Filmgespräch

Kinoabend für den guten Zweck

Zufriedene Diskutanten nach dem Filmabend: Shoshana Feingold-Studnik mit Alejandra Lopez, Claus Raefle, Aaron Altaras und Nicole Rotstein-Brauner (v.l.) Foto: Jessica Brauner

Wir sind restlos ausverkauft und mussten sogar einigen Interessenten schon absagen», sagt Shoshana Feingold-Studnik vom WIZO-Vorstand. Denn die Idee, an einem geschichtsträchtigen Tag wie dem 8. Mai, genau 73 Jahre nach Kriegsende, den Film Die Unsichtbaren – Wir wollen leben im Hollywood Media Hotel zu zeigen und zu einem Gespräch mit Regisseur Claus Räfle, Co-Drehbuchautorin Alejandra Lopez und Darsteller Aaron Altaras einzuladen, fand ein großes Echo.

Sehr zur Freude der Kinder, Eltern, Pädagogen und Therapeuten des Karin-Lührse-Kindertagesstätte Givat Yearim bei Jerusalem, einem der 16 WIZO-Projekte in Israel, das 1983 eröffnet wurde, denn dorthin fließt der Erlös des Abends. In der Einrichtung werden 38 Kinder ganztags betreut und gefördert. Ebenso werden dort Workshops für die Eltern angeboten, in denen sie mehr darüber erfahren, wie sie ihre Kinder optimal unterstützen können. Im vergangenen Jahr hatte die WIZO bereits für die Sanierung der Außenanlage gespendet, nun soll der Innenbereich verschönert werden.

schicksale Im Jahr 1943 sei Berlin von den Nazis zu einer Stadt «ohne Juden» erklärt worden, berichtet Shoshana Feingold-Studnik zur Einführung. Das sei natürlich nicht wirklich so gewesen. Denn etwa 7000 Juden versuchten, im Versteck zu überleben. Doch nur etwa 1500 gelang dies. Das Doku-Drama Die Unsichtbaren, das stellvertretend für diese Schicksale zwei junge Frauen und zwei junge Männer in den Mittelpunkt rückt, zieht an diesem Abend alle Zuhörer in seinen Bann.

Nach der Filmvorführung gibt es viele Fragen an den Regisseur. Wie ist er auf das Thema gekommen? Was hat ihn am meisten beeindruckt? Er habe 2004 für die ARD die Fernsehdokumentation Salon Kitty gedreht – über eine Jüdin mit gefälschten Papieren, die als Hausmädchen arbeitete, erzählt Claus Räfle. Später sei sie in die USA gegangen und habe im Fernsehen von ihrem Leben als Illegale berichtet. «Da muss es noch mehr Menschen gegeben haben», habe er gedacht. 2009 begann Räfle mit den Recherchen. Er erfuhr, dass Überleben möglich war, sofern es Hilfe gab – wie im Fall des Showmasters Hans Rosenthal, der versteckt in einer Berliner Gartenlaube überlebt hatte.

Ermöglicht wurde der Film auch dadurch, dass alle Schauspieler eine «sozialistische Einheitsgage» erhielten. 54 Kopien kamen im Herbst in die Kinos, etwa 100.000 Interessierte schauten sich den Film an. Mittlerweile ist er in andere Länder verkauft worden. Auch in Israel wurde er jüngst gezeigt. «Ich hatte Angst, wie der Film dort aufgenommen werden würde», gibt der Regisseur zu. Denn in Israel habe «jeder etwas mit der Geschichte» zu tun. Aber der Streifen zeige eben auch «einen anderen Blick auf Deutschland», meint Räfle: dass Deutsche sich engagierten. Viele Helfer, die im Film vorkommen, wurden später als «Gerechte unter den Völkern» geehrt.

premiere «Was ist aus Hans Winkler geworden, der Juden versteckte und Flugblätter gegen die Nazis verteilte?», wollte etwa eine Frau aus dem Publikum wissen. Und welches Schicksal widerfuhr Werner Schaff von der jüdischen Gemeinde, der aus Theresienstadt fliehen konnte? Wie ging es mit Hanni Levy weiter, die als Waise ganz allein durch die Straßen Berlins zog?

Werner Schaff wurde aufgegriffen und nach Sachsenhausen deportiert. Winkler überlebte. Aber in Luckenwalde, wo er wohnte, wurde sein Einsatz während der DDR-Zeit nicht weiter thematisiert. Erst als Eugen Friede, den er versteckt hatte, seine Überlebensgeschichte veröffentlichte, wurde Winklers Tat publik und er selbst postum in der Jerusalemer Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem geehrt – wie auch die Kinokassiererin, die Hanni Levy aufnahm.

Die 93-jährige Hanni Levy habe es sich nicht nehmen lassen, zur Premiere nach Deutschland zu kommen, erzählt Darsteller Aaron Altaras. Während die jungen Schauspieler auf der Bühne noch nachgedacht hätten, was sie sagen könnten, habe die Zeitzeugin Hanni Levy bereits «druckreife Sätze» formuliert.

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