Berlin

Im Namen von Estrongo Nachama

Estrongo Nachama sel.A. Foto: imago

Die Berliner Stiftung Meridian initiiert im Gedenken an Estrongo Nachama, den früheren Oberkantor der Jüdischen Gemeinde zu Berlin, eine Auszeichnung für Toleranz und Zivilcourage. Mit dem »Estrongo Nachama Preis« sollen Menschen ausgezeichnet werden, »die selbstlos für diskriminierte Minderheiten und mutig für den Schutz des menschlichen Lebens eintreten«, hieß es am Freitag bei der Vorstellung des Projektes in Berlin.

Mit Blick auf die erschreckende Bilanz rechtsextremer, rassistischer und antisemitischer Übergriffe werde in der Stadt ein Zeichen gebraucht. Als solches sei der mit 10.000 Euro dotierte Preis gedacht, der nun jährlich vergeben werden soll.

Sinnbild Estrongo Nachama sei stets »ein Sinnbild für die Versöhnung zwischen den Religionen« gewesen. Der 1918 im griechischen Saloniki geborene Kantor war nach der Schoa über fünf Jahrzehnte einer der prominentesten Vertreter der Berliner Gemeinde. Er war zunächst Vorbeter in der Synagoge der US-Streitkräfte am Hüttenweg und dann jahrzehntelang die Stimme der Synagoge Pestalozzistraße. Zeit seines Lebens trat er für den interreligiösen Dialog, die Verständigung und Zusammenarbeit zwischen Juden und Christen, ein. Einer seiner letzten großen Gesangsauftritte fand 1998 im Berliner Dom statt. Nachama starb im Jahr 2000 in Berlin.

Andenken Sein Sohn, Andreas Nachama, geschäftsführender Direktor der Stiftung Topographie des Terrors und Rabbiner der Synagoge am Hüttenweg, freut sich über die mit dem Preis verbundene Auszeichnung des Vaters: »Estrongo Nachama hat, wann immer es möglich war, etwas zu bewegen, gehandelt. Dieser Preis ist daher ganz in seinem Sinne und ist gleichzeitig ein Andenken an ihn, womit ihm ein lebendiges Denkmal gesetzt wird.« Andreas Nachama übernimmt den Vorsitz des Kuratoriums.

Die Stiftung Meridian fördert Berliner Projekte, die »auf der Idee der Hilfe zur Selbsthilfe« basieren, unter anderem in den Bereichen Bildung und Erziehung. Vorstandsvorsitzender ist Michael Arndt. Berlinerinnen und Berliner sind aufgerufen, Kandidaten vorzuschlagen und bei der Auswahl des Preisträgers mitzuwirken. ja

www.meridian-stiftung.de

Projekt

Ein Denkmal für gefallene Soldaten und ermordete Juden

Ein Dorf will mit einer Gedenkstätte an die Opfer der NS-Zeit erinnern. Das geplante gemeinsame Gedenken an gefallene Soldaten und ermordete Juden ruft ein unterschiedliches Echo hervor

von Jens Bayer-Grimm  21.07.2026

Berlin

Jüdisch, Queer, Selbstbewusst

Der »Pride-Shabbat« des Vereins Keshet Deutschland zeigt auch in diesem Jahr wieder, dass jüdisches und queeres Leben zusammengehören

von Leon Stork  20.07.2026

Pforzheim

Die vergessene jüdische Geschichte der Goldstadt

Vom Schwarzwald aus verkauften Juden einst Schmuck in die ganze Welt. Erst langsam wird diese Geschichte aufgearbeitet. Sie ist nicht immer glänzend – und auch noch nicht vorbei

von Mascha Malburg  20.07.2026

Porträt der Woche

»Ich wollte zum Ursprung«

Richard Ernst konvertierte zum Judentum, wurde Gärtner und Hobbymaler

von Anja Bochtler  18.07.2026

Würdigung

Im Einsatz für die Demokratie

Minister Georg Eisenreich zeichnete Engagierte in Justiz und Polizei mit dem Fritz-Neuland-Gedächtnispreis aus

von Luis Gruhler  18.07.2026

München

Bücher für alle

Der Literaturwissenschaftler Nathan Cohen sprach im Rahmen der Scholem-Alejchem-Reihe über populäre jiddische Literatur in Osteuropa

von Nora Niemann  18.07.2026

Stadtführung

Tatort Scheunenviertel

Kleinkriminelle, Arbeiter und Ostjuden – der Historiker Dmitry Kudinov zeigt die bewegte Geschichte eines hippen Teils von Berlin, der vor rund 100 Jahren alles andere als gentrifiziert war

von Alicia Rust  17.07.2026

Recklinghausen

Wie der Fußball Eddy rettete

Die Jüdische Gemeinde und Schulen der Region trugen den Emanuel-Schaffer-Cup aus – in Erinnerung an den legendären israelischen Trainer

von Martin Krauß  16.07.2026

Maccabiah

Momente, Medaillen, Menschen

Nach zwei Wochen ist das größte internationale Sportevent in Jerusalem erfolgreich zu Ende gegangen

von Katrin Richter  15.07.2026