Jubiläum

Jung, jüdisch, ledig

Le’chajim!: Daniel trinkt auf die zehn Jahre. Foto: Joachim Wagner

Auf dem Flur des Berliner Admiralspalastes herrscht reger Betrieb. Einige Gäste zieht es an die Bar, um den Getränkegutschein einzulösen. Andere stehen schwatzend in Grüppchen beisammen. Das Publikum ist nicht älter als Mitte dreißig, die Stimmung ungezwungen. Viele Gäste sind Single und im besten Heiratsalter.

Es wird viel geflirtet beim Jubiläum von Jung und Jüdisch. Seit zehn Jahren findet der liberale jüdische Nachwuchs dort Gleichaltrige mit demselben Ziel: möglichst viele andere junge Juden kennenzulernen und sich mit ihnen über Gott und die Welt zu unterhalten. Wenn der zukünftige Partner fürs Leben darunter ist, umso besser.

Gleichgesinnte Genia und Lea sind beide 31 Jahre alt und wollen Menschen »aus demselben Holz« treffen. »Ich spüre diese tiefe Verbindung unter Juden«, sagt Genia. Darum habe man mit jedem jüdischen Gesprächspartner einen gemeinsamen Nenner und wisse beim Gegenüber, dass er genauso fühle. Gegenseitiges Verständnis für die Wurzeln könne man es nennen. Privat verkehren die beiden jungen Frauen in nichtjüdischen Freundeskreisen und genießen es darum umso mehr, bei Jung und Jüdisch unter lauter Juden zu sein.

»Hier geht es doch nur darum, einen Ehepartner zu finden«, sagt Daniel, der zum ersten Mal auf einer solchen Party ist. Was er hier macht, weiß er selbst nicht so genau. Der 25-jährige Schweizer lebt seit einem halben Jahr in Berlin, bisher ohne Kontakt zu anderen Juden. Er trinkt ein Pils und schaut eher missmutig in die Runde. Sein Blick bleibt bei einer hübschen Blondine hängen: »Die hat sogar schon ein Hochzeitskleid angezogen«, sagt Daniel und sieht seine These bestätigt, dass es sich bei Jung und Jüdisch um eine reine Partnerbörse handelt.

Fragen Genau dies sei nicht der Fall, findet Michelle Piccirillo, Mitorganisatorin von Jung und Jüdisch. »Wir sind anders als sonstige jüdische Jugendanlässe, bei uns geht es um Inhalte«, sagt die 29-Jährige. So behandle man in Workshops Themen wie Religion, Politik und Kultur. Kritische Hinterfragung sei dabei wichtiger als Party oder Singlebörse. »Dass sich dennoch das eine oder andere Paar bei uns kennen-gelernt hat, ist aber schon möglich«, sagt Piccirillo. Die Jubiläumsfeier habe sonst aber nicht viel mit dem Alltag des Vereins zu tun, man sei nämlich weniger feier- erprobt, als dies an diesem Samstagabend den Eindruck mache.

Schabbat ist vorbei, das Buffet längst geplündert, und auf der Bühne läuft ein Film aus den Anfängen des Vereins. Die Feierwütigen unter den Gästen gehen ein Haus weiter, schließlich läuft noch eine andere jüdische Fete. Wer als jüdischer Single in Berlin lebt, hat die Qual der Wahl, so scheint es.

www.jungundjuedisch.de

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