»Surviving Skokie«

Keine Fake News

Führte in den Abend ein: die Münchner Journalistin Henriette Schroeder Foto: Marina Maisel

Der Dokumentarfilm Surviving Skokie war – bevor er auf den 9. Jüdischen Filmtagen in München Deutschland-Premiere feierte – bereits auf vielen internationalen jüdischen Festivals zu sehen. Denn sein Thema hat es in sich: Es geht um die sehr private Überlebensgeschichte des polnisch-amerikanischen Juden Jack Adler, von der sein Sohn Eli Adler erst als Heranwachsender erfuhr.

Für den Film begaben sich die beiden nun in Polen auf Spurensuche. Gleichzeitig behandelt Surviving Skokie mit den Umtrieben des amerikanischen Nazibundes im Sommer 1977 in der Stadt Skokie (Illinois) aber auch ein Ereignis von großer Bedeutung in der US-Geschichte.

Schoa Die Journalistin und Autorin Henriette Schroeder, die ein Jahrzehnt nach den Ereignissen von Skokie im Rahmen des Deutschen Akademischen Austauschdienstes in Washington studierte und am United States Holocaust Memorial Museum arbeitete, war besonders prädestiniert, in die Thematik einzuführen. Der Filmtitel bezieht sich auf die traumatischen Ereignisse, die vor über 40 Jahren über Skokie hereinbrachen, wie Schroeder erklärte.

Unter den rund 70.000 Einwohnern der Stadt, davon 40.000 Juden, hatten etwa 6000 Schoa-Überlebende ein Zuhause gefunden. Und gerade weil dort die Juden lebten, drohte eine Splittergruppe der »National Socialist Party of America« mit einem Marsch unter Hakenkreuzfahnen durch die Vorstadtidylle. Der Versuch, dies zu verhindern, wurde vom Obersten Gericht des Staates Illinois zurückgewiesen.

Eli Adler, der 30 Jahre Regie-Erfahrung mitbrachte und lange für die »Shoah Foundation« arbeitete, lässt in seiner Dokumentation anhand von Originalaufnahmen ame­rikanische wie Schoa-Geschichte Revue passieren: mit Absurditäten des Lebens, Besonderheiten des US-Rechts und Einblicken in die schmerzvolle Suche nach der eigenen Familiengeschichte.

gesetze Überraschend: Der Neonazi und Anführer des geplanten Aufmarschs, Frank Collin, erwies sich als Sohn des ehemaligen Dachau-Häftlings Max Cohen, der 1939 in die Vereinigten Staaten flüchtete.

Für Überlebende wie Jack Adler, dessen Familie während des Holocaust von den Nazis ermordet wurde, der bei der Befreiung nur noch knapp 32 Kilogramm wog und nach einem Jahr im DP-Lager alleine nach Amerika aufbrach, war die Nazi-Provokation in Skokie ein regelrechter Albtraum. Doch der »1. Zusatzartikel zur Verfassung der Vereinigten Staaten« verbietet jegliche Einschränkung der Rede- oder Pressefreiheit. Darauf konnte sich die Bürgerrechtsbewegung der Afroamerikaner ebenso berufen, wie es die Rechtsradikalen in Skokie taten.

Auch vor diesem Hintergrund erscheint Surviving Skokie brandaktuell. Man erinnere sich etwa an die wieder erstarkenden Hassgruppen, die am 12. August 2017 in Charlottesville in Erscheinung traten. Das »First Amendment« wird als »Bollwerk gegen die Tyrannei der Mehrheit« angesehen, als Schutz für jene, die eine unpopuläre Meinung haben. nni

Dessau-Roßlau

Buch zur jüdischen Geschichte Anhalts vorgestellt

Ein neues Buch informiert über jüdische Orte in Anhalt und soll zum Besuch anregen

 16.01.2026

Weimar

Trauer um Raymond Renaud

Der französische Überlebende des NS-Konzentrationslagers Buchenwald wurde 102 Jahre alt

 15.01.2026

Antisemitismus

Schriftstellerin Funk lebt lieber in Tel Aviv

Künstlerinnen und Künstler aus Israel klagen seit Langem über Schwierigkeiten in Deutschland

 15.01.2026

Hamburg

Espresso für die Seele

Der Jugendkongress der ZWST und des Zentralrats ist für viele das Highlight des Jahres. Hier findet eine Generation, die gestalten möchte, Impulse, Gespräche und Resilienz

von Eugen El  15.01.2026

Makkabi

Slalom und Schabbat

Rund 100 Teilnehmerinnen und Teilnehmer kamen in diesem Jahr zur Wintersport Week in die Südtiroler Alpen

von Helmut Kuhn  15.01.2026

Leipzig

»Jeder Hass macht blind«

Das koschere Café »HaMakom« wurde in der vergangenen Woche angegriffen. Was genau ist passiert? Fragen an den Eigentümer

von Katrin Richter  15.01.2026

Mainz

Neue Ausstellung erinnert an Synagogen, Rabbiner und Matzenbäcker

Vom uralten Grabstein bis zum KI-generierten Rabbiner-Avatar reicht die Spannweite. Die Ausstellung »Shalom am Rhein - 1000 Jahre Judentum in Rheinland-Pfalz« im Landesmuseum Mainz präsentiert so umfangreich wie nie das jüdische Erbe im Land

von Karsten Packeiser  15.01.2026

Hessen

Brandanschlag auf Gießener Synagoge: Was bislang bekannt ist

Ein 32-Jähriger setzte vor der Beith-Jaakov-Synagoge einen Papiercontainer in Brand und zeigte den Hitlergruß. Er wurde von der Haftrichterin in die Psychiatrie eingewiesen

von Michael Thaidigsmann  15.01.2026

Thüringen

Juden fordern klare Haltung zu Iran-Protesten

Der Vorsitzende der Jüdischen Landesgemeinde in Thüringen, Reinhard Schramm, zeigt sich solidarisch mit den Demonstranten im Iran und wirbt für deren Unterstützung

 14.01.2026