Das Interesse an Gedenkstätten, die an die Zeit des Nationalsozialismus erinnern, hält an. Viele von ihnen verzeichneten im vergangenen Jahr konstante oder steigende Besuchszahlen im Vergleich zum Vorjahr, wie eine Umfrage des Evangelischen Pressediensts (epd) ergab. In einigen Gedenkstätten gingen die Zahlen jedoch zurück. Zugleich berichteten viele Gedenkorte von mehr politisch motivierten Vorfällen.
Mithilfe eines automatischen Zählsystems hat die KZ-Gedenkstätte Dachau erstmals ihre Besuchszahlen genau erfasst. Demnach haben im Jahr 2025 exakt 1.013.203 Menschen die Gedenkstätte besucht. Für 2024 hatte Dachau diese Zahl mit »mehr als 900.000« angegeben.
In Brandenburg blieben die Besuchszahlen der Gedenkstätte Sachsenhausen mit rund 500.000 gleich, die Mahn- und Gedenkstätte Ravensbrück verzeichnete mit 74.000 Besuchen ein Plus von 1,4 Prozent.
Konstant blieben die Besuchszahlen auch in den beiden großen Thüringer Gedenkstätten Buchenwald und Mittelbau-Dora. Wie die Stiftung Gedenkstätten Buchenwald und Mittelbau-Dora mitteilte, besuchten rund 350.000 Menschen Buchenwald und etwa 50.000 die KZ-Gedenkstätte Mittelbau-Dora.
Nahezu konstant blieben die Zahlen der Stiftung Denkmal für die ermordeten Juden Europas
Die meisten Berliner Gedenkstätten zählten hingegen weniger Besucher als im Vorjahr. Im Dokumentationszentrum Topographie des Terrors waren es den Angaben zufolge mit rund 1,575 Millionen Besuchern etwa drei Prozent weniger. Auch die Stiftung Gedenkstätte Deutscher Widerstand zählte 2025 rückläufige Besuchszahlen. In den vier Einrichtungen wurden insgesamt 191.052 Personen gezählt (Vorjahr: 211.912).
Nahezu konstant blieben die Zahlen der Stiftung Denkmal für die ermordeten Juden Europas. Sie zählte in der Ausstellung im »Ort der Information« unter dem Stelenfeld des Holocaust-Mahnmals 309.800 Besucherinnen und Besucher (minus 150). Im Stelenfeld selbst werden keine Besucherzahlen ermittelt.
Bei Einträgen in den Gästebüchern in Flossenbürg wurde nach den Worten des Sprechers der Gedenkstätte sowohl eine quantitative als auch eine qualitative Zunahme an Beiträgen festgestellt, »die sich im Grenzbereich zwischen antisemitischen und israelfeindlichen Inhalten befinden«. Dazu gehörten etwa Vergleiche zwischen der Situation der Bevölkerung in Gaza und der Situation der KZ-Häftlinge.
Zunahme politisch motivierter Vorfälle
Auch die Stiftung Gedenkstätten Buchenwald und Mittelbau-Dora verzeichnete eine Zunahme politisch motivierter Vorfälle. Während bis etwa 2020 im Durchschnitt alle vier Wochen ein Vorfall bei der Polizei angezeigt wurde, sei inzwischen nahezu wöchentlich eine Anzeige erforderlich, sagte ein Stiftungssprecher. Das Spektrum der Vorfälle reichte von E-Mails mit Todesdrohungen, über Hitlergrüße und das widerrechtliche Befahren des Buchenwalder Mahnmals mit Motocross-Motorrädern bis hin zu rechtsextremen Schmierereien am Ehrenfriedhof in Nordhausen.
Die Mahn- und Gedenkstätte Ravensbrück teilte mit, sie nehme »deutliche atmosphärische Veränderungen« in der Gruppenbetreuung wahr. »Jugendliche mit rechten Orientierungen zeigen deutlicher, dass sie den Gedenkstättenbesuch als Zumutung begreifen«, hieß es, mitunter würden rechte Parolen geäußert. epd