München

Projekt mit Symbolwirkung

Grundsteinlegung mit IKG-Präsidentin Charlotte Knobloch (r.)

Eine Feier mit vielen Gästen, die dem Anlass auch angemessen gewesen wäre, haben die Beschränkungen durch die Corona-Pandemie nicht zugelassen. So fand die Grundsteinlegung für die neue Seniorenresidenz der Israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern im Prinz-Eugen-Park im Stadtteil Bogenhausen nur im kleinen Kreis statt. An der Bedeutung, die das Projekt für die jüdische Gemeinde hat, änderte sich dadurch aber nichts.

Zu den wenigen Teilnehmern der Grundsteinlegung gehörten Brigita Zaidman und ihre drei Töchter. Sie und ihr Familienname standen bei der Feier nicht zufällig im Mittelpunkt. Warum das so ist, brachte IKG-Präsidentin Charlotte Knob­loch in ihrer Rede zum Ausdruck. Direkt an die Familie gerichtet, sagte sie: »Wir fühlen uns geehrt, dass die Gemeinde die neue Seniorenresidenz mit dem Namen Ihrer Familie schmücken darf. Die Benennung ist Ausdruck der großen Dankbarkeit für die umfangreiche Unterstützung, die Ihre Familie für dieses Projekt geleistet hat.«

namensgebung Die Namensgebung ist den Worten der IKG-Präsidentin zufolge mit einem Wunsch verbunden. Er beinhalte, das Gute weiterzutragen, das die Familie bewirkt habe, betonte Charlotte Knobloch. Dieser Wunsch ist nicht zuletzt im Sinne der Zaidmans, denen es am Herzen liegt, dass der Name für künftige Generationen ein Begriff bleibt – so wie insbesondere Ghini Zaidman als Familienoberhaupt untrennbar für eine solche Erinnerungskultur steht.

Die Seniorenresidenz soll ein modernes Zentrum für Pflege und Betreutes Wohnen werden.

Der im Jahr 2011 verstorbene Schoa-Überlebende galt als Vorbild für Hilfsbereitschaft und Großzügigkeit. In einem Nachruf hatte Charlotte Knobloch insbesondere Ghini Zaidmans auf Glauben basierende Nächstenliebe hervorgehoben und den Verstorbenen als einen in jeder Hinsicht liebenswerten Menschen bezeichnet. »Was immer Ghini anpackte«, erinnerte sie an ihn, »er tat es mit ganzem Herzen, mit vollem Engagement, absoluter Begeisterung, Weisheit und Talent. Er hat nicht lange gefragt, sondern geholfen, wem, wo, wann und wie es ihm möglich war.«

Zu den coronabedingt wenigen geladenen Gästen gehörte die frühere Landtagspräsidentin Barbara Stamm, die heute Präsidentin der Bayerischen Landesstiftung ist. Ohne ihre persönliche Unterstützung und die der Landestiftung hätte ein Projekt in dieser Größenordnung nicht realisiert werden können, hielt die IKG-Präsidentin bei der Grundsteinlegung fest.

Ihre Worte machten zudem deutlich, dass an der Umsetzung des Projekts viele helfende Hände beteiligt sind. Knoblochs Dank richtete sich an den Freistaat Bayern, an die Stadt München und den Bezirksausschuss Bogenhausen, aber auch an die gemeindeinternen Unterstützer: die Vizepräsidenten Yehoshua Chmiel und Ariel Kligman, Vorstandsmitglied Vera Szackamer und Geschäftsführer Steven Guttmann. Sie hätten sich besonders intensiv mit dem Projekt der neuen Seniorenresidenz beschäftigt.

architektin Auf keinen Fall fehlen durfte bei der Grundsteinlegung Rena Wandel-Hoefer. Sie ist die Architektin und betreut in Zusammenarbeit mit dem Büro CL MAP den Bau der Residenz. In der Gemeinde ist sie ein bereits bekanntes Gesicht. Rena Wandel-Hoefer hatte auch den Bau des Gemeindezentrums am Jakobsplatz professionell betreut und begleitet.

Wohl auch mit Blick auf das Gemeindezentrum im Herzen der Stadt ging Charlotte Knobloch bei der Grundsteinlegung auf die Symbolwirkung ein, die mit der Realisierung der Seniorenresidenz verbunden ist: »Der Bau steht auch für eine Präsenz des jüdischen Lebens in unserer Heimatstadt München und dafür, dass wir als jüdische Gemeinde hier unsere Heimat sehen – auf Dauer.«

Auch eine eigene Synagoge gehört zu dem Komplex.

Gerade jetzt, da jüdisches Leben wieder stärker infrage gestellt und auch bedroht werde, sei ein derart deutliches Zeichen besonders wertvoll. In ihrer Rede wies die IKG-Präsidentin auch auf die grundlegende Ausrichtung der Seniorenresidenz hin, die als Ort der Begegnung für das ganze Stadtviertel gedacht sei. Jüdische und nichtjüdische Bewohner unter einem Dach zusammenzubringen, sei für die Gemeinde ein selbstverständlicher Akt.

ansprüche Hoffnungsvoll blickt auch Jürgen Salzhuber, Vorsitzender des Kreisverbandes der Arbeiterwohlfahrt München-Stadt, auf die Entstehung der Seniorenresidenz. Die AWO betreibt bereits das bestehende Saul-Eisenberg-Seniorenheim der IKG, das aber nicht mehr den modernsten Ansprüchen gerecht wird.

Die Zaidman-Seniorenresidenz soll dagegen ein hochmodernes Zentrum für Pflege und Betreutes Wohnen werden. Das Haus wird 108 Pflegeplätze, 28 Wohnungen und 19 Plätze in der Tagespflege für jüdische und nichtjüdische Bewohner bieten. Auch eine eigene Synagoge gehört zu dem Komplex. Schon Anfang 2023 soll das Gebäude bezugsfertig sein.

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