Komitee. Der Zugang zum Konzentrationslager Sachsenhausen sei durch die Gefangenen des Naziregimes »über diese Straßen oftmals unter schweren Misshandlungen und unter den Augen der damaligen Anwohner begangen worden«.

Eine Verhandlung darüber sei für das Internationale Sachsenhausen-Komitee tabu. In Sachsenhausen waren zwischen 1936 und 1945 mehr als 200.000 Menschen inhaftiert, Zehntausende starben in dem KZ.

»Wir verstehen, dass eine Besucheranzahl von mehr als 700.000 vorwiegend internationalen Gästen als eine zusätzliche Belastung für die Wohngegend empfunden wird und dass nach Lösungen gesucht wird, die damit verbundenen Begleiterscheinungen zu ändern«, heißt es in der Erklärung des Sachsenhausen-Komitees weiter.

Solche Lösungen fänden sich jedoch bereits in den Vorschlägen der Stiftung Brandenburgische Gedenkstätten für einen Einbahnstraßen-Ringbusverkehr, die seit Langem überfällige Asphaltierung der Straße und die Erweiterung des Parkplatzes.

Busse Luftverschmutzung und Lärmbelästigung könnten zudem durch mit Biogas oder Strom betriebene Busse auf ein Minimum reduziert werden, hieß es weiter. Unabhängig davon müsse die Busverbindung zwischen Bahnhof und Gedenkstätte dringend verbessert werden. Die Linienbusse fahren bisher teils stündlich, teils alle zwei Stunden und sind mitunter stark überfüllt.

Die Anwohnerinitiative kritisiert Berichten lokaler Medien zufolge unter anderem, dass Besucher der Gedenkstätte Müll in ihre Vorgärten werfen und ihre Häuser fotografieren. Die Erschütterungen durch die Fahrten der Linien- und Reisebusse zur Gedenkstätte hätten zudem bereits zu Schäden an den Häusern geführt, hieß es. Die Anwohner des Parkplatzes würden zudem durch stundenlang laufende Motoren belästigt. epd

Kommentar

Lieber Meron Mendel, das ist keine Politik mit Kettensäge. Das nennt man Demokratie!

Öffentliche Mittel sind an Wirkung gebunden. Maßnahmen müssen überprüfbare Ergebnisse erzielen. Bleibt diese Wirkung aus, endet ihre Legitimation

von Stefan Hensel  27.03.2026

Beziehung

Von Menschen und Wölfen

Laura Goldfarb ist vieles: Therapeutin, Schauspielerin – und Autorin. Mit ihrem Mann hat sie einen Paar-Ratgeber geschrieben, der anders ist als andere. Zu Besuch im Prenzlauer Berg

von Bettina Piper  26.03.2026

Rede

Zentralrat der Juden verteidigt Karin Prien

In Erfurt sprach Josef Schuster über den Status quo Jüdischen Lebens in der Bundesrepublik. Dabei ging Schuster auch auf das Programm »Demokratie leben« und die Kritik an die Familienministerin ein

 25.03.2026

Programm

Ferienprogramm, Retrospektive und ein Rache-Musical: Termine und TV-Tipps

Termine und Tipps für den Zeitraum vom 26. März bis zum 2. April

 25.03.2026

Turnier

Fliegende Kippot

Die Halle war voll, der Spaß groß: Zum ersten Mal trafen zwölf jüdische Teams beim Berlin Jewish Football Cup in Spandau aufeinander

von Pascal Beck  24.03.2026

Sachsen

Rund 1000 Veranstaltungen zum »Jahr der jüdischen Kultur«

Unter dem Titel »Tacheles« steht in Sachsen 2026 das jüdische Leben im Mittelpunkt. Zahlreiche Akteure beteiligten sich. Das Programm wächst noch immer

von Katharina Rögner  24.03.2026

Rothenburg

Unter dem Pflaster

Als im vergangenen Sommer bei Grabungsarbeiten die Fundamente einer Synagoge entdeckt wurden, war das eine Sensation. Messungen zeigen nun: Sie war eine der großen

von Marc Peschke  23.03.2026

Kulturprogramm

Von Spezialitäten und Zumutungen

Der Schriftsteller Dmitrij Kapitelman las im Jüdischen Gemeindezentrum aus seinem jüngsten Buch

von Nora Niemann  23.03.2026

Neukölln

Rechts und links der Sonnenallee

Ein Stadtspaziergang führt auf jüdischen Spuren durch den ehemaligen Arbeiterbezirk

von Pascal Beck  23.03.2026