Berlin

Jiddische Klänge in Mitte

Der jüdisch-polnische Arzt und Pädagoge Janusz Korczak hatte in seinem Waisenhaus auch ein Kinderorchester. Foto: Thinkstock

»Einzige Voraussetzung zum Mitmachen ist die Liebe zur Musik«, sagt Esther Tchlakichvili und schaut in die Runde. Vor ihr sitzen ein paar Kinder mit ihren Eltern. Einige haben ihre Musikinstrumente mitgebracht. Sie sind ungeduldig, wollen am liebsten gleich losspielen.

»Alle Kinder und Jugendlichen, die Lust und Freude am gemeinsamen Musizieren haben und gerne mehr über jiddische Kultur erfahren möchten, sind herzlich in unserem Orchester willkommen«, sagt Tchlakichvili. Die 22-jährige Studentin ist Jugendleiterin bei der Europäischen Janusz Korczak Akademie (EJKA). Ob man schon ein Instrument spielt oder erst eines erlernen möchte, ist nicht entscheidend. Sofern man zwischen acht und 20 Jahren alt ist und sich für Klezmermusik interessiert, kann man in dem neuen Orchester mitmachen.

bandbreite Seit dessen Gründung im vergangenen Herbst hat sich einiges getan. Jeden Sonntag finden Orchesterproben unter Leitung des Instrumentalpädagogen und Dirigenten Alexander Vinokurov statt. 15 Kinder mit Oboe, Geige, Gitarre, Klarinette und Klavier zählt das Orchester mittlerweile. Von dem russisch-jiddischen Klassiker »Tumbalalaika« über den Evergreen »Bei mir bist du schejn« bis hin zu Stücken des Modern Klezmer à la Giora Feidman soll die ganze Bandbreite des Klezmer einstudiert werden.

Inzwischen gab es auch schon erste Auftritte, etwa bei einer Chanukkafeier in der Gemeinde und beim Theaterstück »Blumkas Tagebuch« im deutsch-polnischen Sprachcafé. Im Sommer ist ein großes Abschlusskonzert geplant. Im April zu Pessach steht zudem eine gemeinsame Reise nach Israel auf dem Programm. Von dort habe man auch die Idee eines Klezmerorchesters speziell für junge Menschen übernommen, sagt EJKA-Leiterin Ella Nilova. »Die Initiative ›Beit ha-Musika‹ in Jerusalem hat vor einiger Zeit eine Jugend-Klezmerband gegründet – sie ist sehr erfolgreich«, sagt sie.

Da der jüdisch-polnische Arzt und Pädagoge Janusz Korczak in seinem Waisenhaus auch ein Kinderorchester hatte, habe man sich bei EJKA gedacht: »Lasst uns das doch einmal ausprobieren.«

fördergelder EJKA hat sich mit ihren Bildungsprogrammen auf die jüdische Jugend- und Erwachsenenbildung fokussiert. Neben regelmäßigen Veranstaltungen zum interreligiösen Dialog und Zeitzeugengesprächen organisiert der Verein seit mehreren Jahren mit dem »Jewish ArtEck« (J-ArtEck) auch ein internationales Sommercamp für russischsprachige jüdische Jugendliche im Alter von 13 bis 17 Jahren.

»Wir haben gemerkt, dass die Kinder bei unseren jährlichen Camp-Fahrten auch gerne jiddische Lieder singen – daher das Klezmerorchester«, meint Nilova. Sie ist sehr zufrieden, wie sich das Projekt entwickelt. Wenn zusätzliche Fördergelder gewonnen werden, werde es auch eine Fortsetzung über 2018 hinaus geben.

Anna Davidovitsch hält das Orchester für »eine super Sache«. »Schon zu Hause haben wir immer viel jiddische Musik und auch Klezmer gehört. Ich liebe diese Musik«, sagt die 17-jährige Schülerin. Zusammen mit ihrer kleinen Schwester Eva spielt sie im Orchester mit.

dialekt Die beiden stammen aus einer deutsch-russischen Familie und wohnen im Wedding. Die Mutter der beiden Mädchen ist jüdisch und kommt aus Russland. »Das Jiddische habe ich schon von klein auf in den Ohren. Unsere Oma mütterlicherseits spricht diese lustige Sprache, die einfach nur wie ein deutscher Dialekt klingt, als Muttersprache«, erzählt Anna.

Als ihr Musiklehrer Alexander Vinokurov, der sie bereits seit sieben Jahren unterrichtet, Anna von den Orchesterplänen erzählte, war die Schülerin gleich Feuer und Flamme. »Die Schönheit des Klezmer möchte ich gerne auch anderen Kindern vermitteln«, sagt sie.

Brandenburg

Brandanschlag: Jüdische Gemeinden stellen sich hinter Büttner

Im Fall des Brandanschlags auf das Anwesen des brandenburgischen Antisemitismusbeauftragten gibt es viele offene Fragen. Die örtliche jüdische Gemeinde solidarisiert Sicherheit mit Andreas Büttner

 15.05.2026

Jewrovision in Stuttgart

Der Gewinner heißt JuJuBa!

Das Team der Jugendzentren aus Baden hat den ersten Platz beim jüdischen Musikwettbewerb belegt. Der Preis für das beste Video ging an Neschama München

 15.05.2026

Stuttgart

Noa Kirel: »Ich liebe dich, Jewrovision!«

Die israelische Musikerin ist der Special Act auf dem größten jüdischen Musikwettbewerb Deutschlands

 15.05.2026

Stuttgart

Startschuss für die Jewrovision

Der jüdische Jugend-Musikwettbewerb hat begonnen. In der baden-württembergischen Landeshauptstadt treten heute 13 Teams aus ganz Deutschland auf

von Joshua Schultheis  15.05.2026 Aktualisiert

Musik

»Das allerwichtigste an der Jewro ist es, Spaß zu haben«

Hannah Veiler, Präsidentin der European Union of Jewish Students, moderiert in diesem Jahr die Jewrovision. Wir haben sie gefragt, was die Jewrovision für sie persönlich und für die jüdische Gemeinschaft bedeutet

 15.05.2026

Stuttgart

Erste Stimmen von der Jewrovision

Die Jüdische Allgemeine ist bei der Jewrovision 2026 in Stuttgart mit dabei und begleitet die Menschen hinter dem größten jüdischen Gesangs- und Tanzwettbewerb Europas.

 15.05.2026

Jewrovision 2026

Die Nervosität steigt …

Schon bald gehen die Scheinwerfer an und 600 jüdische Jugendliche aus ganz Deutschland werden ihre Showacts zum Besten geben

von Nicole Dreyfus  15.05.2026

Hamburg

Mit Herz und Haltung

Alexandra Lachmann ist Musikerin und coacht Jugendliche für die Jewrovision

von Lorenz Hartwig  14.05.2026

Jewrovision

Aller guten Moderatoren sind drei

Jung, dynamisch und schlagfertig: Ein Trio wird im Mai durch die Show führen

von Christine Schmitt  14.05.2026