Mainz

Infotafeln am Zaun

Peter Waldmann und Anna Kischner von der Jüdischen Gemeinde, OB Michael Ebling mit Kulturdezernentin Marianne Grosse und Janina Steinkrüger (v.l.) Foto: Armin Thomas


Seit einem halben Jahr ist der Alte Jüdische Friedhof in Mainz Teil des UNESCO-Welterbes. Die Stadt Mainz und die Jüdische Gemeinde sind stolz darauf und wollen dies öffentlich bekunden. Daher präsentieren sie jetzt gemeinsam eine Freiluftausstellung mit großformatigen Fotos und Infotafeln am Zaun des Friedhofs. Die Schau ist von dem Wormser Künstler Eichfelder konzipiert worden.

Bis Ende 2023 soll am Rande des Friedhofs ein Besucher-Pavillon entstehen, der eine dauerhafte Übersicht über das öffentlich nicht zugängliche Areal ermöglichen soll.

Gelehrsamkeit Wenn Anna Kischner, die Vorsitzende der Jüdischen Gemeinde, über die Geschichte des Alten Jüdischen Friedhofs spricht, weist sie stets auch auf die Bedeutung dieses jahrhundertealten Begräbnisortes hin.

»Der als Haus der Ewigkeit oder auch als Haus des Lebens bezeichnete Friedhof wurde mehrfach abgeräumt, geschändet, und die Steine, die von den Gelehrten und Gründern, den Wohltäterinnen und einfachen Gemeindemitgliedern berichteten, sind an anderen Orten der Stadt verbaut worden«, erzählt sie bei einer Ortsbegehung am Montag. Aber aus der jüdischen Erinnerung sind sie nicht gelöscht worden, betont Kischner. Denn die Gemeinde habe den Begriff »Sachor« beherzigt: »Erinnere dich«.

So haben die aus ihrer Mainzer Heimat vertriebenen Juden nach ihrer Rückkehr Gedenksteine errichtet, um an ihre Vorfahren zu erinnern. Aus diesen Memorsteinen und aus mittelalterlichen jüdischen Grabsteinen, die Ende des 19. Jahrhunderts bei Abbrucharbeiten im Stadtgebiet wiedergefunden worden waren, entstand der 1926 eingeweihte »Denkmalfriedhof« – ein einmaliges Monument. Hier finden sich Grabsteine, die an die Gründerfamilie Kalonymos erinnern, an Gershom ben Jehuda, genannt »Das Licht der Diaspora«, und Simeon bar Isaac.

Auf dem »Denkmalfriedhof« sind die Gräber bewusst kreuz und quer angelegt, um zu zeigen, dass man nicht weiß, wo sie sich ursprünglich befunden haben.

Den »Denkmalfriedhof« hat Rabbiner Sali Levi bewusst so angelegt, dass die Grabsteine kreuz und quer stehen. Damit sollte verdeutlicht werden, dass man nicht mehr weiß, wo genau sich die mittelalterlichen Gräber ursprünglich befanden.

Damit niemand darüber gehen kann, ist der Zugang zu diesem Teil des Friedhofs untersagt. Besucher dürfen lediglich einen bestehenden Fußweg bei Führungen benutzen. Ein zweiter Teil diente von etwa 1770 bis 1880 als Begräbnisstätte. Hier befinden sich rund 1500 Grabsteine, die einheitlich nach Osten ausgerichtet sind.

Zugehörigkeit »Wenn wir die Vergangenheit eines Ortes wie diesen hier kennen und vermitteln, verstehen wir vieles – auch, dass Juden seit 1000 Jahren zu dieser Stadt gehören wollten und sich zugehörig fühlten«, betont Anna Kischner. Mit dem Blick in die Vergangenheit erkenne man, was jüdisches Leben heute bedeutet. »Wir blicken in die Zukunft und hoffen, dass in unserer schönen Neuen Synagoge, die an SchUM und die große schriftliche Tradition von SchUM erinnert, noch viele jüdische Generationen diese Texte lernen und diskutieren, um sich mit diesen uralten Wurzeln zu verbinden und hier in Magenza anzukommen.«

Der Mainzer Oberbürgermeister Michael Ebling betont, dass die Stadt die Auszeichnung der SchUM-Stätten nicht nur als Ehre versteht. Er sieht darin eine Verantwortung, den Mainzer Teil dauerhaft sichtbar und erfahrbar zu machen. »Das breite Wissen über SchUM war im Laufe der Jahrhunderte verloren gegangen. Jetzt wollen wir es wieder bekannter machen.« Dazu soll die Freiluftausstellung bis zur Realisierung des Besucher-Pavillons beitragen. Im Juni dieses Jahres sollen die Planunterlagen zur Genehmigung eingereicht werden.

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