Covid-19

Impfen ist alternativlos

Die gefährdetste Gruppe sind Menschen über 80. Foto: picture alliance / Geisler-Fotopress


Bewohner und Mitarbeiter von Pflegeheimen sowie alle Menschen, die älter als 80 Jahre sind, gehören bei der Corona-Schutzimpfung zur Gruppe eins mit der höchsten Priorität. Eine entsprechende Verordnung des Bundesgesundheitsministeriums legt die Reihenfolge der Impfungen fest. »Ziel von Bund und Ländern ist, allen 800.000 Bewohnern der Pflegeheime bis Mitte Februar ein Impfangebot zu machen«, heißt es auf der Webseite des Ministeriums.

Zwei Drittel aller Altenheimbewohner in Frankfurt sind zumindest einmal geimpft.

Tatsächlich schreitet die Impfkampagne gegen das Coronavirus in Senioren- und Pflegeheimen voran. Das gilt selbstverständlich auch für die Elternheime der jüdischen Gemeinden in Deutschland. Im Nelly-Sachs-Haus der Düsseldorfer Gemeinde fanden die ersten Impfungen bereits am 30. Dezember 2020 statt. Fast alle Bewohner und ein Großteil der Mitarbeiter haben mittlerweile die erste und zweite Impfung erhalten, berichtet Leiter Bert Römgens am Telefon.

Altenzentrum Impfintervall Im Nelly-Sachs-Haus wird ausschließlich das Vakzin von BioNTech/Pfizer verwendet, das zwei Impfungen im Abstand von etwa drei Wochen erfordert. Im Altenzentrum der Jüdischen Gemeinde Frankfurt wurden am 12. Januar zunächst 60 Bewohner und Mitarbeiter mit der ersten Schutzimpfung versorgt. Als erste Bewohnerin erhielt die 96-jährige Schoa-Überlebende Klara Roth das Vakzin verabreicht.

Im Januar war der Impfstoff anfangs äußerst knapp. »Da waren wir etwas betrübt«, erinnert sich Sandro Huberman, Leiter des Altenzentrums. »Es hat sich jetzt sehr viel getan«, sagt er. Am 26. Januar wurden weitere 132 Bewohner und Mitarbeiter geimpft. Am 2. Februar erhielten die Ersten bereits die Zweitimpfung, und am 16. Februar sollen weitere folgen. Inzwischen seien etwa zwei Drittel der Bewohner und Mitarbeiter mindestens einmal geimpft worden, berichtet Huberman.

Covid-19-Fälle Im Kölner Elternheim lief die Immunisierung am 4. Februar an. »Es konnte dabei nur eine sehr geringe Zahl an Bewohnern geimpft werden, da wir zu diesem Zeitpunkt bereits einen akuten Ausbruch mit Covid-19 hatten«, berichtet Bettina Levy, Mitglied des Vorstandes der Synagogen-Gemeinde Köln. »Zu unserem tiefsten Bedauern ist es trotz eines umfassenden Hygienekonzepts, regelmäßiger Tests und zahlreicher Schutzmaßnahmen zu Erkrankungen gekommen«, sagt Levy. Einige Personen seien mit oder an Covid-19 verstorben. Andere Pflegeheime machen keine Angaben zu möglichen Infektionsfällen.

Ermutigend ist unterdessen die Impfbereitschaft. Sandro Huberman zeigt sich zufrieden: »Es gibt zum Glück nur wenige Mitarbeiter und Bewohner, die sich zunächst nicht impfen lassen wollten.« Er betont: »Wir verpflichten keine Mitarbeiter, wir versuchen, sie zu überzeugen. Wenn einer das nicht möchte, akzeptieren wir das.«

Auch in Düsseldorf ist die ohnehin schon hohe Impfbereitschaft zusätzlich gestiegen. »Wir haben noch einmal beraten und Aufklärung betrieben zwischen den beiden ersten Impftagen, sodass wir einige weitere Mitarbeiter für das Impfen überzeugen konnten«, sagt Bert Römgens.

Aufklärung »Die Impfbereitschaft ist relativ hoch«, berichtet auch Bettina Levy. »Wir haben umfassend, auch in russischer Sprache, aufgeklärt und vorbesprochen. Für Impfskeptiker gab es ein weiteres ärztliches Beratungsangebot«, erläutert sie das Vorgehen im Elternheim der Kölner Gemeinde.

Bei den Bewohnern habe es kaum Nebenwirkungen gegeben, sagt Bert Römgens. Bei den jüngeren Mitarbeitern seien jedoch für ein oder zwei Tage relativ starke Nebenwirkungen wie Fieber oder Magen-Darm-Probleme aufgetreten. »Bisher haben die Bewohner und auch die Mitarbeiter die Impfung gut vertragen«, teilt Bettina Levy mit.

Trotz der fortschreitenden Verabreichung von Vakzinen bleiben sämtliche Schutzmaßnahmen in den Seniorenheimen bestehen. »Das wird erst einmal so bleiben, bis eindeutig und definitiv klar ist, dass man, wenn man geimpft ist, das Virus nicht übertragen kann«, erläutert Römgens. Das sei im Moment nicht der Fall.

Trotz Impfungen setzen die Heime weiterhin auf regelmäßige Corona-Tests.

Die Heime setzen auf regelmäßige Corona-Tests. »Wir testen nach wie vor jeden Tag jeden Besuch und mindestens zweimal die Woche die Bewohner«, sagt Römgens. Auch im Frankfurter Altenzentrum wird regelmäßig getestet. Dieses Vorgehen sorge dafür, dass das im Frühjahr 2020 verhängte Besuchsverbot nicht wieder in Kraft treten muss.

»Die Schnelltests waren für uns ein Segen. Sie haben die Möglichkeit gegeben, dass die Besuche weiterhin stattfinden können«, betont Sandro Huberman. Aus Köln heißt es: »Mit regelmäßigen Tests von Bewohnern und Mitarbeitern sowie Besuchern haben wir bereits im Sommer 2020 begonnen. FFP2-Masken sind im ganzen Haus Standard.« »Wir passen unsere Maßnahmen den RKI-Richtlinien laufend an und sind im konstanten Austausch mit dem Kölner Gesundheitsamt«, sagt Bettina Levy weiter.

Pessach Sandro Huberman hofft, dass bis Pessach alle Bewohner und Mitarbeiter des Frankfurter Altenzentrums, die geimpft werden wollen, auch ihre Immunisierung erhalten: »Der Plan ist, dass bis spätestens Mitte März alle Impfungen, auch von den Nachzüglern, abgeschlossen sind.« In Düsseldorf erhielten einige Nachzügler am 10. Februar ihre zweite Impfung. Die mögliche Knappheit von Vakzinen stellt Römgens vor eine Herausforderung. »Wie gehen wir mit den Bewohnerinnen und Bewohnern um, die bei uns nach dem 10. Februar einziehen werden und noch nicht geimpft sind? Wie kommen sie an ihre Impfung?«

Huberman hofft unterdessen auf einen baldigen Übergang zur Normalität. »Dafür sind die Impfungen der entscheidende Schritt«, sagt er. »Neben der Einhaltung der Hygienekonzepte sind sie der wesentliche heute bekannte Schritt«, stimmt Bettina Levy zu. Bert Römgens betont nachdrücklich: »Es gibt keine Alternative zur Impfung.«

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