Ulpan

»Hebräisch verbindet«

Uli Hirschfelder unterrichtet Hebräisch. Foto: Karla Fritze

Ulpan

»Hebräisch verbindet«

Uli Hirschfelder über Spracherwerb, einen deutsch-polnischen Austausch und engagierte Studenten

von Jérôme Lombard  16.08.2019 11:33 Uhr

Frau Hirschfelder, Sie geben an der School of Jewish Theology der Universität Potsdam einen dreiwöchigen Iwrit-Ulpan. Wie ist die Stimmung kurz vor der Prüfung?
Nach wie vor fantastisch. Die Lerngruppen haben eine gute Dynamik entwickelt. Am Anfang war es nicht ganz einfach, die Teilnehmer der einzelnen Klassen mit ihren teilweise doch sehr unterschiedlichen sprachlichen Voraussetzungen zusammenzubringen. Das hat sich aber mit der Zeit eingependelt. Nicht alle Teilnehmer werden die Abschlussprüfung mitschreiben. Manche brauchen keine akademischen Leistungspunkte und wollen sich daher den Stress nicht antun. Die, die mitschreiben, sollten aber gut vorbereitet sein. Nach der Prüfung wollen alle Klassen zusammen noch eine Abschiedsfeier organisieren.

Wer nimmt an dem Ulpan teil?
Die insgesamt 70 Teilnehmer wollen aus unterschiedlichen Gründen ihr Hebräisch verbessern. Manche bereiten sich konkret auf einen Israel-Aufenthalt vor, andere brauchen die Sprache für ihre Studien, und wieder andere interessieren sich einfach für das moderne Hebräisch. Mich freut besonders, dass Mitglieder aus jüdischen Gemeinden teilnehmen. Auch Studenten aus Potsdam und anderer Universitäten aus Deutschland und Europa sind dabei. Da wir den Ulpan in Kooperation mit der Universität Krakau durchführen, sind auch Studenten aus Polen zu uns gekommen.

Unterrichten Sie denn ganz alleine?
Oh nein, das wäre vom Pensum her nicht zu schaffen. Wir sind ein Team von sechs Dozentinnen aus Israel, Polen und Deutschland. Ich unterrichte zusammen mit einer israelischen Kollegin den Ulpankurs »Gimel«, also die fortgeschrittene Sprachstufe. Als große Bereicherung erlebe ich es, dass auch zwei Dozentinnen aus Krakau einen Kurs übernommen haben. Sie haben einen anderen methodischen Ansatz, die hebräische Sprache zu vermitteln. Wir können voneinander lernen.

Es gibt ein kulturelles Rahmenprogramm. Wie sieht das aus?
Nach dem Vorbild der klassischen akademischen Ulpanim in Israel haben wir uns gedacht, nach den Kursen optionale Veranstaltungen anzubieten. Die Idee ist, neben dem Spracherwerb auch etwas über deutsch-jüdische Geschichte und die israelische Kultur und Gesellschaft zu erfahren. Es gibt Vorträge, wir haben israelische Filme angesehen, das Jüdische Museum und das Haus der Wannsee-Konferenz in Berlin besucht. Auch eine Führung über den Jüdischen Friedhof in Weißensee stand auf dem Programm.

Wie finanziert sich der Ulpan?
Ich bin sehr froh, dass wir in diesem Jahr neue Unterstützer gewinnen konnten. Neben der School of Jewish Theology selbst hat die Universität Potsdam mit ihrem KoUP-Programm die Anschubfinanzierung geleistet. Weitere Sponsoren sind die Schwarz-Schütte-Stiftung Potsdam, die zur Leo Baeck Foundation gehört, sowie die Stiftung für deutsch-polnische Zusammenarbeit. Dank der umfangreichen Förderung konnten wir den Ulpan für alle Teilnehmer ohne Kursgebühren anbieten. Die im Vorfeld geäußerte Befürchtung, dass die Gebührenfreiheit zu einer unregelmäßigen Teilnahme führen könnte, hat sich nicht bestätigt. Einen dreiwöchigen Intensivsprachkurs im Sommer mit insgesamt 20 akademischen Stunden pro Woche muss man wollen. Alle Teilnehmer haben sich darauf eingelassen.

Wieso unterstützt die Stiftung für deutsch-polnische Zusammenarbeit einen Ulpan?
Ziel der Stiftung ist es, den Austausch von Deutschen und Polen in vielfältiger Weise zu fördern. Durch die Kooperation der Universitäten Potsdam und Krakau ist das gewährleistet. Als Dozentin finde ich es natürlich besonders schön, dass das verbindende Element in diesem Fall Hebräisch ist.

Der Ulpan findet bereits zum zweiten Mal in Folge in den Semesterferien statt. Wird es den Kurs auch 2020 geben?
Wir wollen den Ulpan als Teil des Summer School Program der Universität Potsdam als feste Größe etablieren. Unser Ziel ist es, die Kooperation mit Krakau auszuweiten. So sieht der Plan vor, dass der Sprachkurs im nächsten Jahr in Polen stattfindet, 2021 dann wieder in Potsdam. Der große Zuspruch in diesem Sommer gibt uns zusätzlichen Rückenwind für unser Vorhaben. Dass sich so viele Menschen für modernes Hebräisch interessieren, zeigt, dass es hierzulande Bedarf für einen Ulpan dieser Art gibt.

Mit der Hebräisch-Dozentin sprach Jérôme Lombard.

Meinung

Berlin bekommt, was es verdient!

Ein Kommentar von Chefredakteur Philipp Peyman Engel zum Erdrutschsieg der Linkspartei in der Hauptstadt

von Philipp Peyman Engel  20.09.2026

Feiertage

Chatima towa, oder was?

Was von Rosch Haschana über Jom Kippur bis Sukkot die korrekte Grußformel ist

von Rabbiner Yaacov Zinvirt  20.09.2026 Aktualisiert

Porträt der Woche

Damit die Namen bleiben

Jorge Steffen ist Germanist und engagiert sich für den Erhalt von Grabsteinen

von Gerhard Haase-Hindenberg  20.09.2026

Sachsen-Anhalt

Halle: Gemeindevorsitzender hat keine Angst vor AfD-Regierung

Max Privorozki kritisiert in einem aktuellen Interview das Geschichtsbild der AfD in Sachsen-Anhalt. Er wolle jedoch abwarten, »was die Partei tatsächlich umsetzen würde«

 20.09.2026

Kommentar

Die Schatten der Vergangenheit sind lang

Wie der Hessische Rundfunk über jüdische Grundstücke stolpert

von Daniel Neumann  18.09.2026

Wuppertal

Brandanschlag auf Synagoge: Staatsanwaltschaft geht von Judenhass aus

Der 37 Jahre alte mutmaßliche Täter soll aus antisemitischen Gründen gehandelt haben

 18.09.2026

Wuppertal

Brandanschlag auf Synagoge

Nach ersten Erkenntnissen handelte der polizeibekannte Mann mit afghanischer Staatsangehörigkeit allein

 18.09.2026 Aktualisiert

Sukkot

Fast zu Hause

Unsere Autorin flüchtete mit ihren Kindern 2022 aus der Ukraine. In Rottweil begann die kleine Familie ein neues Leben. Zum Laubhüttenfest blickt die Manikeurin auf ihr Ankommen zurück

von Olga Nemchenko  17.09.2026

Jubiläum

Jüdischer Landesverband Sachsen feiert 100-jährige Geschichte

Rund 20.000 Jüdinnen und Juden haben vor dem Zweiten Weltkrieg in Sachsen gelebt. Bereits vor 100 Jahren wurde eine jüdische Interessenvertretung gegründet

 16.09.2026