Als sich die Schülerinnen und Schüler des zehnten Jahrgangs der Erich-Kästner-Schule in Maintal-Bischofsheim im März vergangenen Jahres mit dem 95-jährigen Schoa-Überlebenden Leonid Vinderman trafen, hatten sie Fragen dabei, die von »Wie geht es Ihnen?« bis hin zu »Hatten Sie Schwierigkeiten, Ihr Leben ›normal‹ weiterzuführen?« reichten.
Die Begegnung mit Leonid Vinderman war in eine Unterrichtsreihe anlässlich des 80. Gedenktages der Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz eingebettet. Auf das Treffen mit ihm hatten sich die Schüler intensiv vorbereitet. Das alles posteten die Zehntklässler auf ihrem Schul-Instagram-Account. Sie setzten sich in der Themenwoche mit Erinnerungsformaten, Gesprächen mit Überlebenden und Gedenk-Kampagnen auseinander und trafen weitere Schoa-Überlebende wie Eva Szepesi. Umso größer war die Trauer bei den Teenagern, als Vinderman im Oktober 2025 starb.
Appell an Menschlichkeit und Toleranz
Sie schrieben, dass sie seine Wärme und Offenheit, seinen Appell an Menschlichkeit und Toleranz nie vergessen würden. Aus dieser Begegnung entstanden weitere Projekte der Schüler, wie der Besuch von Ausstellungen und Projektarbeiten zu jüdischer Geschichte in Maintal oder zu Themen der Demokratieförderung.
Am vergangenen Freitag ist das Projekt »Geschichte im Gespräch – Von der Begegnung mit Leonid Vinderman zu einer gelebten Erinnerungskultur« als eines von drei Projekten von der Jüdischen Gemeinde Frankfurt am Main mit dem Beni-Bloch-Preis für Jugendengagement 2026 ausgezeichnet worden. Genau wie die beiden weiteren Projekte »Jüdisches Leben in Bockenheim sichtbar machen – der jüdische Friedhof an der Sophienstraße 70« der Max-Beckmann-Schule in Frankfurt und »Jüdisches Leben sichtbar machen – die Synagoge Unterlindau 23« der Evangelisch-reformierten Gemeinde Frankfurt in Kooperation mit der Französisch-reformierten Gemeinde erhalten die Schüler aus dem Maintal 500 Euro.
Die Jury des Beni-Bloch-Preises für Jugendengagement sei von den drei ausgewählten Projekten »gleichermaßen tief beeindruckt« gewesen, hieß es in einer Pressemitteilung. Der Vorstandsvorsitzende Benjamin Graumann sagte: »Alle diesjährigen Preisträger zeigen ein außergewöhnliches Maß an Geschichtsbewusstsein und wollen dieses, ganz im Sinne Beni Blochs, durch kreative, nachhaltige und bewegende Weise vermitteln und fördern.«
Der Beni-Bloch-Preis wird bereits zum dritten Mal vergeben
Die Beteiligten und Verantwortlichen der Projekte hätten sich »auf herausragende Weise für eine würdige Gedenkkultur eingesetzt«. »Durch ihr Engagement zeigen sie klare Haltung gegen Antisemitismus und Rechtsextremismus und geben Hoffnung auf eine bessere Zukunft.«
Der Beni-Bloch-Preis wird bereits zum dritten Mal vergeben. Die Verleihung ist für den 1. Juni geplant. Der Preis soll dazu animieren, sich mit jüdischem Leben in Frankfurt und Hessen auseinanderzusetzen. Der Preis wurde am 14. Februar 2021 ins Leben gerufen.
Mit ihm möchte die Jüdische Gemeinde Frankfurt an sein früheres Vorstandsmitglied und Direktor der Zentralwohlfahrtsstelle der Juden in Deutschland, Benjamin Bloch, und an dessen unermüdliches Engagement für die jüdische Gemeinschaft in Frankfurt und bundesweit sowie an seinen Einsatz für soziale Gerechtigkeit für die Gesamtgesellschaft erinnern.