Weimar

Musikalische Fundgrube

Bereits im vorigen Jahr ging das Pandemie-Sicherheitskonzept beim Yiddish Summer auf, hier die Klarinettistin Susi Evans und die Akkordeonistin Szilvia Csaranko 2020. Foto: picture alliance/dpa/dpa-Zentralbild

Der 21. Yiddish Summer findet statt. Diese Nachricht um den künstlerischen Leiter Alan Bern und den Kurator Andreas Schmitges war zwar erwartbar, aber angesichts der Corona-Mutationen nicht sicher.

Erwartbar, weil das Management, das überwiegend aus Künstlerinnen und Künstlern besteht, es bereits im vorigen Jahr, als die Corona-Pandemie die Organisationen innerhalb kürzester Zeit zum Umplanen nötigte, innerhalb weniger Wochen schaffte, den Yiddish Summer auf AHA-Regeln umzustellen, und es dann auch in diesem Jahr vermögen sollte, mit vergleichsweise großem Vorlauf das Festival auf die Beine zu stellen.

konkurrenz »Wir kommen aus verschiedenen Ecken der Welt, erleben uns nicht als Konkurrenz, sondern unterstützend«, sagt Leiter Alan Bern. »Das klingt romantisch und mag es vielleicht auch sein. Vor allem aber ist es überlebensnotwendig in diesen Zeiten.«

Und weil neue Wege gesucht werden, findet die Eröffnung in diesem Jahr am 25. Juli auf der Bundesgartenschau (Buga) in Erfurt statt. »Die Buga bietet uns den perfekten Auftakt für einen Yiddish Summer Weimar, der schon längst nicht mehr nur in Weimar gefeiert wird, sondern in ganz Thüringen«, erklärt Kurator Andreas Schmitges.

Von Mitte Juli bis zum 21. August finden Konzerte, Workshops und Schnupperangebote unter anderem in Weimar, Eisenach, Erfurt und Altenburg statt. Wie schon in den vergangenen Jahren soll es Sprach- und Musikarbeitsgruppen geben. Auch eine Festivalwoche ist geplant, in der Kurse angeboten werden, die professionelle Künstler und Laien zusammenführen.

Der russisch-jüdische Musikethnografen Susman Kiselgof wurde 1878 geboren.

Das Rahmenthema des internationalen Festivals 2021 gründet auf einer sensationellen Entdeckung: Vor Kurzem wurden 850 Seiten eines Manuskripts des Musikethnografen Susman Kiselgof öffentlich gemacht. Kiselgof war ein russisch-jüdischer Autodidakt, der 1878 geboren wurde und unter anderem Chorleiter des neu gegründeten jüdischen Theaterstudios in Petrograd sowie Schulleiter war.

»Er war ein wichtiger Volksliedsammler des russischen Reiches«, erklärt Jascha Nemtsov, der an der Liszt-Hochschule in Weimar den Lehrstuhl für jüdische Musik innehat und bereits über Kiselgof geschrieben hat.

Aufbereitung In dem gefundenen Manuskript sind mehr als 1000 bislang größtenteils unbekannte Klezmer-Melodien enthalten, die nun wissenschaftlich und künstlerisch während des Yiddish Summer Weimar aufbereitet werden.

»Die Entdeckung dieses Materials ist eine fast revolutionäre Bereicherung für die internationale Szene jüdischer Musik, und wir werden Neues daraus schaffen«, sagt Alan Bern. Das Festival in Thüringen wird einer der ersten Orte dafür sein. »Das zeigt, welchen Stellenwert der Yiddish Summer Weimar inzwischen bekommen hat«, freut sich Bern.

Da die Künstlerinnen und Künstler während der Pandemie so gut wie nicht miteinander kommunizieren oder sich ihrem Publikum vorstellen können, will die in Weimar von den Machern des Yiddish Summer geschaffene »Other Music Academy« (OMA) eine Vermittlungsplattform für sie und ihre internationalen Projekte im Bereich der jiddischen und jüdischen Kultur schaffen.

Vermittlung Diese Vermittlungsplattform geht am 10. März online. Hier sollen die Projekte und Formate der internationalen Kulturszene vorgestellt werden – gemeinsam mit Partnern aus aller Welt. Dazu zählen die Hochschule für Musik in Weimar, die Universität Haifa, das Maison de la Culture Yiddish in Paris, das YIVO in New York, das Jüdische Museum Berlin, das Yiddish New York, das KlezKanada und das Londoner Jewish Institute. Mit dieser Plattform will OMAworks sich um Tourneen, Veranstaltungen und Events kümmern.

Der Yiddish Summer, der aus einem Musik-Workshop 1999 hervorgegangen ist, bietet trotz allem auch in diesem Jahr wieder eine Veranstaltungspremiere. Stärker als bisher sollen junge Menschen angesprochen werden – unter anderem mit zwei zehntägigen Jugendcamps für Jugendliche und junge Erwachsene zwischen 13 und 30 Jahren. Das Versprechen der Organisatoren für dieses Jahr ist groß: »Wir konzipieren einen YSW, der uns trotz der globalen Pandemie zusammenbringt und dennoch verantwortungsvoll Ideen umsetzt«, versichert Andreas Schmitges.

Der Yiddish Summer Weimar ist eines der drei jüdischen und jiddischen Festivals in Thüringen, die jedes Jahr stattfinden und das inzwischen Tausende Anhänger gefunden hat.

yiddishsummer.eu/de/

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