Chemnitz

Jüdischer Gastronom: »Dachte, die Leute würden sich an uns gewöhnen«

Uwe Dziuballa Inhaber Uwe Dziuballa vor seinem koscheren Restaurant »Schalom« in Chemnitz Foto: imago images/ecomedia/robert fishman

Der jüdische Chemnitzer Gastronom Uwe Dziuballa will sich trotz fortwährender, ständiger Anfeindungen nicht einschüchtern lassen. Seine Familie und er betrieben das jüdische Restaurant »Schalom« in Chemnitz seit 24 Jahren, sagte Dziuballa der »taz« am Samstag: »Und, ja, wir sind da. Das ist schon fast die Nachricht: Wir sind präsent. Uns gibt es, wir sind da.«

»Ich dachte vor zehn Jahren, als wir schon lange unser ‚Schalom‘ hatten, ach, bestimmte Sachen würden sich auswachsen, die Leute würden sich an uns gewöhnen, wir müssen nur durchhalten«, sagte der 1965 im damaligen Karl-Marx-Stadt geborene Dziuballa. Aber so sei es nicht geworden.

Lesen Sie auch

Nach dem Überfall der Hamas-Terroristen auf Israel am 7. Oktober 2023 sei es schwieriger denn je geworden, sagte Dziuballa. Seitdem stehe das Restaurant unter permanentem Polizeischutz. Es falle auf, dass der 7. Oktober und die israelischen Reaktionen auf die Terroranschläge zum Vorwand genommen würden, »um an uns als Juden sein oder ihr Mütchen zu kühlen«.

Nach der Wende habe er gedacht, dass jetzt alles besser werde. »Ist aber nur begrenzt geworden«, sagte der 59-Jährige. Chemnitz sei natürlich lebenswert und sie hätten gern ihr Restaurant hier: »Auf ein negatives Erlebnis gibt es 25 positive. Solange das Verhältnis nicht eins zu fünf wird, ist alles relativ gut.«

Bundesweit bekannt wurde das jüdische Restaurant, als es im August 2018 nach rechtsextremen Aufmärschen in Chemnitz angegriffen wurde. In der Folge wurde im September 2021 ein Mann aus Niedersachsen zu einer dreijährigen Bewährungsstrafe verurteilt. epd

Gedenkstätten

Tuchel: Gedenkstätten vor politischer Einflussnahme schützen

Historiker fordert, sie als außerschulische Lernorte resilienter zu machen

 25.01.2026

Porträt der Woche

»Ich trage Verantwortung«

Berl Salamander wuchs im DP-Camp Föhrenwald auf und ist heute als Zeitzeuge aktiv

von Katrin Diehl  25.01.2026

Mainz

Fortschrittlich im Mittelalter

Eine sehenswerte neue Ausstellung im Landesmuseum widmet sich der Geschichte der Juden in Rheinland-Pfalz und der Bedeutung der SchUM-Städte

von Eugen El  24.01.2026

Deutschland

NS-Gedenkstätten verzeichnen mehr Störungen von rechts

Viele Gedenkstätten für NS-Opfer registrierten im vergangenen Jahr steigende Besuchszahlen. Allerdings nahmen antisemitische Vorfälle ebenfalls zu

 24.01.2026

Studien

Trauma, Resilienz und Lebenswille: Warum manche Schoa-Überlebende so alt werden

Die Forschung ist einem bemerkenswerten Phänomen auf der Spur: Viele Überlebende des Holocausts werden auffallend alt

 23.01.2026

Justiz

Ehemaliger Rabbiner der Jüdischen Gemeinde Berlin verurteilt

Das Amtsgericht Tiergarten verurteilte den Angeklagten wegen eines sexuellen Übergriffs und sexueller Nötigung zu 10 Monaten Freiheitsstrafe auf Bewährung

 23.01.2026

TV-Tipp

Doku über Margot Friedländer am Holocaust-Gedenktag - Gegen das Vergessen

Nicht nur für sechs Millionen Juden, sondern für alle unschuldig Ermordeten des Nazi-Regimes wollte Margot Friedländer immer als Überlebende des Holocaust sprechen - zum Beispiel in diesem bewegenden Dokumentarfilm

von Jan Lehr  22.01.2026

Deutschland

»Sie ist ein Teil von mir«

Dritte Generation: Wie gehen Enkelkinder mit den Überlebensgeschichten ihrer Großeltern während der Schoa um?

von Christine Schmitt  22.01.2026

Literatur

Positives Chaos

Die Schriftstellerin Mirna Funk stellte in München ihren neuen Roman »Balagan« über eine Familiengeschichte zwischen Berlin und Tel Aviv vor

von Helen Richter  22.01.2026