Neuharlingersiel

Lernen und Gedenken

Von Donnerstag bis Sonntag trafen sich die Limmudniks in Neuharlingersiel. Foto: Andreas Burmann

In Neuharlingersiel ist am Sonntagabend das neunte Limmud-Festival zu Ende gegangen. Dass die viertägige Veranstaltung, die am Jom Haschoa begonnen hatte, am 8. Mai, dem Tag der Befreiung, endete, war eine Konstellation, die es in dieser Form bisher noch nicht gegeben hat. »Das ist ein historischer Zufall«, sagt Festivalleiter Jonathan Marcus, »und diese Einbettung in zwei wichtige Daten findet sich auch im Programm wieder.«

So gab es einen Workshop zur »Holocaust Poetry« ebenso wie Diskussionen zu der Frage »Waren die Toten der Schoa Märtyrer oder Opfer?« und zum Thema »Die Schoa ist noch nicht vorbei für die Nachkommen«. Aber auch Aspekte wie »Judentum und Vegetarismus«, »Rent a Jew« oder »Barmherzigkeit und Recht« wurden im Verlauf des Festivals diskutiert.

themen Insgesamt waren diesmal mehr als 120 Workshops, Vorträge und Diskussionen im Angebot, und so manchem fiel die Entscheidung angesichts der Fülle an interessanten Themen schwer.

»Wir haben darüber diskutiert, was es für unsere Identität bedeutet, wenn wir sie über die Schoa definieren«, sagte beispielsweise Yael Dinur von der World Zionist Organization. »Wir bauen uns da eine Opferidentität, und das ist aus meiner Sicht sehr gefährlich.« Natürlich sei die Schoa ein wesentlicher Bestandteil jüdischer Geschichte. »Aber meine Identität ist positiv, ich bin kein Opfer.« Es sei darum wichtig, die Erinnerung an die Vergangenheit mit einem positiven Blick auf die Gegenwart und die Zukunft zu verknüpfen.

Globalisierung Mit Gegenwart und Zukunft befasste sich auch Netanel Teitelbaum in seinem Vortrag über jüdische Identität in Zeiten der Globalisierung. Der Bremer Landesrabbiner wollte seinen Zuhörern Anregungen geben, wie sie in einer immer schneller werdenden Welt die Traditionen wahren und dabei ein modernes Judentum leben können.

Für Limmud-Cheforganisator Jonathan Marcus steht es außer Frage, dass die Limmudniks 2017 wieder an die Nordsee kommen werden. Nachdem das diesjährige Festival mit einer Zeremonie zum Tag der Befreiung und Tag des Sieges offiziell zu Ende gegangen ist, zieht er ein durchweg positives Fazit: »Wir hatten hier ein tolles Gemeinschaftsgefühl, sehr entspannt und harmonisch. Das Wetter war optimal, der Veranstaltungsort hat sich sehr bewährt, die Organisation hat gut geklappt – besser kann so ein Festival gar nicht laufen.«

Lesen Sie mehr in der kommenden Ausgabe der Jüdischen Allgemeinen.

Porträt der Woche

»Ich bin einfach ich«

Persia Kantorovych hat eine jüdische Mutter und einen muslimischen Vater

von Annette Kanis  06.10.2026

Lesen

Die geblieben sind

Hanna Veiler beschreibt in »Jung, jüdisch, wütend« die Erfahrungen junger Jüdinnen und Juden mit Einsamkeit, Enttäuschung und Solidarität nach dem 7. Oktober. Ein Auszug

von Hanna Veiler  06.10.2026

7. Oktober

Rotes Rathaus zeigt Ausstellung zum Hamas-Überfall auf Israel

Der Überfall der Terrororganisation Hamas hat überall in Israel Spuren hinterlassen. Eine neue Berliner Ausstellung beleuchtet die Erfahrungen von Sportlern und Fans rund um den 7. Oktober 2023

 05.10.2026

Shelly Meyer

Kommentar

Wer tatsächlich vom »Judenfetisch« profitiert

150 Juden in Berlin haben mit einem Offenen Brief die Linkspartei unterstützt - das sind etwa 0,4 Prozent der Berliner jüdischen Stimmen. Doch sie könnten für die breite Öffentlichkeit kaum wertvoller sein

von Shelly Meyer  04.10.2026

Wuppertal

Am helllichten Tag

Nach dem Brandanschlag auf die Synagoge geht das Gemeindeleben in der nordrhein-westfälischen Stadt weiter. Aber was bedeutet diese Normalität?

von Helmut Kuhn  01.10.2026

Rostock

Zunehmend sprachlos

Die Gemeinde hatte Schlimmeres befürchtet, doch Sorgen bleiben auch nach den Landtagswahlen in Mecklenburg-Vorpommern

 01.10.2026

Wiedervereinigung

Zeit der Blüte

Am 3. Oktober 1990 trat die DDR der Bundesrepublik Deutschland bei. Für jüdische Gemeinden in Ost und West war dies ein neuer Anfang, für manche auch die Rettung. Drei Gemeindemitglieder erzählen, wie sie diese Zeit erlebten

von Christine Schmitt  01.10.2026

Deutschland

Holocaust-Überlebende: Regierung der Linkspartei in Berlin wäre eine Katastrophe

»Hier muss die Politik gründlich aufpassen, dass das nicht passiert«, sagt Charlotte Knobloch bei »Maischberger«

 01.10.2026

Wahl

»Der Schock sitzt tief«

Jüdinnen und Juden blicken mit großer Skepsis auf eine mögliche Regierungsbeteiligung der Linken. Sie fordern klare Zusagen zum Kampf gegen Antisemitismus

von Christine Schmitt  30.09.2026