Jüdische Gemeinde zu Berlin

Nach der Wahl

Am 20. Dezember war in der Jüdischen Gemeinde zu Berlin gewählt worden. Foto: Mike Minehan

Die Wahl in der Jüdischen Gemeinde zu Berlin vom 20. Dezember wird angefochten. Das bestätigte der Spitzenkandidat des oppositionellen Wahlbündnisses Emet (deutsch: Wahrheit), Sergey Lagodinsky, am Montag der RBB-Abendschau. Die Anfechtung gelte sowohl für das Wahlverfahren als auch für die Auszählungsergebnisse, sagte Lagodinsky. Zur Begründung sagte der Jurist, die Chancengleichheit der Oppositionskandidaten sei bei der Wahl »massiv verletzt« worden.

Die Einspruchsfrist beim Schiedsausschuss der Gemeinde endete am Montag. Den Einspruch legten vier der Emet-Wahlkandidaten ein. »Nunmehr hoffen wir auf eine Klärung der Lage mit rechtlichen Mitteln«, sagte Lagodinsky der Jüdischen Allgemeinen.

schritt Es sei eine »Abwägungsentscheidung« gewesen, die Lagodinsky mit einer »politischen und rechtlichen Dimension« begründet. »Wir haben die Woche genutzt, um alle Fakten auf rechtliche Stichhaltigkeit zu überprüfen und mit vielen Gemeindemitgliedern zu reden«, sagte der Emet-Spitzenkandidat. Das Ergebnis habe die Opposition schließlich darin bestärkt, den Schritt der Wahlanfechtung zu gehen.

Laut offiziellem Wahlergebnis hatte die Wahlliste Koach (deutsch: Stärke) des Gemeindevorsitzenden Gideon Joffe mit 13 Mandaten die Mehrheit der Sitze in der Repräsentantenversammlung der Jüdischen Gemeinde erhalten. Emet kam auf acht Sitze. Um die 21 Sitze im Parlament der etwa 10.000 Mitglieder starken Gemeinde hatten sich insgesamt 40 Kandidaten beworben.

Bereits am Wahlabend hatten Emet-Mitglieder von möglichen Manipulationen gesprochen, weil es erhebliche Unterschiede zwischen dem Ergebnis der Urnen- und der Briefwahl gegeben habe. Während bei der Urnenwahl rund zwei Drittel der Wähler für die Emet-Kandidaten gestimmt hätten, habe Koach bei der Briefwahl fast 80 Prozent der Stimmen erhalten. Die Vorwürfe wurden vom Wahlleiter und dem Gemeindevorstand als unbegründet zurückgewiesen.

stimmzettel Es habe 16 Wahlurnen gegeben, und bei jeder von ihnen seien die eingeworfenen Stimmzettel öffentlich ausgezählt worden, hieß es in einer Mitteilung nach der Wahl. Die Wahlurne, an der im Wahlbüro schon vorab Stimmen abgegeben werden konnten, sei ordnungsgemäß versiegelt gewesen und ebenfalls öffentlich ausgezählt worden – und zwar in dem Wahllokal, das mit der Auszählung seiner Stimmen zuerst fertig wurde.

Joffe teilte mit, es sei traurig, dass die Opposition ihre Niederlage nicht eingestehen wolle und »mit haltlosen Manipulationsvorwürfen« um sich werfe. epd/ja

Programm

Hawdala, ein rotes Sofa und das Geheimnis der Königin: Termine und TV-Tipps

Termine und Tipps für den Zeitraum vom 16. April bis zum 23. April

 15.04.2026

München

»Die Stimmung ging sofort in Richtung Aufbruch«

Grigori Dratva über einen Anschlag auf das Restaurant »Eclipse Grillbar«, Solidarität und den Blick nach vorn

von Luis Gruhler  15.04.2026

Erinnerung

Blockiertes Gedenken

Wie sich in einer kleinen Stadt in Niedersachsen bei der Planung eines Benefizkonzerts für Terroropfer in Israel die Menschlichkeit durchsetzte

von Sophie Albers Ben Chamo  14.04.2026

Jom Haschoa

Narbe gegen das Vergessen

Wir, die Nachkommen der Zeitzeugen und der Ermordeten, dürfen das Leid unserer Großeltern nicht verstecken – wir müssen dafür sorgen, dass es unseren Kindern erspart bleibt

von Eugene Korsunsky  14.04.2026

Israel

Zeit, Zionist zu sein!

Fünf Gründe, den jüdischen Staat zu lieben – mit all seinen Stärken und Schwächen

von Daniel Neumann  13.04.2026

Gedenken

Zwischenrufe bei Weimer-Rede in Buchenwald

Schon im Vorfeld hatte es Kritik am Auftritt des Kulturstaatsministers beim Buchenwald-Gedenken gegeben. Auch vor Ort gab es Gegenwind. Das sagt Weimer selbst dazu

 13.04.2026

Gedenken

»Für mich steht sein ›Hochverrat‹ heute als das höchste Zeugnis von Treue zur Menschlichkeit«

Hape Kerkeling sprach anlässlich des 81. Jahrestages der Befreiung des KZ Buchenwald über seinen Großvater Hermann, der dort fast drei Jahre inhaftiert war. Wir dokumentieren seine Rede

 13.04.2026

Berlin

Trauer um Rabbiner Avraham Golovacheov

Der Rabbiner der Jüdischen Gemeinde Chabad Berlin ist am Montag nach schwerer Krankheit gestorben. Vor 18 Jahren war er als Chabad-Gesandter in die deutsche Hauptstadt gekommen

 07.04.2026

Porträt der Woche

Ich bin dankbar

Svitlana Petrovska überlebte die Nazis – und floh vor Putins Krieg nach Berlin

von Rob Savelberg  06.04.2026