Auszeichnung

Klare Worte gegen rechte Hetze

Preisträger Heiko Maas (l.) und Anselm Kiefer Foto: Chris Hartung

Am vergangenen Samstag ist der Preis für Verständigung und Toleranz an Bundesaußenminister Heiko Maas (SPD) und den Künstler Anselm Kiefer verliehen worden. Rund 380 Gäste waren zu dem feierlichen Akt mit anschließendem Dinner in den Glashof des Museums in der Lindenstraße gekommen, darunter der Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, Josef Schuster, Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller (SPD) und die Schauspielerin Iris Berben.

Als Ehrengast war der Gründungsdirektor des Jüdischen Museums, W. Michael Blumenthal, geladen. Der 93-Jährige nutzte seinen Auftritt an diesem Abend, um sich zu verabschieden. Es werde das letzte Mal sein, dass er bei der Preisverleihung spreche. »Es war für mich eine der schönsten Episoden in meinem Leben«, sagte Blumenthal.

Maas wurde für seinen Einsatz für ein vereintes Europa und seine »klaren Worte im Kampf gegen den erstarkenden Rechtspopulismus« geehrt, sagte der Geschäftsführende Direktor des Jüdischen Museums, Martin Michaelis. Maas’ »politisches und persönliches Engagement gegen Antisemitismus« sowie sein »unermüdliches Eintreten für jüdisches Leben in Deutschland« habe die Jury aus dem Vorstand der Gesellschaft der Freunde und Förderer der Stiftung Jüdisches Museum beeindruckt.

VERDIENSTE Anselm Kiefer wurde für seine »monumentalen Arbeiten« geehrt, mit denen er »bereits ab Ende der 60er-Jahre das Schweigen der Deutschen über den Nationalsozialismus und die Schuld am Holocaust« gebrochen habe, wie Michaelis sagte. Kiefers von den verschiedenen Schöpfungsmythen und der jüdischen Mythologie inspirierte Werke begeisterten die Kunstwelt und hätten dazu beigetragen, dass die jüdische Kultur als fester Bestandteil der deutschen Gesellschaft ins kollektive Gedächtnis zurückgeholt worden sei.

»Beide haben sich um das Wiederaufblühen jüdischer Kultur in Deutschland verdient gemacht«, lobte Kulturstaatssekretärin Monika Grütters (CDU) die Preisträger. Die Laudatio auf Maas hielt die Publizistin Carolin Emcke, die Laudatio auf Kiefer der Filmemacher Alexander Kluge.

»Beide haben sich um das Wiederaufblühen jüdischer Kultur in Deutschland verdient gemacht«, lobte Kulturstaatssekretärin Monika Grütters (CDU) die Preisträger.

»Heiko Maas hat als Politiker nicht mit den Positionen derer gekuschelt, die sich als das Volk ausgeben«, sagte Emcke. In seiner Zeit als Bundesjustizminister sei er mit allen Mitteln des Rechtsstaats gegen rechtsradikale Strukturen in Deutschland vorgegangen.

In seiner Dankesrede sagte Maas, dass er die Auszeichnung als Aufforderung zu mehr Engagement gegen Hass und Ausgrenzung verstehe. »Toleranz heißt, die eigene Komfortzone zu verlassen. Erst dann ist sie etwas wert«, erklärte der Bundesaußenminister. Tolerant zu sein, bedeute aber nicht, hasserfüllte Äußerungen unwidersprochen zu lassen. »Rechte Parolen, Verbalattacken auf Minderheiten, das Verdrehen von Fakten, schreckliche Beschimpfungen – all das mag von der Meinungsfreiheit gedeckt sein; ich muss und will es aber nicht tolerieren«, sagte Maas.

BEITRAG Für Anselm Kiefer könne er das Wort »tolerant« mit »großmütig, verschwenderisch, im künstlerischen Sinne parteiisch und entschieden« übersetzen, sagte Alexander Kluge. »Weil das seine Werke kennzeichnet, beglückwünsche ich die Jury zu ihrer Wahl.« Deutschland habe sich im Dritten Reich »die Hälfte seiner Kultur amputiert«, sagte Kiefer. »Wahrnehmung und Erinnerung, das ist der kleine Beitrag, den meine Bilder leisten können, damit Deutschland vielleicht wieder vollständig wird.«

Mit dem undotierten Preis für Verständigung und Toleranz werden seit 2002 Persönlichkeiten aus Wirtschaft, Kultur und Politik geehrt, die sich auf herausragende Weise um Toleranz verdient gemacht haben, darunter Otto Schily, Angela Merkel und Joachim Gauck.

Tel Aviv

Irgendwie Alltag – bis zum Alarm

Eigentlich wollte Jacob Horowitz nur den Halbmarathon in Tel Aviv laufen. Doch dann begann der Krieg mit dem Iran. Wie sich die vergangenen Wochen zwischen Purim, Schutzraum und verschobener Evakuierung anfühlen, das hat er für uns aufgeschrieben

von Jacob Horowitz  12.03.2026

Sport

Vereint am Ball

Jüdische Hobby-Fußballer feiern ihre Gemeinschaft – und möchten in schwierigen Zeiten ein Zeichen setzen

von Christine Schmitt  12.03.2026

Berlin

Interaktives Projekt zur jüdischen Geschichte des Scheunenviertels

Im Scheunenviertel in Berlin-Mitte gibt es seit Mittwoch zehn Straßenmarkierungen auf Jiddisch, Deutsch und Englisch. Über ein interaktives Erinnerungsprojekt wird so an die jüdische Geschichte der Spandauer Vorstadt erinnert

von Markus Geiler  11.03.2026

Solingen

100 Porträts jüdischer Künstlerinnen im Zentrum für verfolgte Künste

Die Ausstellung erzählt von künstlerischen Lebenswegen zwischen Krieg, Verfolgung und Neubeginn, wie das Museum ankündigte

 11.03.2026

Programm

Kakaniens Kinder, Jakobs Zelte und Israels Superfood: Termine und TV-Tipps

Termine und Tipps für den Zeitraum vom 12. bis zum 19. März

 11.03.2026

Hilfe

Gestrandet in Deutschland

Viele Israelis wurden im Ausland vom Beginn des Krieges mit dem Iran überrascht. Sie finden Unterstützung bei der israelischen und jüdischen Gemeinschaft vor Ort

von Joshua Schultheis  11.03.2026

Meinung

Jüdisches Leben gehört zum Ländle

Nach der Wahl in Baden-Württemberg kann die jüdische Gemeinschaft darauf vertrauen, auch künftig einen zuverlässigen Partner in der Landesregierung zu haben. Einzig das gute Abschneiden der AfD bereitet Sorgen

von Barbara Traub  11.03.2026

Berlin-Neukölln

Wer ist dieser Mann?

Er lehrte arabische Schüler die Geschichte des Holocausts, organisierte einen Austausch mit Israelis und hielt Drohungen stand. Hudhaifa Al-Mashhadanis Geschichte faszinierte die Medien, begeisterte Politiker und schenkte ihm das Vertrauen jüdischer Organisationen. Aber ist alles daran wahr?

von Mascha Malburg  11.03.2026

Berlin

150 Rabbiner am Brandenburger Tor

Ein Fototermin setzt ein Zeichen: Rabbiner zeigen, wie jüdisches Leben heute Europa prägt. Was beim Treffen sonst noch auf dem Programm steht

 11.03.2026