Klima

»Hoffnung für die Umwelt«

»Ich wohne mitten in der Natur«: Mascha Disman Foto: privat

Klima

»Hoffnung für die Umwelt«

Die Studentin Mascha Disman über »Fridays for Future« und Coffee-to-go

von Christine Schmitt  09.08.2021 10:48 Uhr

Mascha, hast du heute schon einen Kaffee unterwegs getrunken?
Nein, ich komme auch ohne Kaffee durch den Tag.

Ich wollte nämlich wissen, ob du immer einen Mehrwegbecher eingepackt hast. Nimmst du denn immer eine Trinkflasche mit, die du unterwegs auffüllen lassen kannst?
Ja, ich nehme meistens eine wiederauffüllbare Flasche mit. Ich unterstütze die Idee von Unverpackt-Läden. Aber es ist auch eine kostspielige Angelegenheit, und man kann auch in regulären Supermärkten ressourcenschonend einkaufen. So klappt es, dass ich achtsam konsumiere und so wenig wie möglich unnötig verbrauche. Umweltschutz ist eine Herzensangelegenheit für mich.

Dein Profilbild auf WhatsApp zeigt dich auf einem Feld. Bist du viel in der Natur unterwegs?
Ja. Da finde ich mich wieder. Ich wohne sozusagen mitten in der Natur, angrenzend an einen Park und einen Wald.

Sind dir Veränderungen in der Natur aufgefallen?
Natürlich. Ich erinnere mich noch an meinen Geburtstag vor etwa fünf Jahren im März, als Schnee lag. Mittlerweile hat man ja schon im Februar T-Shirts an, und am nächsten Tag gibt es starkes Unwetter.

Es vergeht kaum eine Woche ohne schlechte Nachrichten, was das Klima angeht: Jüngst die Katastrophe im Westen Deutschlands, Höchsttemperaturen in Kanada, das Eis an den Polen schmilzt, der Meeresspiegel steigt: Hast du Hoffnung, dass es dafür noch eine Lösung gibt?
Ja, die Kipppunkte sind noch nicht erreicht. Ich bin eine Verfechterin davon, dass man, solange es noch Hoffnung gibt, sie auch haben muss. Wenn man weiß, dass man nichts mehr machen kann und darüber ein breiter Konsens herrscht, dann kann man sagen: Okay, wir haben leider unsere Chance vertan. Aber ich glaube, wir können sowohl als Einzelperson als auch in der Politik oder in Unternehmen etwas erreichen.

Du setzt darauf, dass die Menschen sich ändern und in der Wissenschaft weiter geforscht wird, sodass das Schlimmste abgewendet werden kann?
Es sind keine Hoffnungen, sondern es gibt die Möglichkeiten. Es ist die Frage, ob man so lange weitermacht, bis keine Ressourcen mehr vorhanden sind, oder jetzt schon versteht, was sonst für Konsequenzen folgen. Die einzige Alternative ist also, die vorhandenen Mittel und nachhaltige Angebote zu nutzen.

Woran denkst du dabei genau?
Konsequente und entschiedene politische Entscheidungen. Unter anderem im Bereich der erneuerbaren Energien. Es ist natürlich nicht möglich, von heute auf morgen alles zu ändern. Nehmen wir das Beispiel des Kohleausstiegs. Wenn die Motivation da ist, dann wird das viel schneller umgesetzt werden können als zunächst gedacht. Oder dass Deutschland bis 2050 Treibhausgasneutralität erreichen wollte. Wenn man da das Ziel näher setzt, dann wird das auch machbar sein. Allein die kürzlich stattgegebene Klage beim Bundesverfassungsgericht zeigt, dass es möglich ist, nachzubessern. Denn nun ist das Ziel um fünf Jahre vorgezogen. Der Beschluss des Gerichts verpflichtet den Staat, aktiv vorzubeugen. Dieses Urteil vom Bundesverfassungsgericht hat eine große Wirkung. Immerhin hat die Bundesregierung ein Acht-Milliarden-Sofortprogramm beschlossen, um die Klimaschutzziele zu erreichen.

Was erwartest du von den Politikern, die die neue Regierung bilden werden?
Auf jeden Fall, dass fundiert wissenschaftlich gearbeitet wird. Meiner Meinung nach hat »Fridays for Future«, bei deren Demos ich auch mitmache, das Thema erfolgreich in den Mittelpunkt der Aufmerksamkeit gerückt.

Was kann man tun?
Aktiv bleiben und sich den Bewegungen anschließen.

Wo informierst du dich?
Durch Nachrichtensendungen und Polit-Talks im Fernsehen. Ich finde neben den Inhalten auch die Art und Weise der Wirkung der politischen Kommunikation wichtig.

Hast du ein Vorbild?
Nein, da bin ich kritisch. Ich versuche, mich lieber von mehreren Menschen inspirieren zu lassen.

Mit der Studentin sprach Christine Schmitt. Mascha Disman ist 22 Jahre alt und kommt aus Essen. Sie studiert in Düsseldorf Politik, Soziologie, Medien- und Kommunikationswissenschaft. Von 2019 bis 2020 war sie Leiterin des Nachhaltigkeitsreferats der Jüdischen Studierendenunion Deutschland (JSUD).

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