Döbeln

Im Geiste Lessings

Er war gekommen, um über Toleranz zu sprechen. »Ihr müsst jetzt allerdings keine Sorge haben, dass ich die Ringparabel in allen Facetten interpretieren werde«, sagte Josef Schuster, der Präsident des Zentralrats der Juden, am Mittwoch vor Schülern in Sachsen. Erstens sei er kein Germanist, sondern Mediziner, und »zweitens gehörte Nathan, der Weise zum Pflichtstoff in meiner Schulzeit, aber in Begeisterung stürzte mich das damals als Teenager nicht«.

Doch das Thema Toleranz beschäftige ihn seit Jahren, »denn wir leben in einer Zeit, in der sich die Toleranz ... auf dem Rückzug befindet«.

Jubiläum Das Lessing-Gymnasium in der sächsischen Kleinstadt Döbeln hatte den Zentralratspräsidenten zum 150. Jahrestag der Schulgründung zu einem Vortrag eingeladen. Schuster sagte zu, da er es, wie er im Vorfeld erklärte, angesichts der politischen Entwicklungen »für besonders wichtig« halte, »gerade jetzt mit jungen Menschen in Sachsen ins Gespräch zu kommen«.

In seiner Ansprache warnte er vor »Bewegungen, die das Gegenteil von Toleranz verkünden. Bewegungen, die den Geist der Aufklärung des christlich-jüdischen Abendlandes mit Füßen treten und stattdessen diesen Begriff missbrauchen, um damit für ein ethnisch homogenes Deutschland zu werben«. Gerade hier in Sachsen, in der Nähe zu Dresden, müsse er »nicht weiter ausführen«, was er meine.

»Weder hier im Ort noch bundesweit dürfen wir die Einflussmöglichkeiten dieser Partei unterschätzen«, sagte Schuster.

Wahlergebnis Weiter warnte Schuster vor der AfD, die in Döbeln bei der jüngsten Gemeinderatswahl vor zwei Wochen auf rund 21 Prozent der Stimmen kam und damit, wie in vielen sächsischen Kommunen, zweitstärkste Kraft wurde.

»Weder hier im Ort noch bundesweit dürfen wir die Einflussmöglichkeiten dieser Partei unterschätzen«, sagte Schuster. Sie beherrsche »die Mittel der modernen Kommunikation ziemlich perfekt. Gerade in den sozialen Netzwerken verbreitet die AfD ihren Rassismus, ihre religiöse Intoleranz und ihre spalterische Hetze. Und genau die Tatsache, dass viele Bürger nur sehr wenig über den Islam und das Judentum wissen, spielt der AfD in die Hände.«

Am Lessing-Gymnasium sei dies allerdings nicht der Fall. Schuster lobte die Schule, an der sich die Oberstufe seit mehr als 20 Jahren in einem interdisziplinären Wahlkurs mit dem Judentum in allen seinen Facetten befasst. »Was Sie hier leisten, ist außergewöhnlich« – und »jetzt werden Sie verstehen, warum ich besonders gerne zu ihnen gekommen bin«.

Lesen Sie mehr dazu in der nächsten Printausgabe am 20. Juni.

Frankfurt

18-mal Familie

In einer Ausstellung des Jüdischen Museums rekonstruiert die Künstlerin Ruthe Zuntz die 500-jährige Geschichte ihrer Vorfahren

von Leon Stork  04.01.2026

Rezension

Das neue Zuhause ist in Gefahr

Israelis in Berlin berichten über ihre persönlichen Erfahrungen nach dem 7. Oktober

von Geneviève Hesse  04.01.2026

Philanthropie

Die Wüste zum Blühen bringen

Richard Markus verwaltet die größte Spende einer Einzelperson in der Geschichte Israels. Er lebt in Berlin

von Alicia Rust  04.01.2026

Brandenburg

Die Kunst der Nachbarschaft

Wie die jüdische Gemeinde Königs Wusterhausen neue Räume bezog – und eine unerwartete Freundschaft mit einem libanesischen Gastronomen entstand. Ein Ortsbesuch

von Helmut Kuhn  04.01.2026

Porträt der Woche

Auf Entdeckungsreise

Friederike Heimann fand über Gedichte und ihren Mann zum Judentum

von Heike Linde-Lembke  04.01.2026

München

Musik für die Seele

Die Künstlerin Sharon Brauner und der Pianist Harry Ermer begeisterten mit ihrem Programm »Jiddish Soulfood« das Publikum

von Helen Richter  04.01.2026

Generationenwechsel

Positiver Lärm

In vielen Gemeinden haben bereits Jüngere Verantwortung übernommen. Andere suchen noch Nachfolger, die dazu bereit sind. Ein Stimmungsbild

von Christine Schmitt  02.01.2026

Geburtstag

Ins Leben zurückgekämpft

Der Holocaust-Überlebende Leon Weintraub feiert 100. Geburtstag

von Gabriele Ingenthron  31.12.2025

Programm

Götter, Märchen und Le Chaim: Termine und TV-Tipps

Termine und Tipps für den Zeitraum vom 31. Dezember bis zum 13. Januar

 31.12.2025