Nachruf

»Ideenreich und integrativ«

Ute Teschemacher, die Vorsitzende der jüdischen Gemeinde Emmendingen, ist am 23. November im Alter von 65 Jahren nach schwerer Krankheit verstorben. Mit ihrem großen Engagement hat sie gemeinsam mit ihrem Mann Klaus dem jüdischen Leben in den Landkreisen Emmendingen und Ortenau eine neue Heimat gegeben und das gesellschaftliche Leben geprägt. 15 Jahre lang war sie Vorsitzende der neugegründeten Gemeinde, vertrat die Region im Oberrat der Israeliten Badens und lange auch im Zentralrat.

Ute Teschemacher wurde am 14. Oktober 1950 in Rottweil am Necker geboren. Ihren Ideenreichtum brachte die Pädagogin, die 1986 die Emmendinger Sprachheilschule aufbaute, auch bei der Integration jüdischer Flüchtlinge aus der ehemaligen Sowjetunion ein. Das Ehepaar Teschemacher war in Emmendingen die treibende Kraft, das dort von den Nationalsozialisten ausgelöschte jüdische Leben wieder aufleben zu lassen.

ehrungen Ute Teschemacher bewies herausragendes organisatorisches Gespür, getragen von persönlicher Zuwendung. 1999 wurden die Integrationsbemühungen der Gemeinde mit dem Karl-Kübel-Preis für »Familieninitiativen in religiösen Gemeinden« in der Frankfurter Paulskirche geehrt. »Sie stehen für Toleranz und menschliches Miteinander«, würdigte Baden-Württembergs Staatsministerin Silke Krebs Ute und Klaus Teschemacher zudem 2012 anlässlich der Verleihung der Staufermedaille in Gold, einer selten verliehenen Ehrung.

An klaren Worten fehlte es Ute Teschemacher bei alldem nie, so etwa 1988 bei der Diskussion um den Text einer Gedenktafel für die in der Pogromnacht zerstörte Emmendinger Synagoge. Ute Teschemacher leitete zudem viele Jahre den 1988 gegründeten Verein für jüdische Kultur und Geschichte. Bei ihrem Einsatz war sie immer darauf bedacht, Menschen für diese Arbeit zu gewinnen und einzubeziehen.

Die letzte Ehrung konnte Ute Teschemacher schon nicht mehr persönlich entgegennehmen. Aus Anlass des 20-jährigen Bestehens der jüdischen Gemeinde erhielt der Saal im Simon-Veit-Gemeindehaus den Namen »Teschemacher-Saal«. Am vergangenen Donnerstag wurde sie zu Grabe getragen.

Engagement

Grenzenlose Solidarität

Spenden und Gespräche: Die jüdische Community ist schockiert über die dramatische Lage in der Ukraine und hilft – jeder so, wie er kann

von Christine Schmitt  05.02.2026

Gesellschaft

Einfach machen!

Seit dem Jahr 2000 zeichnet die amerikanische Obermayer Foundation ehrenamtlich engagierte Bürgerinnen und Bürger aus. So wie am vergangenen Sonntag im Jüdischen Museum in Berlin

von Katrin Richter  05.02.2026

Hilfe

Wärme schenken

Die Mitzwe Makers unterstützen mit der »Warmnachten«-Aktion obdachlose Menschen in der kalten Jahreszeit mit Sachspenden

von Esther Martel  04.02.2026

Podcast

Von Adelheid bis Henriette

Journalisten und Historiker gehen dem Leben jüdischer Frauen im 19. und 20. Jahrhundert nach

von Katrin Richter  04.02.2026

Umwidmung

Kein Zeitplan für Yad-Vashem-Straße in Berlin

Nach der israelischen Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem soll ein Straßenabschnitt im Herzen von Berlin benannt werden. Bislang ist unklar, wann dies erfolgt

 03.02.2026

Tu Bischwat

Erste Blätter

Wie stellen sich jüdische Kinder das Neujahrsfest der Bäume vor? Wir haben einige Mädchen und Jungen gebeten, für uns zu malen

 02.02.2026

Berlin

Lehrerin und Heimatforscher mit Obermayer Awards ausgezeichnet

Seit dem Jahr 2000 verleiht die US-amerikanische Obermayer-Stiftung jährlich einen Geschichtspreis an Heimatforscher und Gedenk- und Aufarbeitungsprojekte in Deutschland. In diesem Jahr wurden vier Personen und eine Initiative geehrt

 01.02.2026

Porträt der Woche

Willkommen zu Hause

Laurette Dassui wuchs in Paris auf und entdeckte in Berlin ihr Jüdischsein neu

von Gerhard Haase-Hindenberg  01.02.2026

München

Wege aus dem Hass

Der amerikanisch-israelische Psychologe Dan Ariely und Guy Katz sprachen im »Prof-Talk« über Antisemitismus aus unterschiedlicher Perspektive

von Esther Martel  31.01.2026