Urlaub

Lernen, Spielen, Sonnenbaden

Natürlich steht auch ein Ausflug ins Erlebnisbad auf dem Programm. Foto: Thinkstock

Wenn die Jahreszeugnisse abgeheftet und vielleicht sogar schon vergessen sind, stehen den Schülern sechs unbeschwerte Wochen bevor. In Bremen, Niedersachsen, Sachsen, Sachsen‐Anhalt und Thüringen haben die Sommerferien schon begonnen. Kommende Woche starten sie in Hessen, Rheinland‐Pfalz und im Saarland.

34 Kinder und Jugendliche im Alter von acht bis 18 aus Magdeburg, Dessau und Halle sind bereits im Ferienmodus, haben ihre Taschen mit Kleidung, Spielsachen und Handys gepackt und sind für zwei Wochen auf Machane nach Bulgarien geflogen. »Dort haben wir am Schwarzen Meer unser Quartier, eigene Räume und einen eigenen Strand«, sagt Max Privorozki, Vorsitzender der Jüdischen Gemeinde zu Halle, die seit 14 Jahren jeden Sommer die Fahrt organisiert.

Seit einigen Sommern reist die Gruppe für zwei Wochen ans Schwarze Meer, in den vorherigen Jahren ging es nach Holland, Belgien, nach Mallorca oder Tschechien. »Aber Bulgarien hat uns auch finanziell überzeugt«, sagt Privorozki. Die Kinder werden keine einzige freie Minute haben, fügt er lachend hinzu. Und somit auch keine Zeit für Blödsinn. Denn es gibt ein volles Programm. Dabei werden 50 Jahre Wiedervereinigung Jerusalems im Mittelpunkt stehen, es wird über den Zionismus in Geschichte und Gegenwart und über 325 Jahre Jüdische Gemeinde Halle informiert und gesprochen. Madrichim werden die Kinder betreuen. »Neben Strand, Sonne und Meer sind die Schabbatfeiern für die Kinder immer wichtig: Welches Mädchen zündet die Kerze an, welcher Junge teilt den Kiddusch‐Saft aus?«, sagt Privorozki.

Barmizwa‐Klub Auch in Hannover haben die Ferien angefangen – und etwa 50 Kinder haben nun Zeit, das Gan‐Israel‐Camp zu besuchen, das in den Räumen der Jüdischen Gemeinde Hannover stattfindet, aber inhaltlich von Chabad organisiert wird. »Zwei Wochen lang wird es Spaß geben bei Ausflügen, beim Basteln und beim Lernen jüdischen Wissens«, sagt Rabbiner Benjamin Wolff. Fünf Betreuerinnen kommen aus den USA, die anderen aus Hannover. Da die Eltern sich wünschen, dass die Kinder Englisch sprechen, wird dies die Umgangssprache sein. Für jeden Tag haben sie sich ein Thema überlegt. Neu sei, dass es nun auch eine Gruppe für 13‐Jährige gibt, die gerade Barmizwa gefeiert haben.

Mehr als 700 Kinder und Jugendliche werden während der Sommerferien mit der Zentralwohlfahrtsstelle der Juden in Deutschland (ZWST) verreisen. »Wir bemühen uns immer, alle Anmeldungen zu berücksichtigen«, sagt Nachumi Rosenblatt, Leiter des ZWST‐Jugendreferats. Und das Angebot ist wieder einmal vielfältig. Neben der Fahrt nach Bad Sobernheim für die Jüngeren und den Reisen nach Italien und Israel wird es erstmalig eine Fahrt nach Marbella in Spanien geben. »Da gab es so viele Nachfragen, dass wir prompt 50 Überbuchungen hatten«, erzählt Rosenblatt. Inklusionskinder sind ebenfalls mit von der Partie – darauf legen sowohl Rosenblatt als auch Aron Schuster, stellvertretender Direktor der ZWST, viel Wert. Außerdem gibt es zwei Familienseminare mit 100 Teilnehmern und eine Fahrt für junge Erwachsene im Alter von 18 bis 35 mit rund 80 Interessierten.

Planungen Damit alle Fahrten von der Logistik her klappen, beginnen Rosenblatt und seine Mitarbeiter bereits im Dezember zu planen. »Wir müssen die entsprechenden Orte besichtigen, Unterkünfte weit im Voraus buchen, das Personal rekrutieren und die Madrichim zu Vorbereitungsseminaren einladen«, zählt Rosenblatt auf.

80 Madrichim werden im Einsatz sein. Außerdem müssen die Flüge rechtzeitig gebucht werden. Was einer besonderen Logistik bedarf, da die Kinder aus ganz Deutschland anreisen. Ab Januar werden die Ausflüge, der Ablauf und die pädagogischen Inhalte ausgearbeitet. In diesem Sommer lautet der Schwerpunkt »100 Jahre ZWST – 100 Jahre Wohltätigkeit – Was kann ich für die Gesellschaft tun?«. »Dabei wollen wir aufzeigen, wie jeder Einzelne Zeit spenden und sich ehrenamtlich engagieren kann«, sagt Schuster.

Für Aron Schuster ist es wichtig, dass es auch Kindern aus sozial schwachen Familien ermöglicht wird, zu verreisen und jüdische Tradition zu erleben. »Auch die Jugendlichen aus Städten mit kleineren Gemeinden sollen und müssen die Möglichkeit haben, ein paar Tage in einem ausschließlich jüdischen Umfeld zu verbringen«, meint der stellvertretende ZWST‐Direktor. So hätten sie eine »Phase, in der sie sich und ihre Religion nicht erklären müssen«. Für die Kinder, so hörten sie immer wieder, seien die Machanot die absoluten Höhepunkte des Jahres.

Angebote »Manchmal wünsche ich mir, ich hätte als Kind selbst auf ein solch tolles Angebot zurückgreifen können«, sagt Rosenblatt. Seit neun Jahren ist er nun für die Fahrten verantwortlich und wird auch alle besuchen. »Die strahlenden Gesichter der Kinder zu sehen, ist das größte Dankeschön für unsere Arbeit.« Danach wird er sich um Abrechnungen kümmern und dann schon bald mit den Vorbereitungen für die Wintersaison beginnen.

Für die Kinder in Frankfurt, die noch zu jung sind, um an einer Fahrt teilzunehmen, gibt es eine Hortbetreuung in der Grundschule. Raissa Manachirova, Leiterin des Jugendzentrums in Düsseldorf, wird in diesem Sommer nur wenige freie Tage haben. Gleich zu Beginn der Ferien wird sie eine Gruppe von Jugendlichen nach Israel begleiten und dort betreuen. Vom 7. bis zum 25. August wird sie in Düsseldorf das iCamp leiten, zu dem sich bereits 90 Kinder im Alter von sechs bis zwölf Jahren angemeldet haben.

Das »i« steht für Identität, Interaktion und Inspiration. »Wir werden die Spuren der Tierwelt erkunden«, sagt Manachirova. Jede Woche gibt es dazu eine biblische Geschichte. In den vergangenen Sommern hießen die Themen Zirkus und Zauberei. Jede Gruppe wird zwei bis drei Madrichim haben. »Es bringt sehr viel Spaß«, sagt Raissa Manachirova. Während des Camps sind Ausflüge in den Zoo, in Museen und in den Freizeitpark geplant. Sie war schon als Kind bei den Freizeiten dabei. »Auf diese Weise sitzt man in den Ferien nicht nur blöd herum.«

Maccabi In München bietet Maccabi »Soccer meets Tennis« als Feriensommercamp an. Kinder ab sechs Jahren können sich aussuchen, ob sie nur Fußball spielen, lieber das Tennis‐Racket schwingen möchten oder auch beides. Es werden zwei Wochen (31. Juli bis 4. August und 4. September bis 8. September) angeboten, und es sind laut Website noch Plätze frei. Erfahrungsgemäß seien sie aber schnell ausgebucht, heißt es weiter.

Auch Chabad München bietet ein Day Camp an und verspricht tolle Ausflüge, Spaß beim Basteln und Malen und viel jüdisches Wissen. Anmeldeschluss bei Chabad München ist am 21. Juli, zehn Tage später geht es los.

Auch in Hamburg bietet Chabad ein Tagescamp für Kinder im Alter von vier bis 13 Jahren an. Es wird vom 23. Juli bis zum 4. August dauern. »Spaß für alle Altersstufen, inklusive der Förderung der Liebe zum Judentum«, versprechen hier die Organisatoren.

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