Austausch

Mit Biss

Im ganzen Raum duftet es. 20 Jugendliche stehen um eine Küchenzeile. Sie tänzeln leicht auf der Stelle und singen laut zu israelischen und deutschen Popsongs, die im Hintergrund für Stimmung sorgen. Die Musik ist aber nur Nebensache. Im Vordergrund steht das gemeinsame Kochen. Zunächst wird Challa zubereitet, der traditionelle jüdische Hefezopf, wie Rinat Avigur stolz erzählt. Avigur betreut die Jungköche zusammen mit dem kulinarischen Berater Itay Novik.

In diesem Moment formen die Jugendlichen dicke Rollen aus Teig, um die Stränge anschließend zu Zöpfen zu flechten. Dazu gibt es Kibbe, gefüllte Grießknödel. Allerdings werden die Grießknödel an diesem Tag nicht – wie sonst üblich – frittiert, sondern in Borschtsch gekocht. »So bringen wir traditionelles Essen aus Nordafrika mit dem ukrainischen Borschtsch zusammen«, sagt Avigur.

WORKSHOP Das Event war Teil eines dreitägigen Seminars des deutsch-israelischen Jugendaustauschs von ConAct und der Israel Youth Exchange Authority. Gemeinsam kochten die Jugendlichen aus dem Rezeptbuch A Biss of Culture – A Taste of German-Israeli Youth Exchange, das Ergebnis aus einem Workshop, in dem Jugendliche Projekte für die Zukunft des Austausches erarbeitet hatten.

Arbeitsgruppen zu verschiedenen Themen hatten jeweils ein Projekt vorgestellt – darunter die Gruppe Diversität.

Arbeitsgruppen zu verschiedenen Themen hatten jeweils ein Projekt vorgestellt – darunter die Gruppe Diversität. »Wir haben uns überlegt, wie wir Kulturen miteinander verbinden können, was eine Gemeinsamkeit verschiedener Kulturen sein könnte«, erzählt Henry. Essen biete eine gute Möglichkeit, eine andere Kultur vorzustellen, so Adi.

Henry und Adi haben zusammen mit Sophie das Kochbuch initiiert. Alle drei haben bereits am deutsch-israelischen Austausch teilgenommen und unterschiedliche Erfahrungen gemacht. Was sie aber alle mit nach Hause genommen haben, sei das Essen, so die drei. Es erinnere sie an die Erfahrungen, die sie beim Austausch gemacht haben.

VIELFALT Essen präsentiere zudem »die Vielfalt, die kulturellen Hintergründe und Geschichten« eines Landes, sagt Avigur. Bei der Planung des Kochbuchs sei es ihnen wichtig gewesen, als »typisch deutsches« Essen nicht nur Kartoffeln oder eben Falafel und Hummus für Israel anzubieten, so auch Adi. Es ginge vielmehr darum, die Dynamiken und die mit ihnen verbundenen Entwicklungen des jeweiligen Landes darzustellen, zu zeigen, dass Kultur nicht statisch ist. Als deutsches Rezept wird deshalb etwa die türkische Nachspeise Künefe vorgestellt.

Darüber hinaus war es den Initiatoren des Kochbuchs wichtig, dass jedes Gericht eine persönliche Geschichte erzählt. Das Rezept für den Kartoffelsalat etwa gab es traditionell bei Henrys Familie zu Weihnachten. Jedes Rezept ist deshalb mit einem kurzen Text verbunden. Davita isst ihre Schakschuka, wenn sie mit ihren Freunden Israel erkundet und im Freien schläft, wie es zu Beginn ihres Rezepts zu lesen ist. Die Schakschuka werde am Vorabend des Ausflugs vorbereitet und mit auf die Reise genommen, wo sie dann gemeinsam mit Freunden aus der Pfanne gelöffelt wird.

»Kochen ist die Methode, Menschen zusammenzubringen«, betont Avigur. Wenn viele miteinander kochen, schmecke es besser. Im Prozess müsse man aber Kompromisse finden. »Zwei Juden, zehn Meinungen«, sagt sie lachend. Dadurch käme man ins Gespräch. »Es war sehr schön zu sehen, dass einige, die ein Gericht schon kannten, den anderen gezeigt haben, wie es geht.«

gesprächsthemen Die Rezepte sollen Menschen dazu einladen, miteinander zu kochen und in den Austausch zu kommen. Für mögliche Gesprächsthemen rund ums Essen ist zusätzlich gesorgt. In der Kategorie »Ein Biss extra« sind zu jedem Gericht kleinere Spiele oder Fragen beigefügt, über die sich die Köche und Gäste zusätzlich kennenlernen können.

Bei der Berliner Kartoffelsuppe von Antonia wird beispielsweise danach gefragt, wo die Großeltern herkommen und was das berühmteste Gericht dieser Gegend ist. Bei den Chraime von Leeor, die es bei seiner Familie an Rosch Haschana und Pessach gibt, wird wiederum gefragt, welche Gerichte bei einem selbst an Festtagen serviert werden – und warum.

Für 80 Gäste bereiteten die Jugendlichen ein Drei-Gänge-Menü vor.

Nach einem gemeinsamen Mittagessen geht es auch direkt weiter am Herd. Das Abendessen muss vorbereitet werden. Am Abend soll das Kochbuch offiziell vorgestellt werden.

MALABI Für 80 Gäste bereiten sie ein Drei-Gänge-Menü vor. Allesamt selbstverständlich Rezepte aus A Biss of Culture. Für alle ist es das erste Mal, dass sie für so viele Menschen kochen. Zur Vorspeise soll es Kartoffelsuppe sein. Als Hauptspeise wird Chraime mit Spätzle und Challa serviert. Abgerundet wird das Menü im dritten Gang mit Malabi.

Der israelische Botschafter in Deutschland, Ron Prosor, empfiehlt im Vorwort zum Kochbuch für den Abend zwar Hühnersuppe zur Vorspeise, Schakschuka als Hauptgang und Marmeladen-Donuts zum Nachtisch. Zusammen mit Fachkräften des deutsch-israelischen Austausches und Margit Gottstein, Staatssekretärin im Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, darf Prosor an diesem Tag trotzdem in den Genuss des deutsch-israelischen Menüs kommen. Beteʼavon. Guten Appetit.

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