Sie war eine starke und tapfere Frau, wie sie im letzten Kapitel der Sprüche Salomos mit den vorzüglichsten Attributen geehrt wird: »Auch in der Nacht verlöscht ihr Licht nicht.« So hatte es geklungen, als die Münchner Rebbetzin Shoshana Brodman sel. A. im Oktober 2025, nur wenige Wochen vor ihrem Tod, von der Israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern (IKG) als Eschet Chajil ausgezeichnet wurde.
Seit Kurzem trägt nun auch das rituelle Tauchbad für Frauen im Jüdischen Gemeindezentrum am Jakobsplatz ihren Namen. Für die Enthüllung der Plakette an der »Mikwe Shoshana« waren am Montag vergangener Woche etliche Mitglieder des Gemeindevorstandes, Mitarbeiter des Rabbinats sowie der Geschäftsführer der IKG zu einer Veranstaltung zusammengekommen, um gemeinsam an Shoshana Brodman zu erinnern. Die Namenstafel hatte Ada Yacobi entworfen.
In einer bewegenden Rede wandte sich zunächst Gemeinderabbiner Shmuel Aharon Brodman an die Anwesenden und blickte zurück auf die Zeit seiner persönlichen Trauer. »Zehn Monate sind vergangen, aber die Sehnsucht nach ihr wird nicht kleiner. Shoshana fehlt mir jeden Tag und in so vielen Momenten meines Lebens.« Dass der Name Shoshanas nun mit der Mikwe der Münchner Gemeinde verbunden ist, bezeichnete Brodman als »großen Trost und große Ehre«.
»Die Mikwe gehört zu den wichtigsten Grundlagen eines jüdischen Hauses. So dachte, so war auch Shoshana.«
Rabbiner Shmuel Aharon Brodman
Er hob hervor, gerade die auch räumlich dezent gestaltete Mikwe sei ein besonders treffendes Symbol für seine Frau. »Die Mikwe ist ein stiller und besonderer Ort. Es geht hier nicht um Öffentlichkeit und nicht um äußere Ehre. Und doch gehört die Mikwe zu den wichtigsten Grundlagen eines jüdischen Hauses. So dachte, so war auch Shoshana.«
Brodman erinnerte an die vielen guten Taten, die seine Frau im Stillen mit Herzlichkeit, Wärme und Liebe geleistet hatte. »Sie öffnete unser Haus und ihr Herz für die Menschen, sie empfing jeden mit einem Lächeln und gab ihm das Gefühl, willkommen und wichtig zu sein.« Er bete dafür, dass »jede Frau, die in Zukunft die ›Mikwe Shoshana‹ besucht, hier Keduscha, Ruhe und Segen spüren möge«.
IKG-Präsidentin Charlotte Knobloch betonte ihrerseits die Kraft, die notwendig sei, um nicht dauerhaft in Trauer zu verharren: »Sie, verehrter Herr Rabbiner, und Ihre wunderbare Familie, insbesondere die Kinder, sind uns darin ein Vorbild. Ganz im Sinne Ihrer geliebten Frau und Mutter leben Sie und Ihre Familie weiter und pflegen unseren Glauben und die Traditionen.« Und auch Knobloch erinnerte sich daran, wie Shoshana noch im vergangenen Herbst als Eschet Chajil geehrt worden war: »Ihr Licht ist nicht verloschen. Es leuchtet weiter. In unseren Herzen und auch in unserem Haus, diesem Gemeindezentrum.«